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Görlitz

Genug Abstand im Bus?

Grundschüler aus Görlitz-Königshufen lernen nun im Weinhübler Ausweichquartier. Deswegen gibt es Schulbusverkehr - mit langen Wartezeiten.

Mit Gelenkbussen - ähnlich wie diesem - werden die Mädchen und Jungen der Grundschule Königshufen in die Ausweichschule chauffiert.
Mit Gelenkbussen - ähnlich wie diesem - werden die Mädchen und Jungen der Grundschule Königshufen in die Ausweichschule chauffiert. © Tobias Wolf

Die meisten Schüler der Grundschule Königshufen in Görlitz starten am Montag nach der Corona-Pause wieder in den Schulalltag. Nur die Viertklässler hatten schon Unterricht. Weil ihre Schule saniert wird, lernen die Schüler im Ausweichquartier in der Friedrich-Engels-Straße in Weinhübel. Dorthin fahren sie mit einem Schulbus, die Stadt hatte den Transport eigens ausgeschrieben. Doch die Busfahrt macht Eltern Sorgen.

Frau W.*, Mutter eines Viertklässlers, schildert die Situation: Der Schulbus, der bislang für zwei vierte Klassen fuhr, habe zu wenige Plätze. Drei Kinder teilen sich oft eine Sitzbank für zwei Personen. Von Abstand halten, wie es die Eltern den Kindern seit Wochen einschärfen, könne keine Rede sein. 

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Annegret Oberndorfer, Sprecherin des Görlitzer Rathauses, sagt dazu: Kinder müssen im Schulbus wie im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auch Masken tragen. "Damit wird analog dem ÖPNV der Infektionsschutz gewahrt", erklärt sie. Die Busse erfüllen die Anforderungen an den Schülerverkehr. Die Bedingungen waren Gegenstand der Ausschreibung. "In unseren Schulbussen gibt es sowohl Sitz- als auch Stehplätze", erklärt die Sprecherin. Damit die Kinder sitzen können, können auch drei Kinder auf einer Bank Platz nehmen. Alternativ stehen die Kinder im Bus. 

Die Grundschule Königshufen in Görlitz wird saniert. Deswegen lernen die Kinder in einem Ausweichgebäude in der Friedrich-Engels-Straße in Görlitz-Weinhübel.
Die Grundschule Königshufen in Görlitz wird saniert. Deswegen lernen die Kinder in einem Ausweichgebäude in der Friedrich-Engels-Straße in Görlitz-Weinhübel. © Nikolai Schmidt

Große Gelenkbusse im Einsatz

Wenn am Montag nicht nur die beiden vierten Klassen, sondern alle Schüler wieder zur Schule gehen, fahren für die Grundschüler aus Königshufen drei Gelenkbusse zur Ausweichschule in Weinhübel. Die Busse haben eine Kapazität von insgesamt 150 Sitzplätzen und 270 Stehplätzen, berichtet Frau Oberndorfer.  Damit dürften die rund 200 Mädchen und Jungen der Schule alle Platz haben in den Bussen, auch wenn es nicht für jedes Kind einen Sitzplatz gibt. 

Bald ein anderer Stundenplan

Ein Ärgernis ist es für viele Eltern, dass die Kinder jetzt nur bis 12.15 Uhr Unterricht haben, der Schulbus aber erst 14.15 Uhr zurück fährt. Manche Kinder gehen in dieser Zeit zum Mittagessen, aber nicht alle. Zur Überbrückung der Zeit bekommen die Schüler Aufgaben, die sie in den Klassenräumen erledigen müssen. Die Räume verlassen dürfen sie nicht, berichtet die Mutter des Viertklässlers. 

"Der Stundenplan wurde aufgrund der Kürze der Zeit der Bekanntmachung zum Schulstart erstellt", erläutert Frau Oberndorfer. Es sei davon auszugehen, dass dieser bereits in der Folgewoche geändert wird. Die Abfahrtszeiten der Schulbusse sind an die regulären Unterrichtszeiten, wie mit einem Schreiben an die Eltern vom 2. April 2020 bekannt gegeben, orientiert. Für den Fall, dass in der Anfangsphase der Wiederaufnahme des Schulbetriebes Wartezeiten zu überbrücken sind, sind Betreuungsangebote vorbereitet worden. Außerdem:  "Es liegt in der Entscheidung der Eltern, ob das Angebot der Schulbusbeförderung angenommen wird", sagt die Sprecherin. 

Das heißt offenbar, dass Eltern die Kinder nach Schulschluss auch selbst abholen können. Das wüssten viele Eltern, aber nicht bei jedem klappt das auch, weil viele  jetzt wieder zur Arbeit gehen. Andere hätten kein Auto, gibt Frau W.  zu bedenken.

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Von ihrem Sohn, dem Viertklässler, kennt es Frau W., dass nicht alle Schüler in einem Raum unterrichtet wurden. Die beiden vierten Klassen waren jeweils  geteilt worden. Ab Montag lernen die Grundschüler aber wieder alle im Klassenverband. So hat es der Freistaat Sachsen vor wenigen Tagen beschlossen - im Gegensatz zu Oberschulen und Gymnasien, wo weiterhin in kleineren Gruppen unterrichtet wird. In der Grundschule Königshufen sind es im Durchschnitt etwa 25 Kinder pro Klasse. Von Abstand halten könne da keine Rede sein, erklärt die Mutter. 

*vollständiger Name ist der Redaktion bekannt

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