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Pirna

Landkreis setzt weitere Corona-Ermittler ein

Wer mit Infizierten nahen Kontakt hatte, wird schnellstens kontaktiert und oft zum Test beordert. Die Zahl der Menschen in Quarantäne wächst.

Per Telefon wird über Quarantäne informiert (Symbolbild). Das Team im Landratsamt wächst.
Per Telefon wird über Quarantäne informiert (Symbolbild). Das Team im Landratsamt wächst. © dpa

Nun ist auch Deutschlands populärste Politikerin in häuslicher Quarantäne. Damit teilt Kanzlerin Angela Merkel derzeit das Schicksal mit 1.055 Menschen aus dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Das sind 0,43 Prozent der rund 245.000 Einwohner.

Rund 650 von ihnen dürfen ihr Zuhause jetzt nicht mehr verlassen, weil sie zuvor in Risiko-Gebieten wie etwa Italien unterwegs waren. Ganz aktuell gehört nun auch Ägypten dazu. Das hatte der Landkreis in einer Allgemeinverfügung veröffentlicht. Dagegen zu verstoßen, kann strafrechtlich geahndet werden. Man muss sich zwingend im Gesundheitsamt melden. Das darf keinesfalls persönlich erfolgen, sondern per Telefon oder E-Mail. Nach Möglichkeit sollte das auf der Internetseite des Landratsamtes bereitstehende Online-Formular genutzt werden.

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Doch auch alle diejenigen, die mit Covid-19-Infizierten nahen Kontakt hatten, müssen sich in Quarantäne begeben. Es ist ein Wettlauf mit der Zeit, damit sich keine neuen Ansteckungsketten bilden. Wer aber weiß, wen das betrifft?

Wer ermittelt die Kontaktpersonen?

Da kommt das sogenannte Recherche-Team des Landkreises ins Spiel. Das arbeitet seit Anfang März, als der erste positiv Getestete, ein Mann aus Dippoldiswalde, im Landkreis bekannt wurde. Zwei Mitarbeiter des Landratsamtes wurden abgestellt, alle Personen zu ermitteln, die mit ihm in näheren Kontakt waren, sodass eine Ansteckung möglich gewesen wäre.

Inzwischen hat sich die Zahl der Infizierten vervielfacht. Mittlerweile sind es über 70 Personen im Landkreis. Entsprechend größer wird der Arbeitsaufwand. Das Recherche-Team wurde auf sechs Mitarbeiter aufgestockt. "Wenn nötig, werden wir noch mehr Beschäftigte einsetzen", sagt Kati Hille (CDU), die Sozial-Beigeordnete des Landrats. Die Quarantäne sei ein ganz wichtiger Baustein bei der Eindämmung der Pandemie.

Wie läuft die Recherche ab?

Wird jemand positiv auf Covid-19 oder SARS-CoV-2 getestet, wird er sofort vom Gesundheitsamt informiert und muss in häusliche Quarantäne, sofern nicht schwerwiegende Symptome sogar einen Krankenhaus-Aufenthalt nötig machen. Danach wird das Recherche-Team eingeschaltet. Das bittet den jeweiligen Betroffenen darum, eine Liste mit allen Namen zu erstellen, mit denen er in den vergangenen zehn Tagen in näherem Kontakt war.

"Am besten ist natürlich, wenn wir gleich zu allen Namen auch Telefonnummern bekommen", sagt Hille. Ansonsten werden die Nummern ermittelt. Das kostet allerdings Zeit. Bei dem Fall eines Schülers aus Sebnitz war das über die Schule aber kein Problem. Bisher hätten laut Landratsamt fast alle Kontaktpersonen telefonisch erreicht werden können. Nur in zwei Fällen musste jemand zu Hause aufgesucht werden, weil anders kein Kontakt hergestellt werden konnte.

Alle Kontaktpersonen müssen standardisierte Antworten für ein Formblatt geben. So kann die Intensität des Kontakts besser beurteilt werden. Gegebenenfalls werden diese Personen dann selbst übers Gesundheitsamt aufgefordert, sich einem Corona-Test zu unterziehen.

Was muss man in der Quarantäne beachten?

Vom Landratsamt erhalten alle ermittelten Personen Informationen, wie sie sich zu verhalten haben. Die Dauer ist in der Regel 14 Tage. Die Inkubationszeit der Infektion dauert nach jetzigen Erkenntnissen vier bis zehn Tage.

Wer in der Zeit grippeähnliche Symptome zeigt, muss das dem Gesundheitsamt melden. Das leitet dann alle weiteren Maßnahmen ein. Wie erwartet, passiert das gehäuft in der zweiten Hälfte der Quarantäne, heißt es aus dem Landratsamt.

Wie wird man in Quarantäne versorgt?

Oftmals übernehmen Familienangehörige oder Freunde die Versorgung. Stellen beispielsweise Einkäufe vor der Tür ab, ohne sich direkt zu begegnen. Aber auch alle anderen werden versorgt. Dazu wurden jetzt in allen 22 Verwaltungsgemeinschaften beziehungsweise Städten und Gemeinden im Landkreis Stäbe gebildet, die das im Blick gehalten müssen.

Wer etwas braucht, was unaufschiebbar ist, kann sich dazu telefonisch an die jeweilige Kontakt-Telefonnummer wenden. "Niemand braucht sich zu sorgen, dass er in Quarantäne nicht versorgt wird", erklärt Hille. Bisher laufe das alles geordnet ab. 

Derzeit geltende Risiko-Gebiete

  • Ägypten: ganzes Land
  • China: Provinz Hubei (inkl. Stadt Wuhan)
  • Frankreich: Region Grand Est (diese Region enthält Elsass, Lothringen und Champagne-Ardenne)
  • Iran: ganzes Land
  • Italien: ganzes Land
  • Österreich: Bundesland Tirol
  • Spanien: Madrid
  • Südkorea: Provinz Gyeongsangbuk-do (Nord-Gyeongsang)
  • USA: Bundesstaaten Kalifornien, Washington und New York

Außerdem gilt das für besonders betroffene Regionen in Deutschland. Dazu zählt derzeit der Landkreis Heinsberg (Nordrhein-Westfalen).

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Rückkehrer können sich hier melden:

Online-Formular des Landkreises.

Telefonnummern fürs Bürgertelefon: 03501 5152366 und 03501 5152377. Diese Telefonnummern sind auch am Wochenende erreichbar.

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