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Corona: "Maskenpflicht in Schulpausen ist sinnvoll"

Verkürzte Ferien, Zensuren, Leistungsdruck? Nächste Woche öffnen die Schulen wieder. Was Dresdner Schüler jetzt erwarten - ein Krisengespräch.

Sie sprechen in der Corona-Krise für Dresdens Schüler: Jack Müller ist 17 Jahre alt und besucht die elfte Klasse eines Gymnasiums. Florentine Salomon ist ebenfalls 17 Jahre alt und besucht die zwölfte Klasse eines Berufsgymnasiums.
Sie sprechen in der Corona-Krise für Dresdens Schüler: Jack Müller ist 17 Jahre alt und besucht die elfte Klasse eines Gymnasiums. Florentine Salomon ist ebenfalls 17 Jahre alt und besucht die zwölfte Klasse eines Berufsgymnasiums. © René Meinig

Dresden. Nächste Woche sollen Viertklässler wieder die Schulbank drücken, aber auch Neuntklässler in Oberschulen und Elftklässler in Gymnasien. Und bis zu den Sommerferien soll jedes Kind das Schulhaus mindestens einmal pro Woche wieder von innen sehen. Wie finden das Dresdens Schüler? Welche Bedingungen stellen sie an ihre Schulen? Fragen an die beiden Vorsitzenden des Stadtschülerrates, Jack Müller und Florentine Salomon.

Wie fühlt es sich an, nächste Woche wieder ins Klassenzimmer gehen zu müssen?

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Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Jack Müller: Für mich ist es vorwiegend Freude, da die letzten Wochen überwiegend durch eigenständiges Arbeiten geprägt waren. Es ist wichtig, dass wir in den Schulen wieder die Möglichkeit haben, den selbst erlernten Stoff zu wiederholen und zu festigen, und dann natürlich auch Leistungserhebungen zu schreiben.

Was halten Sie von einer Maskenpflicht?

Müller: Eine Maskenpflicht sehen wir in den Pausen oder auf den Gängen im Schulhaus als sinnvoll an. Im Unterricht sprechen wir uns allerdings dafür aus, dass man die Maske abnehmen kann, wenn gewährleistet ist, dass zwischen den Bänken zwei Meter Abstand sind.

Warum nicht im Unterricht?

Müller: Beim Tragen der Maske fällt es schwer, zu atmen und sich über einen längeren Zeitraum auf den Unterrichtsstoff zu konzentrieren. Es ist auch schwierig, zu sprechen und den Anderen zu verstehen.

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Das Kultusministerium will den Umgang mit Masken den Schulleitern überlassen. Entsteht dadurch nicht innerhalb der Stadt ein Flickenteppich mit unterschiedlichen Regeln?

Florentine Salomon: Es ist nicht schlecht, das den Schulen zu überlassen, da dort nach räumlichen Möglichkeiten individuell entschieden werden kann. Für eine klare, strikte Regelung sprechen wir uns deshalb nicht aus.

Haben Sie in den vergangenen Wochen Noten bekommen?

Salomon: Ja, ich habe Leistungserhebungen gemacht – vom Vortrag per Video über Online-Leistungskontrollen. Aber natürlich nicht in dem Umfang, wie es im normalen Unterricht der Fall gewesen wäre.

Wie gültig, wie fair sind diese Noten? Gerade in den niedrigeren Jahrgängen werden doch die Eltern geholfen haben.

Müller: Auch im normalen Unterrichtsbetrieb ist es nicht unüblich, dass man Vorträge zu Hause ausarbeitet. Da sind sicherlich immer Eltern mit beteiligt, mal mehr, mal weniger. Das sehen wir nicht so kritisch, zumal es in den vergangenen Wochen keine Masse an Noten gegeben hat.

Sie haben in den letzten Wochen mehrfach die Befürchtung geäußert, Lehrer könnten jetzt versuchen, bis zu den Sommerferien so viele Noten wie möglich nachzuholen. Gibt es hier inzwischen eine Lösung?

Müller: Es gibt Empfehlungen vom Kultusministerium, aber keine festen Vorgaben für die Schulen. Wir sprechen uns für eine Festlegung aus, wonach im Leistungskurs am Gymnasium im zweiten Halbjahr nur eine Klausurnote benötigt wird. Die Grundkurse sollen ohne Klausurnoten bewertet werden, nur mit sonstigen Noten. An Oberschulen soll es in den Hauptfächern nur eine Klassenarbeit geben. Wenn jetzt jede Schule die Klausur-Anzahl frei wählen kann, ist das irgendwo ungerecht gegenüber Schülern verschiedener Schulen und verringert die Vergleichbarkeit. Bei Berufsschulen ist allerdings eine flexible Notengebung sinnvoll, da dort auf die individuellen Gegebenheiten der Schulen Rücksicht genommen werden muss.

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Wie kann man den Schülern helfen, die versetzungsgefährdet sind? Ist es sinnvoll, diese jetzt wohlwollend zu beurteilen und mit ins nächste Schuljahr zu schleifen, wo sie am Ende sitzenbleiben werden?

Müller: Das Kultusministerium hat gesagt, dass diesen Schülern bis zu den Ferien Möglichkeiten eingeräumt werden sollen, zusätzliche Leistungen zu erbringen. Nichtsdestotrotz ist es eine Möglichkeit, auch in den Ferien Angebote zu machen, wo versetzungsgefährdete Schüler, aber auch Schüler, die mit dem Homeschooling nicht richtig klargekommen sind, Unterrichtsstoff festigen können. Das sollte aber ein freiwilliges Angebot sein, keine verpflichtende Kürzung der Ferien für alle Schüler.

Wie viel Unterrichtsstoff fehlt Dresdens Schülern durch den Heimunterricht?

Salomon: Das pauschal zu sagen, ist schwierig.

Haben Sie Rückmeldungen bekommen, wie groß die Unterschiede sind?

Müller: Im Vorstand des Stadt-Schülerrates sind alle Schularten vertreten. Natürlich haben wir das untereinander verglichen. Und es fällt schon auf, dass es zwischen Schulen und Schularten große Unterschiede gibt beim Aufgaben-Umfang, aber auch bei der Art der Aufgaben. Manche Lehrer legen den Fokus auf ein Tafelbild und die Vermittlung von Unterrichtsstoff, andere geben nur Aufgaben auf.

Wie muss man mit diesen Lücken jetzt umgehen?

Salomon: Wir könnten uns vorstellen, dass es an den Schulen Konferenzen in den Fachbereichen gibt, bei denen beraten wird, wie weit man gekommen ist, was sich im nächsten Schuljahr schaffen lässt und was nicht.

Müller: Jüngere Klassen haben noch ein paar Jahre vor sich. Sie haben Zeit, den Stoff aufzuholen. In einer neunten Klasse an der Oberschule oder einer elften Klasse am Gymnasium, wo nächstes Jahr Prüfungen anstehen, sprechen wir uns für Überlegungen aus, ob man die Prüfungsdichte verringern kann oder bestimmte Themenbereiche auslässt.

Der Freistaat will zunächst die höheren Klassen in die Schulen schicken. Ex-Kultusminister Frank Haubitz hatte dagegen vorgeschlagen, mit den fünften, sechsten und siebten zu beginnen. Was ist sinnvoller?

Müller: Wir sind mit der Variante einverstanden, zuerst die Abschlussklassen und dann die Abschlussklassen 2021 in die Schulen zu schicken. Denn gerade am Gymnasium werden Leistungserhebungen fällig, die zusammen mit den Klausurnoten in den Abitur-Durchschnitt 2021 eingehen. Von daher sehen wir die Priorität bei den Vor-Abschlussklassen. Aber natürlich muss zunehmend – das, was das Kultusministerium mit Stufe drei betitelt hat – auf die jüngeren Schüler eingegangen werden. Denn diese können sich zu Hause eher weniger den Unterrichtsstoff selbst erarbeiten.

Was halten Sie vom Wechsel zwischen Heim- und Schulunterricht bis zu den Sommerferien?

Müller: Dadurch, dass die Klassen geteilt oder sogar gedrittelt werden müssen, sind die Kapazitäten in den Schulen beschränkt. Es ist wichtig, dass dieser sogenannte Präsenzunterricht in so vielen Klassen und Klassenstufen wie möglich stattfindet, wenn es die Hygienemaßnahmen an den Schulen zulassen. 

Bei andauerndem Heimunterricht: Sollten bedürftige Familien von der Stadt denn Laptops und Internetzugänge zur Verfügung gestellt bekommen, wie es mehrere Stadträte vorgeschlagen haben?

Salomon: Es ist unbestritten, dass der Internetzugang für den Unterricht zu Hause wichtig ist. Wenn es diesen Internetzugang oder den Laptop nicht gibt, ist es sinnvoll, wenn die Stadt unterstützt.

Geht es nicht ohne Internet?

Salomon: Es ist nicht unmöglich, ohne Internet am Unterrichtsstoff dranzubleiben. Es gab und gibt die Möglichkeit, sich die Aufgaben auch zuschicken zu lassen. Aber es ist schwieriger, absolut.

Und was erwarten Sie von den Schülern in Dresden?

Müller: Wir erwarten, dass man sich die Hände wäscht, wenn man früh in die Schule kommt, und dass auf die Abstandsregeln geachtet wird.

Salomon: Wir appellieren an die Schüler, dass sie sich bei Problemen bei ihren Lehrern melden, und wenn es da nicht weitergeht, bei ihren Schulleitern. Es ist eine Krisensituation, da ist Zusammenhalt und Zusammenarbeit gefragt.

Die Fragen stellte Sandro Rahrisch.

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