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Pirna ist wieder im Geschäft

Die meisten Läden sind bereits geöffnet, es gibt sogar Schlangen. Eine Kundengruppe fehlt aber.

Passanten am Dienstagmittag auf der Dohnaischen Straße in Pirna. "Es ist die Zeit, in der viele Leute zusammenhalten."
Passanten am Dienstagmittag auf der Dohnaischen Straße in Pirna. "Es ist die Zeit, in der viele Leute zusammenhalten." © Daniel Schäfer

Dohnaische Straße, kurz nach 10 Uhr. Von der Geisterstimmung, die noch vor Kurzem hier wegen der Corona-Einschränkungen herrschte, ist keine Spur mehr. Zahlreiche  Passanten gehen durch die Straße, schauen in die  Vitrinen und betreten die Geschäfte. Manche stehen in kleinen Gruppen zusammen, viele tragen einen Mundschutz.

Eindeutiger Publikumsliebling an diesem Morgen ist der Rossmann-Drogeriemarkt. Da nur maximal 20 Personen den Laden betreten dürfen, hat sich bereits eine lange Schlange vor dem Geschäft gebildet. Eine ältere Pirnaerin reiht sich ein und holt ihren Mundschutz heraus. "Ich finde es nicht schlimm, zu warten. Hauptsache, dass die Mindestabstände eingehalten werden", meint sie. Ein Herr hat hingegen weniger Verständnis. "Hier stelle ich mich an, das ist mir zu doof", sagt er laut und geht weiter.

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Aber auch in dem Herrenbekleidungsgeschäft Männersache(n) ist schon ordentlich etwas los. Inhaber Leander Köllner hat gerade das Geschäft aufgemacht und bindet sich einen grünen Nasen-Mund-Schutz um. Seit dem 20. April werden wieder feine Westen, Anzüge, Jacketts und Hosen in dem Geschäft verkauft. "Der Start war etwas holprig", gibt Köllner offen zu. 

Auch jetzt sei der Umsatz noch längst nicht in dem Bereich wie in den coronafreien Vorjahren. "Die Feierlichkeiten fehlen. Warum sollte ich mir jetzt einen Anzug kaufen, da die geplante Hochzeit, Jugendweihe oder auch Konfirmation abgesagt werden musste?", sagt Köllner. Deshalb sei die Nachfrage in seinem Geschäft derzeit noch mau. Der Unternehmer hofft, dass die Feste später im Jahr nachgeholt werden. Weniger Umsatz bedeutet, dass somit alle mit weniger klar kommen müssten. Ein Teil seiner Angestellten sind auf Kurzarbeit. Aber Leander Köllner will nicht jammern. Vielmehr sieht er das Positive und blickt nach vorne. "Es ist die Zeit, in der viele Leute zusammenhalten." Seine Vermieterin habe ihm  beispielsweise einen Teil der Miete erlassen. Auch die Lieferanten helfen. "Einige Rechnungen kann ich später bezahlen", fasst Köllner zusammen.  Und das ganz große Plus:  die Stammkunden lassen das Mode-Geschäft nicht im Stich. "Es greift die Gemeinschaft, das ist eine gute Erfahrung", betont der Herrenausstatter.

Geringere Kaufkraft wegen Kurzarbeit

Auch Rinitta Benouaret, Angestellte in dem Teehandel Tee und mehr, freut sich über die Treue ihrer Stammkunden. "Aber die Menschen kaufen verhaltener ein. Was uns besonders fehlt, das sind die Touristen", erklärt die Mitarbeiterin.

Dem kann Ivonne Eisold, Filialleiterin des gegenüberliegenden Schmuck-Geschäftes Bijou Brigitte nur zustimmen. "Ich hoffe sehr, dass das Reisen innerhalb von Deutschland bald wieder erlaubt wird, so dass auch Urlauber in unsere Region kommen." Trotz der Öffnung seit dem 20. April sei der Umsatz noch nicht auf dem Niveau der Vorjahre. Das läge vermutlich ebenso an der gesunkenen Kaufkraft. "Viele Menschen sind in Kurzarbeit. Wenn weniger im Portmonee ist, kann man nur weniger ausgeben", sagt die Filialleiterin.

Steffi Hacke betreibt das Geschäft Naturmoden in der Schuhgasse.  Um die Verluste so gut wie möglich zu kompensieren, ist die Einzelhändlerin derzeit noch präsenter als sonst in den sozialen Medien. "Aber hundertprozentig können wir die Verluste natürlich nicht wieder wettmachen. Fast der gesamte April fehlt uns", so die Einzelhändlerin. Die Hygienevorschriften werden ohne Ausnahme in dem Geschäft eingehalten. Zwar ist sie, besonders als Brillenträgerin, auch etwas vom Mundschutz genervt, aber es gibt keine Alternative. "Ich schütze mich und die anderen. Das ist wichtig", sagt sie. Unter ihren Kunden sei  keiner, der das Tragen der Maske verweigern würde. 

Einige Kunden lehnen Mundschutz ab

In dem Friseurladen Haarwurzel in der Pirnaer Innenstadt sieht es dagegen anders aus. Inhaberin Annett Riedel und ihr Team mussten schon bemerken, dass einige Kunden das Tragen eines Mundschutzes ablehnten. "In solchen Fällen diskutieren wir dann mit den Betroffenen und können fast immer überzeugen", sagt die Friseurmeisterin. Über zu wenig Kundschaft könne sie sich generell nicht beklagen. "Es geht Schlag auf Schlag", freut sie sich.

Das kann der Angestellte der Skybar Wilde Rose gegenüber der Haarwurzel leider nicht behaupten. Die Bar ist geschlossen. Allerdings wird die Zwangspause genutzt, um den Innenraum komplett zu renovieren. "Ob wir jetzt wieder eröffnen, kann ich noch nicht sagen. Das hängt auch von den Bedingungen ab", erklärt der junge Mann. Was mache es für einen Sinn, wenn die Betriebsausgaben wieder auf 100 Prozent liefen, aber wegen Abstandsregelungen und Einlassbeschränkungen nur 50 Prozent der Einnahmen reinkämen, fragt er sich und greift wieder zum Schleifgerät.

Fazit der Momentaufnahme in der Pirnaer Innenstadt: Trotz der Lockerungen für die Geschäfte herrscht unter den Einzelhändlern noch längst keine Euphorie. Viele sehen skeptisch in die Zukunft, verlieren aber nicht den Mut.

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