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Corona: Schlafstörungen nehmen zu

Der Schlafmediziner am städtischen Klinikum über die Folgen der Pandemie für die Kinder. Die können sogar zu Verletzungen führen.

Der Schlafmediziner am städtischen Klinikum über die Folgen von Corona für die Kinder.
Der Schlafmediziner am städtischen Klinikum über die Folgen von Corona für die Kinder. ©  dpa (Symbolbild)

Dresden. Wochenlang keine Schule und keine Kita. Nun gehen die Kinder oft sehr unregelmäßig ins Bett. Das hat nicht nur soziale und Bildungsfolgen, sondern auch Konsequenzen für das Schlafverhalten. "Wir sehen eine Zunahme von Schlafstörungen durch die unregelmäßigen Zeiten in Schule und Kita", so Stephan Eichholz, Leiter des Kinderschlaflabores und Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin am Städtischen Klinikum Dresden. Mal sei früh um 8 Uhr Schule und dann wieder eine Woche lang nicht, das bringe oft den Schlafrhythmus durcheinander. 

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Gerade Jugendliche würden an den Abenden ohne Schule am nächsten Morgen noch lange Fernsehen oder am Handy spielen, so dass sie später ins Bett gehen. "Eltern sollten gerade jetzt auf regelmäßige Schlafenszeiten achten." Doch nicht nur in Coronazeiten, sondern immer seien Rituale und ein geregelter Rhythmus wichtig. "Ein- und Durchschlafstörungen treten in jedem Alter auf. Wir sehen Säuglinge, die im späten Säuglingsalter noch mehrfach die Nacht gestillt werden, obwohl nachts keine Nahrungsgaben mehr nötig sind", so Eichholz. 

Das selbständige Einschlafen sei Voraussetzung für das Durchschlafen und das Durchschlafen ein Meilenstein der frühkindlichen Entwicklung. Damit Kinder selbst in den Schlaf finden, seien Einschlafrituale wichtig. "Diese sollten nie zu lang ausgedehnt werden, auch wenn das Kind sagt, bitte noch eine Geschichte" so der Mediziner. Für Kleinkinder seien die Zuverlässigkeit und Wiederholung sowie geregelte gleiche Bettzeiten wichtig. Viele Kinder kennen dann die Geschichten oft schon auswendig. "Weitere Rituale wie das immer gleiche Kuscheltier sind wichtig", so Eichholz. Auch für größere Kinder seien regelmäßige Zeiten wichtig, da sich sonst ein Schlafdefizit aufbaut, das die schulischen Leistungen negativ beeinflusst. 

Zu den Zusammenhängen zwischen Lernen und Schlaf gibt es inzwischen viele Untersuchungen. "Vor dem Einschlafen am besten nicht an Handy oder PC spielen, zumindest den Blauanteil des Lichts herausfiltern", betont der Mediziner. Eichholz erinnert sich an einen Fall, bei dem ein neunjähriger Junge am späten Vormittag mit dem Rettungswagen aus der Schule in die Kinderklinik gebracht wurde, da der im Unterricht nicht mehr erweckbar war. Als Kinderneurologe sei er in die Aufnahme gerufen worden und hat dort ein deutlich verhaltensauffälliges müdes Kinde mit autistischen Zügen gesehen, erinnert sich Eichholz. Einige Wochen später sah er den Jungen nach einer Schlaflaboruntersuchung wieder. Er war ausgeschlafen, munter und fröhlich. Die Untersuchung im Schlaflabor zeigte ein normales Schlafprofil. "Im Gespräch über das Schlafverhalten kam heraus, dass der Junge nachts heimlich Filme im Fernsehen schaute. Die Mutter gab an, so tief geschlafen zu haben, dass sie das nicht bemerke", erinnert er sich.

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Zum Tag des Schlafes am 21. Juni macht die Deutsche Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) auf die Zunahme von Ein- und Durchschlafstörungen oder frühmorgendlichem Erwachen - im Fachbegriff Insomnie genannt - aufmerksam. Bei der Insomnie handelt es sich um eine der häufigsten Erkrankungen in unserem Gesundheitssystem. Studien zeigen, dass zwischen sechs und zehn Prozent der Bevölkerung an einer behandlungsbedürftigen Insomnie leiden. Und noch ein Problem behandeln Eichholz und seine Kollegen am städtischen Klinikum: Schlafwandeln bei Kindern. "In der Zeit um Ostern herum hatten wir zwei Kinder nach Verletzungen infolge von Schlafwandeln in der Kinderklinik." Das eine Mädchen erlitt mittelschwere Verletzungen nach einem Fenstersturz. Bekannt war den Eltern vereinzeltes Schlafwandeln in den letzten Jahren. "Das andere Kind wollte sich im Zustand des Schlafwandelns in ein Regal legen, welches zusammenbrach", so Eichholz. 

Er vermutet, dass gerade in dieser unruhigen Zeit viele Kinder mit unregelmäßigem Schlaf-/Wachrhythmus diese sogenannten Parasomnien zeigen, die aus dem Tiefschlaf heraus auftreten. Denn aufgrund von Schlafdefizit in den Vornächten und entsprechender Veranlagung träten Angstschreck und Schlafwandeln häufiger auf. „Ausgelöst werden die Zustände durch einen Weckreiz, wie ein Geräusch oder Licht in der „sensiblen Phase“ ein oder anderthalb Stunden nach dem Einschlafen. Die Kinder geraten in einen Zustand zwischen Wach und Schlaf und sollten aus diesem Zustand nicht geweckt werden“, sagt er.

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