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"Viele merken jetzt erst, wie wichtig Friseure sind"

Am 4. Mai sollen die Salons wieder öffnen dürfen - unter Auflagen aufgrund der Corona-Krise. Wie das aussehen könnte, erzählen Dresdner Friseure.

Die Dresdner Friseurmeisterin Arlett Ospel bereitet sich auf die Wiedereröffnung ihres Salons am Sternplatz vor.
Die Dresdner Friseurmeisterin Arlett Ospel bereitet sich auf die Wiedereröffnung ihres Salons am Sternplatz vor. © Christian Juppe (Archiv)

Dresden. Vier Wochen lang fiel kein Haar zu Boden, kein Wassertropfen ins Keramikbecken, und kein Cent in die Kasse. Die Dresdner Friseurmeisterin Arlett Ospel musste schließen - um sich vor dem Coronavirus zu schützen, ihre Mitarbeiter, aber auch ihre Kunden. Was sie von den verordneten Ruhe-Wochen hält, daraus hat Arlett Ospel nie ein Geheimnis gemacht. "Ich finde die Maßnahmen richtig", sagt sie. Denn bei ihr gehen viele ältere Kunden ein und aus, deren Risiko höher ist, schwer zu erkranken. Trotzdem sei es ein gutes Gefühl, jetzt wieder die ersten Termine ins Kalenderbuch einzutragen, erzählt die Dresdnerin am Donnerstag.

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Reichlich zwölf Stunden vorher hat Bundeskanzlerin Angela Merkel im Fernsehen verkündet, dass Friseure ab dem 4. Mai wieder öffnen dürfen - unter Auflagen. Welche das genau sind, weiß Arlett Ospel noch nicht. Das wird die Landesregierung in einer neuen Allgemeinverfügung klären. Aber es ist ein Hoffnungsschimmer. Nicht nur für sie. "Viele Menschen merken jetzt erstmal, wie wichtig Friseure für das Wohlbefinden sind, selbst wenn sie nicht zu den systemrelevanten Berufen gehören", sagt sie. Die ersten hätten sich bereits bei ihr gemeldet, um einen Termin auszumachen.

Mundschutz für alle Kunden

Ganz gleich, wie die Auflagen ausfallen werden. Die Friseurmeisterin hat bereits selbst Regeln erarbeitet, die sie auch dann umsetzen will, wenn die Bestimmungen des Freistaates weniger weit gehen. So soll sich immer nur ein Mitarbeiter im Salon aufhalten. Außerdem will Arlett Ospel die Zahl der Kunden, die sich gleichzeitig im Salon befinden, auf zwei begrenzen, die weit voneinander getrennt sitzen werden. "Auch Mundschutz mache ich zur Pflicht für mich, meine Mitarbeiter und meine Kunden", sagt sie. Masken wolle sie zum Einkaufspreis anbieten, falls Besucher nicht selbst eine mitbringen. Darüber hinaus wolle sie ihre Gäste bitten, nicht zu sprechen, während sie frisiert werden. "Auch wenn das vielen schwerfallen wird."

Insgesamt gibt es etwa 4.000 Friseur-Salons in ganz Sachsen. Verhalten freudig fühle sie sich, sagte Innungsgeschäftsführerin Beatrice Kade am Donnerstag. "Dass wir wieder aufmachen, ist existenziell." Die geforderten Maßnahmen, wie den Kauf von Mundschutz und Desinfektionsmitteln, bedeuteten für die Friseure zwar zusätzliche Kosten. Aber das Geschäft wieder zu öffnen und Geld zu verdienen, sei es wert. "Natürlich freuen sich die Friseure, nehmen schon Bestellungen entgegen, und bereiten sich auf die Hygienemaßnahmen vor."

Keine Augenbrauen, keine Bärte

Nein, geändert habe sich nichts im Vergleich zu dem Tag, an dem die Läden schließen mussten. Im Gegenteil, es kamen Hunderte neue Corona-Fälle in Sachsen dazu. Viele Friseure äußerten vor einem Monat selbst Kritik an der Regierung, dass sie weiter arbeiten sollten. Trotzdem, die Hygienemaßnahmen seien schon vor der Schließung sehr hoch gewesen, so Kade. Augenbrauen färben, Bärte pflegen, Wimpern in Form bringen - auf all das werden die Kunden auch in den nächsten Wochen verzichten müssen. Distanz, so weit es beim Friseur eben möglich ist.

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Finanziell seien die vergangenen drei Wochen wohl für niemanden einfach gewesen, sagt Kade. "Es fehlt ganz viel Umsatz, das lässt sich auch nicht nachholen. Es wird sich jetzt niemand die Haare zweimal in einer Woche schneiden lassen." Immerhin habe sie von vielen Salon-Inhabern gehört, dass sie das Geld vom Staat bereits auf ihrem Konto hätten. 

Über diese schnelle Hilfe zeigt sich auch Arlett Ospel dankbar. Das Geld helfe über diese schwierige Zeit hinweg, auch wenn die 9.000 Euro versteuert werden müssten. Von der Hilfe profitierten insbesondere Friseure, die nur einen Salon betreiben. "Wer zwei hat, bezahlt zweimal Miete, zweimal die Abfallgebühren und zweimal den Telefonanschluss. Das fällt ja auch an, wenn man nicht arbeitet."

Auch bei Christoph Steinigen und seinem Director's Cut geht es am 4. Mai wieder los und schon jetzt hat er viele Anfragen. "Wir sortieren gerade alle Kunden auf Mai um", so Steinigen. Er will strikt auf alle Hygienestandards achten und hat schon Mundschutz für alle seine Mitarbeiter bestellt. Wenn die Regeln und Möglichkeiten für das Öffnen der Läden feststehen, will er schauen, ob er vielleicht auch am Sonntag öffnen kann. (mit dpa)

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