merken
PLUS Niesky

Emmaus Krankenhaus: Mit "blauem Auge" durch die Krise

Einnahmen sind während der Corona-Zeit weggebrochen, Kosten nur unzureichend gedeckt. Trotzdem gibt es in der Nieskyer Klinik auch positive Momente.

Seit Ende vergangener Woche ist der Ambulanzbereich des Emmaus-Krankenhauses wieder offen. Chefarzt Rainer Stengel und Nicole Preller-Endrikat, die für Hygiene zuständig ist, setzen natürlich auch hier auf Desinfektion.
Seit Ende vergangener Woche ist der Ambulanzbereich des Emmaus-Krankenhauses wieder offen. Chefarzt Rainer Stengel und Nicole Preller-Endrikat, die für Hygiene zuständig ist, setzen natürlich auch hier auf Desinfektion. © André Schulze

Mit der Behandlung von Covid-19-Patienten war das Nieskyer Emmaus-Krankenhaus in den vergangenen Wochen zwar nicht konfrontiert. Trotzdem hat die Corona-Krise auch hier ihre Spuren hinterlassen.

Rainer Stengel ist froh, dass die schlimmste Zeit wohl überstanden ist. Damit meint der leitende Chefarzt die Wochen des kompletten Lockdowns. Jene Tage, als in Erwartung großer Infiziertenzahlen die Betten des Hauses überwiegend freigehalten werden mussten. Als geplante Behandlungen verschoben wurden. "Da war auf einmal nur noch ein Drittel unserer Kapazität belegt", erinnert sich Stengel. An der Notwendigkeit der Maßnahmen habe es zwar keinen Zweifel gegeben. "Aber wenn du plötzlich nur noch Notfälle behandeln kannst und von 100 nur etwas mehr als 30 Betten genutzt werden, dann ist das ein Einschnitt, den das Krankenhaus nicht so ohne Weiteres verkraftet." Vor allem finanziell.

Sachsenbessermachen.de
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.
Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Keiner lässt sich zweimal die Galle operieren

Der vom Staat gespannte Rettungsschirm sei gut gewesen, habe aber nur Löcher stopfen können. "Zwei Drittel der Einnahmen sind uns weggebrochen. Das Hilfspaket hat lediglich 70 bis 75 Prozent der Kosten abgedeckt. Da bleibt noch Vieles, für das wir selbst aufkommen müssen." Krankenhäuser seien zwar nicht als klassische Unternehmen unterwegs, müssten aber trotzdem ökonomisch funktionieren. "Bei uns gibt es keine Nachholeffekte. Es lässt sich eben keiner zweimal die Galle operieren. Und auch die jetzt vom Bund beschlossenen Konsumanreize tragen bei uns verständlicherweise nicht. Es ist an uns, die schwierige Situation mit Leistung auszugleichen. Aber das ist nicht leicht." Trotzdem schätzt Rainer Stengel ein, dass das Nieskyer Krankenhaus mit einem "blauen Auge" davongekommen ist. "Wir haben keine Leistungskürzungen vornehmen müssen, unsere Belegschaft ist ohne Entlassungen beisammen geblieben, wir können wieder mit voller Kraft arbeiten."

Damit diese Rechnung auch aufgeht, sieht der Chefarzt die Patienten als wichtigste Faktoren an. "Sie müssen neues Vertrauen in die Behandlung in unserem Hause fassen. Unsere Aufgabe ist es, ihnen die Angst zu nehmen, sich hier anzustecken." Laut der Hygienebeauftragten Nicole Preller-Endrikat gibt es deshalb ein spezielles Hygienekonzept, "das wir den Menschen transparent vermitteln wollen." In einem für stationäre und ambulante Patienten konzipierten Fragebogen würden fünf Komplexe abgefragt. "Wir wollen Covid-19-Infektionen so gut wie möglich ausschließen. In unser Haus darf kein Patient, bei dem das nicht abgeklärt ist." Wenn es Unklarheiten gebe, werde ein Abstrich genommen, ergänzt Rainer Stengel. Allerdings sei die Zahl von Verdachtsfällen in der Klinik nicht größer als in jedem anderen Lebensbereich. "Bei uns wird aber viel strenger auf die Umsetzung der Hygienemaßnahmen geachtet." Die Wahrscheinlichkeit, hier infiziert zu werden, sei deshalb äußerst gering.

Ambulanzbereich im Krankenhaus arbeitet wieder

Ein Stück mehr Normalität ist Ende vergangener Woche mit der Wiedereröffnung des Ambulanzbereiches eingekehrt. Längst lassen sich hier noch nicht so viele Patienten helfen wie vor der Corona-Krise. Aber ein Anfang ist gemacht. Auch stationäre Aufnahmen steigen allmählich wieder an. Zahlen gibt es vorerst nicht. Erst Ende des Sommers werde man mehr Klarheit darüber haben, wie sehr sich die Behandlungen gegenüber denen des Vorjahres unterscheiden, erklärt Sprecher Viktor Franke. 2019 wurden im Emmaus Krankenhaus rund 4.300 Patienten stationär und weitere 8.000 ambulant versorgt.

Mit einer nachhaltigen Entspannung der Lage in seinem Haus rechnet Chefarzt Stengel frühestens in einem halben Jahr. "Natürlich kann keiner sagen, wie es mit Corona weitergeht. Gibt es nochmal einen Aufwuchs im Herbst? Oder sogar schon nach der Urlaubszeit? Wir wissen es einfach nicht." Klar sind indes zwei Punkte. Mit ansteckenden Krankheiten haben sich die Emmaus-Mediziner auch früher schon beschäftigen müssen. "Influenza, aber auch Wundinfektionen und mehrfach resistente Keime. Wir haben deshalb schon lange ein sehr strenges Hygienemanagement. Das wurde nun zwar noch einmal verschärft, ist aber im Prinzip nicht neu für uns."

Punkt zwei ist die finanzielle Absicherung. "Wir durchleben zweifellos eine harte Zeit, sind aber keinesfalls Insolvenz gefährdet. Wir arbeiten in einem diakonischen Verbund und sind somit nicht allein unterwegs", stellt der leitende Chefarzt klar. Hilfreich sei zudem, dass die Krankenkassen Rechnungen aktuell deutlich schneller begleichen als sonst üblich.

Kliniken arbeiten in der Krise enger zusammen

Weiterführende Artikel

Corona: Feiern zum Schulanfang erlaubt

Corona: Feiern zum Schulanfang erlaubt

Sachsen beschließt weitere Lockerungen, nur eine Neuinfektion im Freistaat, Thüringen plant Milliardenschulden - unser Newsblog.

Wie Corona den Kreis Görlitz betrifft

Wie Corona den Kreis Görlitz betrifft

Betroffene, Maßnahmen und der Umgang mit den Folgen: Die wichtigsten Geschichten vermelden wir in diesem Beitrag.

Rainer Stengel nimmt aus den Krisenzeiten durchaus einige positive Momente mit. "Uns ist bewusst geworden, welchen hohen Stellenwert Hygiene hat. Zudem wurde die Zusammenarbeit unter den Kliniken, egal welcher Trägerschaft, deutlich intensiviert. Hier gibt es aber sicher noch Potenzial." Genauso wie in der Spezialisierung der Krankenhäuser. "Es wäre sinnvoller, bestimmte Leistungen an bestimmten Standorten anzubieten." Emmaus sieht sich da besonders mit seinem Wundzentrum, mit Gefäßchirurgie und Endoskopie gut aufgestellt.

Mehr Nachrichten aus Niesky lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Görlitz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Niesky