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Dresden: Unterricht in den Ferien?

Noch immer gibt es keinen Normalbetrieb für alle Dresdner Schüler. Einige haben Probleme, mitzukommen. Deshalb soll es zusätzliche Angebote geben.

Die ersten Schultest zeigen nun, wie gut die Schüler in der Corona-Auszeit gelernt haben.
Die ersten Schultest zeigen nun, wie gut die Schüler in der Corona-Auszeit gelernt haben. © Symbolfoto: Arne Dedert/dpa

Dresden. 8 Uhr klingelt die Schulglocke und dann schwitzen die Schüler wieder über Deutsch und Mathe. Was für die Grundschüler in Dresden längst wieder Normalität in diesen außergewöhnlichen Zeiten ist, ist es für die Kinder an Oberschulen und Gymnasien noch nicht. Die meisten Schüler dürfen dort laut Corona-Regeln noch nicht wieder jeden Tag, sondern nur wochenweise im Wechsel oder im 3-Tage/2-Tage-Modell zur Schule. 

Bei den Eltern wächst der Unmut darüber und die Sorge, die Kinder könnten den Anschluss verlieren, da viele Jugendliche zuhause eher unmotiviert an den Aufgaben sitzen. Die Mutter einer Fünfklässlerin an einem Dresdner Gymnasium berichtet, ihre Tochter geht in der einen Woche drei, in der anderen zwei Tage pro Woche in die Schule. Und so immer im Wechsel.

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Vergleichstests sollen Überblick verschaffen

"Mein Kind findet das nicht gut, sie würde lieber wochenweise wechseln, da sie so immer wieder aus dem Rhythmus herausgerissen wird", sagt sie. An den Tagen, an denen die Tochter zuhause ist, bekommt sie Aufgaben über die Plattform Lernsax, das aber auch nicht immer. Die Tochter ist gut in der Schule, aber auch bei ihren Eltern machen sich nun nach der Corona-Auszeit und angesichts des immer noch eingeschränkten Schulbetriebs Sorgen über das Unterrichtsmodell breit. 

Dieses Problem haben Dresdens Grundschüler nicht, denn sie gehen seit dem 18. Mai wieder täglich zur Schule. Hier nutzen die Lehrer nun die Zeit, den Wissenstand ihrer Schüler in Tests abzufragen. "Die Unterschiede sind erstaunlich gering", berichtet die Lehrerin einer ersten Klasse in einer Grundschule im Dresdner Osten. "Die Eltern haben gut mit ihren Kindern gearbeitet zu Hause."

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Noten bekommen die Erstklässler nicht. In den höheren Grundschulklassen ist es mitunter so geregelt, dass die Eltern entscheiden dürfen, ob die Note für den Deutsch- oder Mathe-Test gewertet wird und somit in die Gesamtnote einfließt. Was sie die Zensuren Lehrern und Eltern auf jeden Fall zeigen: Wo steht das Kind - auch im Vergleich zum Rest der Klasse. Dann kann das Kind gezielt dort unterstützt werden, wo es Probleme, damit kein Schüler auf der Strecke bleibt. Wie diese Förderung aussehen könnte, wird derzeit auch in der Politik diskutiert. 

Ferien im Mathe-Erlebnisland

Die SPD schlägt etwa ein Sommerferien-Schulprogramm vor. "Dabei geht es aber nicht darum, Mathe zu pauken und eine Lehrkraft steht vorne", erläutert SPD-Fraktionschefin Dana Frohwieser. Die Kinder und Jugendlichen sollen durch das Erfahren lernen, wie beispielsweise im Erlebnisland Mathematik."

Die SPD fordert, dass der Stadtrat 100.000 Euro zur Verfügung stellt, damit beispielsweise Museumspädagogen, Musiklehrer des Heinrich-Schütz-Konservatoriums oder auch Schwimmlehrer spezielle Kurse anbieten. Diese sollen in den Schwimmhallen und in Schulen stattfinden. "Freiwillig und nicht flächendeckend", sagt Frohwieser. Die Kurse sollen gezielt in Problemvierteln wie Prohlis, Gorbitz, Teilen der Johannstadt und Reick angeboten werden. Da sie vorbereitet werden müssen, eile die Sache und  der Stadtrat soll darüber möglichst in der kommenden Woche entscheiden. 

Das begrüßen die Grünen, warnen aber vor zuviel Druck. "Die Folgen der Corona-Krise sind gerade im schulischen Bereich für alle Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern deutlich spürbar. Die Zeit der ausgesetzten Schulpflicht waren keine Ferien. Alle Kinder und Jugendlichen haben auch diesen Sommer ein Recht auf Erholung, gerade nach den angespannten Monaten. Ich setze darum auf Freiwilligkeit", so die bildungspolitische Sprecherin, Agnes Scharnetzky. Vom Kultusministerium erwartet sie für das kommende Schuljahr flexible, schülerorientierte Lösungen, die die Folgen der Krisensituation im Blick behalten.

"Kein Kind darf ins Hintertreffen geraten"

So sieht das auch Linken-Bildungsexpertin Anne Holowenko. "Kein Kind darf wegen des ausgesetzten Regelunterrichts ins Hintertreffen geraten. Bereits entstandene Nachteile müssen umgehend ausgeglichen werden. Ich erwarte von der Staatsregierung, dass sie die Coronakrise als Chance begreift und ein umfangreiches Handlungsprogramm zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit in Sachsen aufstellt."

Auch Matthias Ditze von der CDU sagt, der Lernstand der Schüler weise selbst innerhalb einer Klasse im Moment starke Unterschiede auf. „Es liegt daher in der pädagogischen Verantwortung unserer Lehrer, die unterschiedlichen Lernstände der Schüler zu erfassen und auf individueller Ebene zu schließen. Auf freiwilliger Basis sollte jeder Lehrer seinen Schülern gezielte Vermittlungs- und Übungsangebote in die Ferien mitgeben, dies gilt insbesondere bei prüfungsrelevanten Stoff“. Grundsätzlich sollten aber die Sommerferien als Familien- und Erholungszeit auf keinen Fall angetastet werden. Sinnvoll wäre es dazu in den Sommerferien für offene Schulen zu sorgen, damit für alle Schüler der Zugang zu einem Arbeitsplatz mit Computer und Drucker abgesichert ist.

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Dresdens Stadtschülerrat-Vorstand Jack Müller hat sich bereits über die Lage in den Schulen erkundigt. "Wir hatten Ende Mai in unserer virtuellen Vollversammlung die Möglichkeit, uns mit zahlreichen Dresdner Schülersprechern über die aktuelle Situation auszutauschen", sagt er. "Dabei ging es unter anderem um die Wissensvermittlung in der individuellen Lernzeit. Die allgemeine Rückmeldung war durchaus positiv." Der Lernstoff sei überwiegend vollständig vermittelt beziehungsweise von den Schülern selbst erarbeitet und anschließend im Präsenzunterricht ausreichend wiederholt worden, wie es vom Kultusministerium vorgegeben war.

Müller hatte sich bereits dafür ausgesprochen, mögliche Wissensrückstände aufzuspüren - über nicht zu benotende Tests oder in den Fachkonferenzen an den Schulen. Außerdem sollte im nächsten Schuljahr darauf geachtet werden, ob alle prüfungsrelevanten Themen entsprechend des Lehrplans  behandelt werden können. "Sollte sich dabei herausstellen, dass es insbesondere in den Prüfungsjahrgängen schulübergreifend bedeutende Lücken gibt, so muss es aus Sicht des Stadtschülerrates Dresden einen verhältnismäßigen Nachteilsausgleich bei den Abschlussprüfungen 2021 geben." Das nächste Schuljahr biete aus seiner Sicht noch einige Zeit, um in der Corona-Zeit zu kurz gekommene Lernbereiche zu festigen. "Von daher sehen wir im Moment noch keine Notwendigkeit, Maßnahmen zu treffen."

In einem Interview hat Sachsens Kultusminister Christian Piwarz (CDU) nun freiwillige Bildungsangebote in den Sommerferien vorgeschlagen, vorzugsweise in der ersten und fünften Ferienwoche. Um die Ausgestaltung solle sich jede Schule selbst kümmern.

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