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Corona: Neustart mit Fragezeichen für Kosmetikerin

Die Dresdnerin Franziska Tschöpe darf nach sechs Wochen Zwangspause endlich wieder arbeiten. Aber was genau ist erlaubt? Und wie wird sie unterstützt?

Kosmetikerin Franziska Tschöpe darf seit Montag wieder arbeiten. Ein bisschen zumindest.
Kosmetikerin Franziska Tschöpe darf seit Montag wieder arbeiten. Ein bisschen zumindest. © Marion Doering

Dresden. Das war höchste Zeit! Die Fingernägel waren seit Wochen überfällig und schrien regelrecht danach, wieder herausgeputzt zu werden. Und auch Franziska Tschöpe war in jeder Hinsicht froh, am Montag wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren zu dürfen. Mit viel Elan feilte, polierte und lackierte die Dresdner Kosmetikerin wieder Nägel. 

"In den letzten 14 Jahren habe ich nur einmal zehn Tage frei gemacht", sagt die 53-Jährige. "Sonst höchstens mal eine Woche." Zuletzt war sie allerdings sechs Wochen lang in Zwangspause. Genau wie Friseure durfte sie zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus keine Kunden behandeln.

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Seit Montag ist sie wieder in ihrem Geschäft an der Schandauer Straße. Seit sie sich 2006 selbständig gemacht hat, teilt sie sich die Räume hier mit der Friseurin Kathrin Milde. "Man könnte sagen, das hat sich bewährt", sagt Franziska Tschöpe und lacht. Die Stimmung ist stets gut. Viele Kunden würden sich in ihrem gemeinsamen Salon gleich rundum versorgen lassen. Wenn sie denn dürfen.

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Die viele Freizeit in den vergangenen Wochen nutzte Franziska Tschöpe vor allem für ihr Triathlon-Training. Schwimmen war schwierig, aber Laufen und Radfahren konnte sie. Das tat allein deswegen gut, um mal die geschäftlichen Sorgen aus dem Kopf zu bekommen. "Ein paar Wochen hätte ich das sicher noch durchgestanden, aber dann wäre es eng geworden", sagt sie. "Man will ja nicht die ganze Altersvorsorge aufbrauchen."

Zu Beginn der Krise fitzte sie sich zunächst zwei Wochen lang in die Formulare zur finanziellen Unterstützung ein. Dann eine erste große Enttäuschung: Ihr Antrag auf Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz wurde abgelehnt, da nicht sie persönlich, sondern ihre ganze Branche betroffen war. Immerhin überwies ihr dann die Stadt 1.000 Euro Soforthilfe. Die SAB bewilligte 7.000 Euro für die Betriebskosten, die allerdings noch nicht auf dem Konto sind. Das muss vorerst reichen, um weiter zu machen.

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Während Kollegin Kathrin Milde nun wieder ihrem Friseurgeschäft nachgeht, war für die Kosmetikerin zunächst nicht ganz klar: Was darf ich jetzt eigentlich wieder? Behandlungen im Gesicht sind für sie zunächst weiterhin verboten. Genau das ist allerdings der mit Abstand am häufigsten gewünschte Service. 

Übrig bleiben nur Maniküre und Pediküre. Eine Einschränkung, die dauerhaft für sie nicht durchzuhalten wäre. Doch Besserung scheint in Sicht zu sein: "Wenn ich das richtig verstanden haben, dürfen wir ab kommender Woche wieder alles anbieten", sagt sie.

Bis dahin schiebt Franziska Tschöpe mit viel Mühe die Termine hin und her. Bis Ende Mai ist sie restlos ausgebucht. Wen wundert es? Ihre ersten Arbeitstage nach der Schließzeit gehen nun von früh bis abends 22 Uhr. 

"Aber ich mach das gern und bin in gewisser Weise dankbar, wirtschaftlich mit einem blauen Augen davongekommen zu sein, sagt sie. "Ich weiß, dass die Krise andere noch weitaus schlimmer trifft." Für Franziska Tschöpe ist die Devise klar: Nicht jammern, sondern fleißig lackieren! 

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