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Corona: Viele Kinder leiden nur an Infekt

Wie gefährlich kann das Coronavirus für Kinder werden? Und was müssen Schwangere beachten? Die SZ hat mit dem Dresdner Arzt Norbert Lorenz gesprochen.

Kinder scheinen mit einer Coronavirus-Infektion deutlich besser fertig zu werden als Erwachsene. Dennoch zeigen sie Symptome. Welche das sind, erklärt der Dresdner Kinderarzt Norbert Lorenz.
Kinder scheinen mit einer Coronavirus-Infektion deutlich besser fertig zu werden als Erwachsene. Dennoch zeigen sie Symptome. Welche das sind, erklärt der Dresdner Kinderarzt Norbert Lorenz. © dpa/Sebastian Gallnow

Dresden. In Dresden haben sich bislang vor allem Menschen im Alter von 15 bis 59 Jahren mit dem Coronavirus angesteckt. Trotzdem macht der Erreger um Kinder keinen Bogen. Wie schwer kann es die Knirpse treffen? Und wie können sich Mütter und Väter schützen, und trotzdem für ihr Kind da sein? Die SZ hat darüber mit Norbert Lorenz gesprochen. Er ist Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum in Dresden.

Wie viele Dresdner Kinder sind aktuell infiziert?

Nachgewiesen wurde das Virus bislang bei fünf Kindern im Alter bis zu vier Jahren sowie bei weiteren vier Kindern im Alter zwischen 5 und 14 Jahren. Das geht aus den Daten des Robert-Koch-Instituts für Infektionskrankheiten hervor. Sechs infizierte Jungen stehen drei infizierten Mädchen gegenüber.

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Welche Symptome hatten positiv getestete Kinder?

"Typische Symptome waren am Anfang Durchfall, schnelles Atmen und schneller Herzschlag", sagt Norbert Lorenz. Manche Kinder litten unter Schnupfen und seien müde gewesen. Alles in allem sei der Infekt kaum von einer normalen Erkältung zu unterscheiden gewesen. "Die meisten litten an einem harmlosen Infekt." 

Nur etwa 25 Prozent litten an leichtem Fieber, zehn Prozent hätten hohes Fieber gezeigt, so der Mediziner. Eine Lungenentzündung, die typischerweise bei infizierten Erwachsenen auftrete, sei lediglich bei rund 30 Prozent der kleinen Patienten aufgetreten.

Zwar stützen sich die meisten Erkenntnisse über den Krankheitsverlauf bei Kindern auf Daten aus China. Bislang würden sich diese aber mit den Beobachtungen in Deutschland decken, sagt Norbert Lorenz. Er stehe in ständigem Kontakt mit anderen Kinder- und Jugendmedizinern in Deutschland. Für Dresden seien ihm keine schweren Verläufe bei Kindern bekannt.

Wie werden erkrankte Kinder behandelt?

In erster Linie geht es darum, die Symptome zu lindern, notfalls auch mit Atemhilfe. Besonders wichtig sei es, den Flüssigkeitshaushalt stabil zu halten, so Lorenz. Das gilt insbesondere bei Durchfall und Fieber. Eltern werden das von vorherigen Infekten bei ihren Kindern kennen.

Wo stecken sich Kinder besonders häufig an?

Sich im Freien, an der frischen Luft, zu infizieren, ist unwahrscheinlich - vor allem, wenn auf genügend Abstand zu anderen Menschen geachtet wird. Nein: "Die meisten Kinder haben sich in der Familie angesteckt", sagt Norbert Lorenz. Eine Sorge der Epidemiologen dabei sei, dass die Kinder zwar nur leicht und eventuell unbemerkt erkranken, aber das Virus trotzdem übertragen.

Wie können sich Eltern vor einer Ansteckung bei ihren Kindern schützen?

Infizierte sollten nach Möglichkeit ein anderes Badezimmer nutzen, Einmal-Taschentücher verwenden, sich oft die Hände waschen, sich in gut belüfteten Räumen aufhalten, und - wenn möglich - in einem anderen Raum essen als der Rest der Familie. Das rät das Gesundheitsamt. 

Dr. Norbert Lorenz ist Oberarzt der Kinder- und Jugendklinik am Städtischen Klinikum Dresden.
Dr. Norbert Lorenz ist Oberarzt der Kinder- und Jugendklinik am Städtischen Klinikum Dresden. © Städtisches Klinikum Dresden

Angehörige sollten engen Kontakt vermeiden, was besonders bei den eigenen Kindern schwerfallen dürfte. Ein Abstand von ein bis zwei Metern wird empfohlen. Außerdem sollten Tische und Türklinken regelmäßig gereinigt werden. Auch hier gilt: Hände waschen! "Hygieneregeln gelten ebenso für Familien", so Lorenz.

Können Schwangere das Virus auf das Kind übertragen?

"Da sagen alle Daten bisher nein", so der Arzt. "Im ersten Drittel der Schwangerschaft ist trotzdem Vorsicht angebracht, weil hohes Fieber bei der werdenden Mutter in diesem Zeitraum für das Kind gefährlich werden kann." 

Stillen darf eine erkrankte Mutter, sagt Norbert Lorenz. "Nach allem, was wir wissen, erscheint das Virus nicht in der Muttermilch. Anders sieht es aus, wenn die Mutter Medikamente einnimmt, die dem Kind schaden könnten."

Wie ist das Dresdner Klinikum auf infizierte Kinder vorbereitet?

Derzeit kommen etwa drei bis sechs Kinder in die Corona-Notaufnahme des Neustädter Krankenhauses. Bei allen seien die Tests negativ gewesen, sagt Norbert Lorenz. Die Aufnahme sei von den normalen Patienten- und Behandlungszimmern komplett abgetrennt. In der Geburtshilfe sei ein Kreißsaal-Bereich mit eigenem Operationssaal für Kaiserschnitte baulich komplett von den anderen abgetrennt worden. Der Saal für infizierte Schwangere verfüge über Möglichkeiten der spezialisierten Betreuung von Müttern, gesunden und kranken Neugeborenen bis hin zu sehr kleinen Frühgeborenen. "Zur Geburt können die Väter gern mitkommen, auf der Wochenstation gibt es aktuell keine Besuchsmöglichkeit." In der Kinderklinik darf ein Elternteil beim Kind bleiben.

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