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Corona: Auch ohne Mundschutz in die Schule

Seit 18. Mai besuchen Dresdner Kinder wieder die Schulen. Wie der Schulalltag mit den Corona-Konzepten funktioniert und wo es Probleme gibt.

Mundschutzpflicht oder nicht: An Dresdner Schulen gibt es kein einheitliches Konzept.
Mundschutzpflicht oder nicht: An Dresdner Schulen gibt es kein einheitliches Konzept. ©  dpa (Symbolbild)

Dresden. Wie normal kann der Unterricht an Dresdner Schulen derzeit laufen? Wie werden die Hygienevorschriften umgesetzt und eingehalten? Wer entscheidet über eine Mundschutzpflicht in der jeweiligen Schule? Die SZ hat sich an Dresdner Schulen umgehört, wie Alltag in der Corona-Zeit mit großen und kleinen Schülern funktioniert.

"Es läuft bei uns sehr entspannt", sagt Frank Haubitz, Schulleiter am Gymnasium Klotzsche. Die Schüler würden sich sehr gut an die Regeln halten, also an Mundschutz bei der Bewegung im Schulhaus und das Einbahnstraßensystem auf den Gängen. "Wir haben ein System für den Unterricht entwickelt, bei dem im 14-tägigen Wechsel die Kinder jeweils eine Woche in der Schule sind." Der Sportunterricht findet mit Einschränkungen teilweise wieder statt, der Profilunterricht wie etwa im künstlerischen Profil wird aber noch durch Fachunterricht wie Mathe ersetzt, damit sich die Kinder verschiedener Klassen nicht mischen. Haubitz hat den Schulhof schon wieder ohne Maskenpflicht für die Kinder freigegeben und hofft nun, dies bald auch für das Schulhaus tun zu können. Denn über die Lockerung können die Schulleiter selbst entscheiden.

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Wechsel zwischen Unterricht in der Schule und daheim

So hat zum Beispiel Jens Reichel, Schulleiter am Gymnasium Bürgerwiese, für seine Schüler ein Modell eingeführt, bei dem sich entweder zwei Tage Schule mit drei Tagen im Heimunterricht abwechseln. Oder wie bei seinen Kindern der fünften Klassen ein Tag Präsenzunterricht in der Schule mit einem zu Hause. "Das hat sich sehr gut eingespielt, die Lehrer müssen jetzt schauen, dass sie alle Kinder wieder auf ein Lernlevel bringen. Das ist natürlich eine große Herausforderung", so Reichel. An seiner Schule mit rund 1.200 Schülern gilt auch eine Empfehlung für das Tragen eines Mundschutzes im Schulhaus, eine Hygiene-Aufsicht kontrolliert die Auflagen. Am Montag sind die Kollegen der Uni Leipzig für die Corona-Studie zu Gast in der Schule, um bei den sechsten und zehnten Klassen einen Antikörpertest im Rahmen der Studie zu machen.

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Anders als die größeren Schüler an Oberschulen und Gymnasien gehen die Erst- bis Viertklässler jeden Tag zur Schule. Allerdings ist die Schulbesuchspflicht an Grundschulen weiterhin ausgesetzt. Das heißt, die Eltern entscheiden selbst, ob ihre Kinder in der Schule oder weiter zu Hause lernen. Pauken müssen sie in jedem Fall, denn die Schulpflicht ist nicht aufgehoben. An der 95. Grundschule in Laubegast blieben zuletzt sieben von insgesamt 400 Kindern weiterhin daheim.

Ganz unterschiedlich ist die Regelung in Bezug auf den Mundschutz. Während das Utensil in der 95. Grundschule weder im Schulhaus noch im Außenbereich eine Rolle spielt - hier sind die Gruppen durch farblich markierte Bereiche überall voneinander getrennt - wird Kindern an anderen Grundschulen das Tragen des Schutzes dringend empfohlen. Diese Regelung gilt etwa an der 103. Grundschule. Wo das Schulgebäude eine strikte Trennung der Gruppen nicht ermöglicht, sollen die Schüler zumindest auf den Gängen sowie beim morgendlichen Einlass die Masken tragen. Auch Eltern, die ihre Kinder auf dem Schulgelände nach dem Unterricht in Empfang nehmen, sollen diesen Schutz tragen.  

Sehr zeitaufwendig ist das häufige Händewaschen, wie Schulleiter und Lehrer berichten. Bei 28 Kindern in einer ersten Klasse kann das insgesamt gut eine Stunde täglich in Anspruch nehmen. 

Mundschutz und Desinfektionsmittel reichlich vorhanden

Jeder Schulleiter ist selbst dafür verantwortlich, dass das eigene Hygienekonzept im Schulalltag funktioniert wird, teilt das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) mit. Und das sieht an jeder Einrichtung anders aus, abhängig etwa von Größe und Anzahl der Klassenräume und Außenbereiche. "Die Schulen sind dadurch nicht untereinander vergleichbar", teilt Lasub-Sprecherin Petra Nikolov mit. 

Beschwerden von Eltern zum Thema Mundschutzpflicht habe es bislang nicht gegeben, erklärt Nikolov weiter. Auch an Nachschub scheint es nicht zu mangeln: "Die Schulleitungen haben wir informiert, dass bei Bedarf das Landesamt für Schule und Bildung weitere Mund-Nasen-Masken zur Verfügung stellen kann." 

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Das trifft auch auf Desinfektionsspender zu, für die allerdings das Dresdner Schulverwaltungsamt zuständig ist. Als Schulträger muss sich die Landeshauptstadt um die Ausstattung der Schulgebäude kümmern. "Im Bedarfsfall werden zusätzliche Handdesinfektionmittelspender und transparente Schutzscheiben in Sekretariaten installiert", so die Stadt. 

Wie viele Lehrer bis jetzt die Möglichkeit genutzt haben, einen Coronatest zu machen, kann Petra Nikolov derzeit nicht beantworten. "Dazu liegen noch keine abschließenden Ergebnisse vor."

Mundschutz nicht überall gefordert

Doch wie groß ist die Gefahr, dass sich die Kinder in Schulen und Kitas mit dem Virus infizieren? Professor Reinhard Berner, Direktor der Klinik für Kinder-und Jugendmedizin an der Uniklinik Dresden, betont, es gebe keine Hinweise auf eine hohe Verbreitungsrate des Virus über Kinder. "Kinder erkranken seltener an Covid-19 und wenn, dann verläuft die Krankheit meist mild", so Berner. Es habe nur einzelne schwere Verläufe gegeben. Berner befürwortet die Aufteilung in Gruppen. "Wenn es einen Corona-Fall gibt, ist es besser, nur eine Gruppe schließen zu müssen, als eine ganze Kita oder Schule."

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