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Dresdner Kultcafé bleibt zu

Das beliebte Schwarzmarktcafé auf der Hauptstraße macht auch am Freitag nicht auf, wenn andere wieder Gäste bewirten. Den Grund verrät ein Zettel am Fenster.

Das Dresdner Schwarzmarktcafé bleibt zu. Die Corona-Krise hat der Bäcker-Kette Eisold, der das Café gehört, schwer zu schaffen gemacht.
Das Dresdner Schwarzmarktcafé bleibt zu. Die Corona-Krise hat der Bäcker-Kette Eisold, der das Café gehört, schwer zu schaffen gemacht. © SZ/Julia Vollmer

Dresden. Das Schwarzmarktcafé auf der Hauptstraße hatte Kultstatus. Vor allem für sein Frühstück, aber auch als Treffpunkt für Dresdner wie auch für Politiker erlangte es Bekanntheit. Jetzt bleibt das Lokal auf der Hauptstraße auch nach der erlaubten Wiedereröffnung für Gastronomiebetriebe am 15. Mai geschlossen.

"Es ist für uns an der Zeit, 'auf Wiedersehen' zu sagen. Wir müssen leider mitteilen, dass unser geliebtes Schwarzmarkt Café weiterhin geschlossen bleibt und am gewohnten Ort nicht mehr öffnen wird". Das ist auf einem Zettel zu lesen, der an den Scheiben des Cafés klebt. Die Inhaber danken den Gästen, vor allem den vielen Stammgästen, für die jahrelange Treue und die vielen schönen Momente. 

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Doch es gibt offenbar auch Hoffnung für das Café: "Wir geben uns allergrößte Mühe, den Charme des Schwarzmarkt Cafés an einem anderen schönen und nahegelegenen Fleckchen weiterleben zu lassen", schreiben sie weiter. Dafür sei man bereits auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten. "Wir halten Euch auf dem Laufenden", verspricht der Zettel.

Das Schwarzmarktcafé wird nicht mehr auf der Hauptstraße öffnen, verkündet dieser Zettel an der Scheibe.
Das Schwarzmarktcafé wird nicht mehr auf der Hauptstraße öffnen, verkündet dieser Zettel an der Scheibe. © SZ/Christoph Springer

Das Café auf der Hauptstraße gehört wie das Café Toscana zur Bäcker-Kette Eisold. Diese sorgte mit ihrer Insolvenz 2019 für Aufregung. "Wir haben uns entschieden, das Schwarzmarktcafé nicht wieder zu öffnen, sondern einen neuen Standort zu suchen", sagt Christian Heintze, Insolvenzverwalter bei Eisold und damit auch zuständig für das Neustädter Kultcafé. 

Es habe Gespräche mit dem aktuellen Vermieter gegeben, doch ohne Übereinkunft. Der Mietvertrag sei befristet gewesen. "Nun suchen wir und wollen gerne in der Neustadt bleiben", so Heintze. Wann es eine Neueröffnung an einem anderen Standort geben könnte, ist unklar. Die Mitarbeiter können alle in anderen Standorten des Unternehmens beschäftigt werden.

Die Corona-Krise hatte die Bäckerkette hart getroffen. "Der Umsatz ist um ein Drittel zurückgegangen", so Heintze. Zu dem Unternehmen gehören neben den Cafés auch 17 Bäckerfilialen in Sachsen. Das Café Toscana am Schillerplatz und auch das im Uniklinikum öffnen am Freitag wieder. Die Bäckerfilialen hatten die ganze Zeit über offen. 

Das Problem: "Obwohl wir mit der Sanierung des Unternehmens gut vorangekommen sind und zum Jahresbeginn die Planzahlen auch übertreffen konnten, sind wir für staatliche Hilfen nicht antragsberechtigt", erklärt Clemens Eisold, der das sanierte Unternehmen zukünftig führen soll. Die entstandene Verlustsituation kann bei Eisold durch Kurzarbeit und ein kurzfristiges Massedarlehen aufgefangen werden. "Wir sind außerdem mit Vermietern und Lieferanten im Gespräch und haben hier auch schon umfangreiche Unterstützung erfahren", so Eisold. 

Insolvenzverwalter Heintze betont, vor Corona sei das Unternehmen auf einem gutem Weg gewesen und hätte zu Beginn des Jahres sogar den selbst gestellten Plan übererfüllt. Mit einer überarbeiteten Geschäftsplanung soll der Insolvenzplan noch vor den Sommerferien den Gläubigern zur Abstimmung vorgelegt werden. "Ich bin überzeugt, dass wir den Gläubigern ein gutes Angebot unterbreiten können", sagt Clemens Eisold und hofft auf die Zustimmung zu einem Neustart des Familienunternehmens.

Im November 2019 stand fest,  wie hoch die Außenstände der Bäcker-Kette sind. "Wir gehen von einem siebenstelligen Betrag aus", sagte Insolvenzverwalter Christian Heintze damals. Wie viele Gläubiger es gibt, will er nicht sagen. Er betreut das Familienunternehmen von Beginn der Insolvenz an. 1953 hatte Helmut Eisold die Bäckerei in Arnsdorf gegründet, inzwischen ist mit Clemens Eisold die vierte Generation mit in der Geschäftsleitung.

Das Unternehmen war 2019 in wirtschaftliche Schieflage geraten. Das Amtsgericht ordnete im April 2019 die Insolvenzverwaltung an. Als Gründe für die Schieflage nannte das Unternehmen damals Umsatzeinbußen in einzelnen Geschäften und die große Konkurrenz der Discounter.

Laut Insolvenzverwalter Christian Heintze sei es das Ziel, die Bäckerei grundsätzlich als Familienbetrieb zu erhalten. Die Standorte Wallstraße und Hohe Straße der Bäcker-Kette in Dresden wurden geschlossen. Weitere Schließungen seien nicht geplant. 

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