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Corona: Radwege statt Autospuren?

Die Grünen fordern wegen der Krise an mehreren Dresdner Straßen Radwege auf Fahrbahnen. Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) hat dazu eine klare Meinung.

Ulrike Caspary, Sprecherin für Fuß- und Radverkehr (r.), und Susanne Krause auf der Bautzner Straße, wo es bisher keinen Radweg gibt.
Ulrike Caspary, Sprecherin für Fuß- und Radverkehr (r.), und Susanne Krause auf der Bautzner Straße, wo es bisher keinen Radweg gibt. © (c) Christian Juppe

Dresden. Wegen der Corona-Krise und des Abstandsgebotes fahren weniger Dresdner mit Bussen und Bahnen. Viele Mitarbeiter von Firmen arbeiten nicht in ihren Büros. Dadurch ist weniger Autoverkehr in der Stadt. Gleichzeitig fahren mehr Dresdner Rad oder gehen zu Fuß. Deshalb wollen die Grünen Autospuren zu Radwegen deklarieren - mindestens temporär.

In einigen anderen Städten wurden vorübergehende Radwege bereits angeordnet, beispielsweise in Berlin. "Das wollen wir auch in Dresden", sagt Grünen-Stadträtin Susanne Krause.

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Ihre Kollegin Ulrike Caspary spricht von einem Verkehrsversuch. "Wenn es sich bewährt, sollten wir es danach aber auch so lassen." Die neue Straßenverkehrsordnung ließe das zu. Es gehe um die Sicherheit der Radfahrer und eine Auswahlmöglichkeit, damit sie auch nach der Corona-Krise gerne mit dem Rad fahren.

Susanne Krause misst auf der Bautzner Straße den Abstand für einen Radweg.
Susanne Krause misst auf der Bautzner Straße den Abstand für einen Radweg. © Christian Juppe

Die Grünen haben mehrere konkrete Stellen ausgemacht, wo Radwege plötzlich enden. Für dort fordern sie die Radwege auf den Fahrbahnen. Das sind an der Bautzner Straße der Bereich zwischen Lessingstraße bis zur Waldschlößchenbrücke, von der Wilhelminenstraße bis zur Schillerstraße, vom Rißeg bis zur Hegereiter Straße, von der Grundstraße bis zum Ullersdorfer Platz und vom Ullersdorfer Platz bis zum Radweg Richtung Weißig. Hier jeweils in beide Richtungen.

Weitere Bereiche sind die Königsbrücker Straße zwischen Herrmann-Mende-Straße und Fabricestraße stadteinwärts, das Blaue Wunder von Loschwitz in Richtung Blasewitz, die komplette Fetscherstraße und die Leipziger Straße/Antonstraße zwischen Rehefelder Straße und Carolaplatz beidseitig.

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An den Straßenrändern sollen dann jeweils mindestens 1,5 Meter gelb markiert werden für Radfahrer. Die Straßen würden entsprechend schmaler. Autofahrer könnten auf den Straßenbahngleisen fahren. So der Vorschlag der Grünen. Für einen Stadtratsantrag sei die Zeit zu knapp, deshalb solle die Verwaltung dies einfach umsetzen, fordern Krause und Caspary. Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) hat einen ähnlichen Vorschlag bereits gemacht. Allerdings ist Oberbürgermeister Dirk Hilbert anderer Meinung. 

"Ich halte von einem solchen Aktionismus einiger Interessengruppen gerade in

diesen ausgesprochen angespannten Zeiten überhaupt nichts", so Hilbert auf SZ-Anfrage. "Hier wird die Corona-Krise missbraucht, um jetzt ihre Themen durch die Hintertür zu platzieren, die man schon immer mal machen wollte." 

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OB Hilbert geht noch weiter. "Solche Wünsche, jetzt zusätzliche Radspuren auf Fahrbahnen zu markieren und das dann vielleicht gleich so zu belassen, geht völlig an den Fakten vorbei." Fast täglich nutze Hilbert für seinen Arbeitsweg das Rad und er könne aktuell kein verändertes Nutzungsverhalten erkennen.

"Eher ist es sehr ruhig und überschaubar auf Dresdens Radwegen und Straßen", sagt Hilbert. "Für die Sicherheit der Radfahrer haben wir die Bedarfstaste an den Ampeln ausgesetzt, als Prävention gegen eine Ansteckung. Sowas ist sinnvoll." 

Die Fortschreibung und Umsetzung des Radverkehrskonzeptes sei ihm wichtig. "Das birgt echte nachhaltige Verbesserungen für die Dresdner Radfahrer. Und hier gibt es auch genügend Ideen und Ansätze für Fahrradstraßen."

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