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Dresden

Corona: Dresdner Hotels müssen schließen

Sowohl das Kempinski als auch das Bülow Palais sind zu. Was sich die Hoteliers jetzt wünschen.

Das Hotel Kempinski im Taschenbergpalais hat geschlossen.
Das Hotel Kempinski im Taschenbergpalais hat geschlossen. © Sven Ellger

Dresden. Restaurants und Bars mussten schließen. Jetzt machen auch immer mehr Dresdner Hotels aufgrund des Coronavirus zu. Seit Freitagmittag ist das Kempinski-Hotel geschlossen. "Zu diesem Schritt mussten wir uns schweren Herzens entschließen", so Hotelchef Marten Schwass gegenüber der SZ am Telefon. Es kämen aktuell ohnehin keine Touristen.

Auch das Restaurant von Promikoch Gerd Kastenmeier, "Kastenmeiers" im Kempinski, ist zu. Wie lange Hotel und Restaurant geschlossen bleiben, kann er nicht sagen. Das hänge von der Lage ab. Wie hoch der wirtschaftliche Schaden für sein Hotel sei, kann er aktuell noch gar nicht abschätzen. Aber er rechne mit einem Umsatzeinbruch "in Größenordnung."  "Wir müssen sowohl Miete als auch die Gehälter weiterzahlen", so Schwass. Entlassen werden soll keiner seiner Leute. Er habe aber für alle Kurzarbeit beantragt. 

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Auch komplett eingestellt ist der Hotelbetrieb im Hotel Bülow Palais auf der Königstraße. Vorerst bis zum 5. April. Das gilt auch für das Sternerestaurant Caroussel im Hotel. Hotel-Chef Ralf Kutzner: "Der wirtschaftliche Schaden wird sich bis Ende Mai in einem hohen sechsstelligen Bereich befinden." Kutzner wünscht sich eine "unbürokratische und schnelle finanzielle Unterstützung, sowie die flächendeckende Senkung der Mehrwertsteuer in den Restaurants von 19 Prozent auf sieben Prozent."

Noch offen ist das Hotel Schloss Eckberg von Hotelchef Thomas Gaier, der auch Chef der Dresdner Hotel-Allianz ist. Allerdings kämpfen er, wie auch alle anderen Hoteliers, die noch offen haben, mit vielen Stornierungen. Vor allem Gäste aus China, aber auch Reisende aus anderen Ländern und auch Touristen in Deutschland buchen aktuell keine Hotels mehr. Sein Restaurant im Hotel hat Gaier schon geschlossen. Doch wie hoch ist der wirtschaftliche Schaden? "Hundertausende von Euro", sagt der Hotelchef. 

Wie schlimm die Pandemie die Hoteliers wirklich trifft, kann Thomas Gaier wie alle seine Kollegen noch nicht konkret sagen. Bisher musste er noch niemanden seiner Köche und Kellner entlassen, alle sind in Kurzarbeit. Die Dresdner Hoteliers und Gastronomen würden in der aktuellen Lage alles tun, um ihre Mitarbeiter zu halten. Bei dem aktuellen Personalmangel ist es ohnehin schwer genug, überhaupt Leute zu finden. Was wünscht sich Thomas Gaier von Behörden und Politik? "Schnelle Hilfe und Liquidität."

Auch Dresdens Tourismusverband-Chef Johannes Lohmeyer musste Entscheidungen treffen. "Wir haben das Best Western geschlossen, das Marriott Courtyard bleibt offen." Die Hotelrestaurants hat er geschlossen, aber er bietet Tiefkühl-Menüs an, die der Gast sich selbst warm macht. Auch Lohmeyer rechnet mit einem hohen Schaden. "Je nachdem, wie lange das dauert, eine bis mehrere Millionen", sagt er. „Die Dresdner Hotellerie befindet sich gerade in einer nie gekannten Krise“, sagte der Chef des Dresdner Tourismusverbandes, Johannes Lohmeyer, schon Mitte März.

Liquiditätsreserven seien aufgrund der an sich schon mangelnden Rentabilität bei den Dresdner Hotels unzureichend oder gar nicht vorhanden. „Ich ersuche den Oberbürgermeister daher dringend darum, zur Vermeidung von Insolvenzen die Beherbergungssteuer auszusetzen und den Betrieben noch offene Forderungen zu stunden.“

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Kurz darauf meldete sich auch Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) zu Wort: "Die Forderung der Tourismuswirtschaft, dass die Stadtverwaltung offene Positionen aus der Beherbergungssteuer derzeit nicht aktiv einfordert, ist nachvollziehbar", sagte er. "Wir werden schnellstmöglich entsprechende Regelungen mit den Betrieben treffen, um die Liquidität der Unternehmen nicht zu gefährden.“ Allerdings sei zu beachten, dass die Bettensteuer nicht von den Hotels und Pensionen selbst bezahlt wird, sondern von den Gästen. Die Hotels reichen sie nur an die Stadt weiter. "Trotzdem ist es uns wichtig, die Branche zu unterstützen und nicht mit offenen Forderungen in dieser Situation zu belasten", so Hilbert weiter. Die Verwaltung werde die Vertreter der Branche noch der kommenden Woche einladen und die Situation besprechen. "Wir werden einen Schulterschluss zwischen allen Beteiligten aktiv herbeiführen." (mit SZ/sr)

Update Mittwoch, 25. März: Mindestens 80 Prozent der sächsischen Hotels haben nach Angaben des Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) Sachsen mittlerweile Kurzarbeit beantragt. "Die Lage ist sehr, sehr ernst", sagte der Geschäftsführer des Dehoga Sachsen, Axel Klein. "In den vergangenen Tagen haben wir sehr viele Anfragen zum Thema Coronavirus und Kurzarbeit erhalten", so Klein. Über die neu eingerichtete Hotline 0800 4555520, die nicht nur für Verbandsmitglieder, sondern für alle aus der Branche offen sei, kämen "ein paar hundert Anrufe am Tag" rein. Die Folgen der Corona-Krise müssten schnell durch staatliche Hilfen abgefedert werden, forderte er.

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