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Dresden: Wer kontrolliert die Maskenpflicht in Läden?

Seit Montag muss in Bus und Bahn sowie beim Einkaufen ein Corona-Mundschutz getragen werden. Warum die Durchsetzung nicht einfach ist.

Im Rewe-Markt tragen Kunden und Mitarbeiter Maske.
Im Rewe-Markt tragen Kunden und Mitarbeiter Maske. ©  Christian Juppe

Dresden. Nun ist sie also da  - und sorgt durchaus für Fragen: Die Maskenpflicht. Ihre Kontrolle ist nicht Sache der Polizei, teilt die Polizeidirektion Dresden mit. Auch das Ordnungsamt ist nicht zuständig, wenn es um die Durchsetzung in privaten Geschäften, Bussen und Straßenbahnen geht. Darum müssen sich die Eigentümer der Läden und die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) selbst kümmern. 

In den Bussen und Bahnen der DVB sind deshalb Servicemitarbeiter unterwegs, die Masken-Verweigerer auf die Pflicht hinweisen und zur Not auch einfache Masken dabei haben. Die Verantwortlichen der Märkte haben unterschiedliche Erfahrungen gemacht.

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Kunden beleidigen Simmel-Personal

Peter Simmel, der Chef des gleichnamigen Marktes am Albertplatz, ist verwirrt. Müssen Mitarbeiter hinter dem Tresen, die durch Plexiglasscheiben geschützt sind, trotzdem Masken tragen? Bisher hat er noch keine Antwort auf diese Frage bekommen. Also tragen seine Mitarbeiter Masken, zum Beispiel an der Wurst- und Fleischtheke. Auch, wenn eigentlich die Scheiben schützen. "Acht Stunden mit der Maske hinter der Theke zu arbeiten ist schon eine Belastung", weiß Simmel von seinen Mitarbeitern.

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Simmel hat Masken bestellt. "Wir haben schon vor Wochen Betriebe beauftragt, für uns zu nähen." Diese Masken gibts in seinen Geschäften auch zu kaufen. "Kunden, die keine Maske haben, dürfen nicht in den Markt." Diese Regel durchzusetzen ist nicht immer einfach. Manche potenzielle Simmel-Kunden weigern sich und werden unverschämt. "Manche beleidigen uns übel. Diese bitten wir dann, woanders einzukaufen. Denn das haben wir nicht verdient", sagt Peter Simmel.

Konsum-Kunden machen mit

Keine Probleme meldet die Dresdner Konsum-Genossenschaft, die Kunden tragen Masken und die Mitarbeiter sowieso. Bisher habe es keine uneinsichtigen Besucher in den Märkten gegeben, die ohne Masken kamen und dann Diskussionen angefangen haben. Wer keinen Mund-Nase-Schutz trägt, werde "freundlich auf die Allgemeinverfügung hingewiesen", teilt das Unternehmen mit. Wie überall sind auch dort alle Verkäufer seit Montag verpflichtet, auch selbst Masken zu tragen.

Kaufland will bald Masken verkaufen

Sämtliche Kaufland-Mitarbeiter sind mit einem Mundschutz ausgestattet worden, sagt Andrea Kübler von der Kaufland-Pressestelle. Allerdings habe man nicht genug, um sie an Kunden zu verkaufen. "Wir arbeiten derzeit mit Hochdruck daran, dem momentanen Bedarf der Verbraucher an Schutzmasken zeitnah nachzukommen. Hierzu prüfen wir gemeinsam mit unseren Lieferanten verschiedene Bezugsquellen. Sobald wir Masken in entsprechender Qualität und Menge anbieten können, werden diese umgehend in unseren Filialen erhältlich sein", sagt Kübler. 

Wer jetzt ohne Mundschutz in den Kaufland-Filialen angetroffen wird, den weisen die Mitarbeiter freundlich auf die Verordnung hin und bitten sie um Verständnis, dass das Tragen einer entsprechenden Mund-Nasen-Bedeckung verpflichtend für den Aufenthalt in Einzelhandelsgeschäften ist, so Kübler. 

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Lidl setzt auf Eigenverantwortung

Mit Plakaten am Eingang der Filiale weist Lidl seine Kunden darauf hin, dass Mund und Nase bedeckt sein müssen, sagt Melanie Pöter von der Lidl-Pressestelle. "Grundsätzlich appellieren wir an jeden einzelnen, verantwortungsvoll mit der Situation umzugehen."

Eine kostenlose Ausgabe von Masken an Kunden sei nicht geplant. Aber die Lidl-Mitarbeiter erhielten alle Mund-Nasen-Schutzmasken. "Wir beobachten die täglichen Entwicklungen sehr genau und werden situativ bezüglich weiterer Maßnahmen entscheiden", sagt Pöter.

Bei Bedarf werden Aldi-Kunden auf Pflicht hingewiesen

Am Bühlauer Aldi steht ein Wagen mit Plastikhandschuhen und Desinfektionsmittel bereit, mit dem sich die Kunden ihre Wagen reinigen können. "Wir gehen davon aus, dass die Nutzung von Mundschutz oder Alltagsmasken in den kommenden Monaten überall dort zur neuen Normalität zählen wird, wo viele Menschen aufeinander treffen", sagt Pressesprecher Christian Salmen von Aldi-Nord.

Die Mitarbeiter würden mit den Masken ausgestattet. "Darüber hinaus geben wir unseren Mitarbeitern Hinweise und Informationen rund um das Thema Mundschutzpflicht an die Hand. Beispielsweise eine Anleitung wie der Mund sicher bedeckt wird", so Salmen. 

Vor den Eingängen würden die Kunden informiert, dass sie Mund und Nase mit einem Tuch, Schal, Maske oder ähnlichem abdecken müssen. "Zudem werden unsere Mitarbeiter oder in Einzelfällen auch externe Sicherheitsdienstleister in den Filialen auf diese Regelungen hinweisen." Aktuell verkaufe Aldi keine Schutzmasken. 

Handelsverband kritisiert fehlende Informationen

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Für die Händler ist die Lage unklar, sagt David Tobias vom Handelsverband Sachsen. "Bei der sehr schnell erlassenen Verordnung sind nach wie vor viele Fragen ungeklärt, beispielsweise wie weit die Verantwortung jedes Einzelhandelsunternehmen geht, die Bedeckung von Mund und Nase bei allen Kunden durchzusetzen", sagt der Dresdner Geschäftsführer. 

Die Händler würden die meisten Antworten aus der Presse erfahren statt direkt informiert zu werden. "Der Verweis des Ministeriums darauf, vom Hausrecht Gebrauch machen zu können, Hausverbote auszusprechen und andernfalls mit Geschäftsschließung rechnen zu müssen, ist jedenfalls nicht sachdienlich", so Tobias.

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