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Dresden

Corona: Dresdner Wirte halten zu Mitarbeitern

Die Wirte aus dem Luisenhof und Italienischen Dörfchen kämpfen gegen die Corona-Krise und für ihre Angestellten. Was sie sich von der Politik wünschen.

Die Restaurantbetreiber im Luisenhof Dresden , Carsten Rühle und seine Frau Carolin Rühle-Marten.
Die Restaurantbetreiber im Luisenhof Dresden , Carsten Rühle und seine Frau Carolin Rühle-Marten. © Sven Ellger

Dresden. Die Lichter sind aus, die Mitarbeiter mussten nach Hause geschickt werden: Dresdens Restaurants und Cafés sind geschlossen, zum Schutz der Bevölkerung vor Ansteckung mit dem Coronavirus. Auch wenn wohl den meisten klar sein dürfte, dass diese Maßnahmen richtig und wichtig sind, bangen die Wirte um ihre Existenz und viele fürchten bereits, nach der Krise nicht wieder öffnen zu können. 

Unfreiwillig zu Hause und nicht in ihrem Lokal sind auch die Luisenhof-Wirte Carolin Rühle-Marten und Carsten Rühle. "Nicht nur wir, auch viele andere Unternehmen geraten - durch die zweifelsohne notwendigen Maßnahmen zur Verhinderung der weiteren Verbreitung des Coronavirus - unverschuldet in eine existenzgefährdende Situation", so Carsten Rühle. "Durch die Schließung ist auch unser Umsatz gleich null", betont er. 

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Fixkosten wie Miete, Strom, Gas, Versicherungen würden aber weiter laufen. "Im Moment zahle ich das noch von meinen Rücklagen. Kurzarbeitergeld ist beantragt - aber wann das vom Staat gezahlt wird, ist bei der Antragsflut fraglich", erzählt der Wirt, der vor zwei Jahren mit seiner Frau das Lokal übernahm. Wie alle anderen Unternehmer müssten auch sie deshalb erst einmal in Vorleistung gehen. 

Sie wollen versuchen, die Fixkosten in Abstimmung mit den jeweiligen Partnern auf ein Mindestmaß zu reduzieren. "Es ist noch nicht abzusehen, wie lange die Rücklagen dafür reichen werden und wie hoch der wirtschaftliche Schaden tatsächlich sein wird. Zumal derzeit ja noch nicht klar ist, wann wir wieder öffnen können", so Familienvater Rühle. Kein Koch oder Kellner soll entlassen werden. Man habe zwei Jahre zusammen gehalten und werde es auch in dieser sehr schweren Zeit tun.

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Vom Staat wünscht sich Familie Rühle schnelle, unbürokratische Hilfe und keine leeren Versprechungen. "Ich finde es bemerkenswert, wie schnell sich die Politik um Hilfsprogramme bemüht hat. Inwieweit diese sinnvoll sind und Betriebe tatsächlich vor der Pleite schützen, bleibt allerdings abzuwarten."

Einen Lieferservice, wie andere Lokale derzeit, bietet der Luisenhof nicht an, das rechne sich nicht. Daher haben sich die beiden Inhaber entschlossen, die bereits eingekauften Lebensmittel an die Dresdner Heilsarmee zu spenden, die damit jetzt Mahlzeiten kochen und Bedürftige versorgen können. 

Ebenfalls keinen Lieferdienst bietet Maik Kosiol an, der Wirt des Italienischen Dörfchens, des Brunetti, Kitzo Alpenstübel und der Elbterrasse Wachwitz. "Das ist betriebswirtschaftlich nicht darstellbar, dabei ist die Kontaktvermeidung schwierig und es ist auch risikobehaftet", so Kosiol.

"Nach meinen jetzigen Berechnungen haben wir bis Ende April nicht bezahlte Verbindlichkeiten von über 250.000 Euro", rechnet der Wirt.  Er konnte mit allen Vermietern Stundungen vereinbaren, auch mit dem Finanzamt und Krankenkassen. Die Drewag habe auch die Rechnungen bis Ende April gestundet und danach eine Ratenzahlung in Aussicht gestellt. "Unser Ziel ist es, keinen Mitarbeiter zu verlieren, wie es auch die Politik betont."

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Für einen Lieferdienst hat sich dagegen Sushi-König Wolfgang "Wolle" Förster entschieden. "In der Filiale Sushi & Wein Altstadt in der Maxstraße haben wir einen Abhol- und Außerhaus-Lieferdienst organisiert und bieten unser gesamtes Sortiment an", so Förster. Die Filialen in Gittersee und in Radebeul sind dagegen geschlossen. Dabei war Grundlage, dass er die Mitarbeiter aus den Risikogruppen schützen wollte. 

Wie groß der wirtschaftliche Schaden für sein Unternehmen durch die Schließung sei, könne er aktuell noch nicht sagen. "Wir sind ein gesundes Unternehmen und hoffen, dass wir so schnell wie möglich unsere gewohnten Arbeitsabläufe wieder aufnehmen können", sagt er. Ähnlich wie die Rühles will auch Förster niemanden entlassen.

"Gießkannenprinzip ist der falsche Weg"

Försters Wunsch: Dass es den Unternehmen ermöglicht wird, das Kurzarbeitergeld, welches in den meisten Fällen bei 60 Prozent vom Nettolohn liegt, aufzustocken, ohne dass die Sozialabgaben und Steuern erhoben werden. "Wenn plötzlich 40 Prozent in der Familienkasse wegbrechen, kann es zu finanziellen Notsituationen kommen", sagt Förster. Dabei könne und wolle das Unternehmen helfen, aber direkt und ohne Abgaben in die Sozialkassen. 

Das Geld brauchen die Mitarbeiter dringend in voller Höhe. Bei den Hilfen vom Staat sollte es seiner Meinung nach aber darum gehen, die Probleme der Corona-Krise zu kompensieren und nicht "erfolglose Geschäftsmodelle aufzupäppeln". So sollte seiner Ansicht nach auf die Bilanzen und die wirtschaftlichen Kennzahlen des Jahres 2019 bei der Verteilung der Zuschüsse geschaut werden. "Ein schnelles Gießkannenprinzip ist bei Hilfen für Angestellte wünschenswert, bei Unternehmen aber der falsche Weg", sagt Förster.

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