merken
PLUS

Pirna

Corona: Fährt noch ein Taxi?

Die Fahrgastzahlen sind drastisch eingebrochen. Gleichwohl sind viele Chauffeure weiterhin unterwegs - wenn auch etwas eingeschränkt.

Andreas Urban, Vorstand der Taxigenossenschaft Pirna: Derzeit etwa 50 Prozent Umsatzverlust.
Andreas Urban, Vorstand der Taxigenossenschaft Pirna: Derzeit etwa 50 Prozent Umsatzverlust. © Gunnar Klehm

In der Taxigenossenschaft Pirna sind elf Unternehmen organisiert, 24 Autos sind bei Normalbetrieb im Einsatz. Das Hauptgeschäft lief bislang freitags und sonnabends, hauptsächlich abends und nachts, wenn die Menschen von Veranstaltungen aus Dresden mit dem Zug heimkehrten und nach Hause wollten. Hinzu kamen viele Fahrten tagsüber.

Doch seit der Corona-Pandemie ist alles anders, das Geschäft ist mächtig abgeflaut. "Wir müssen einen extremen Einbruch bei den Fahrgastzahlen ertragen", sagt Andreas Urban, Vorstand der Taxigenossenschaft Pirna. Weil alle Veranstaltungen abgesagt sind, geht keiner mehr aus, weil die Schulen dicht sind, fällt der Schülerverkehr flach, weil die Menschen nur im Notfall zum Arzt gehen sollen, fallen die meisten Krankenfahrten aus, auch die Fahrten zum und vom Klinikum sind weniger geworden. "Insgesamt ist es eine schwierige Situation für uns, zumal sich nicht abschätzen lässt, wie lange sie dauern wird", sagt Urban. 

Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Auch bei Taxi-Unternehmer Reno König in Heidenau ist der Umsatz in den vergangenen Wochen stark eingebrochen. Die Folge: Die meisten Fahrer sind in Kurzarbeit, statt Gäste zu chauffieren.

Sammeltaxis, wenn gewünscht

Gleichwohl wollen die Taxi-Chauffeure das Geschäft so lange wie möglich aufrechterhalten - wenn auch derzeit etwas eingeschränkt.

Zwischen 15 und 20 Fahrzeuge der Pirnaer Taxigenossenschaft sind jetzt täglich unterwegs, sie stehen weiterhin am Bahnhof und den anderen bekannten Stellplätzen. Mal bringen die Pirnaer Fahrer einen Notarzt zum Einsatzort, mal einen Lokführer zum Dienst. Doch längst werden nicht mehr alle Autos gebraucht. 

Königs Chauffeure bringen derzeit vorwiegend ältere Menschen zum Einkaufen, auch die Krankenfahrten finden weiterhin statt.

Um das Tagesgeschäft etwas zu beleben, könnte sich die Pirnaer Genossenschaft auch vorstellen, beispielsweise Sammeltaxis zu Supermärkten anzubieten, sofern sich dafür genügend Besteller finden.

Nachts ist fast nichts mehr los

Deutlich trister sieht es momentan im Nachtgeschäft aus. "Da ist so gut wie nichts mehr los. Es lohnt kaum noch, ein Auto bereitzustellen", sagt Urban. Dennoch verständigte sich die Genossenschaft darauf, das Geschäft nicht vollends einzustellen, um nicht komplett vom Markt zu verschwinden. So beschloss der Vorstand, den Nachtservice von zwei auf ein Fahrzeug zu reduzieren, eines bleibt auf alle Fälle über Nacht im Dienst.

Sollte dieser Wagen tatsächlich einmal zu einer Uhrzeit doppelt belegt werden, bittet Urban die Fahrgäste um etwas Geduld, falls das Auto wegen einer anderen Tour dann etwas später kommt. 

All jenen, die schon genau wissen, dass sie eine Nachtfahrt benötigen, empfiehlt Urban, das Taxis schon tagsüber oder wenn möglich schon am Vortag zu bestellen. "Wenn wir es zeitig genug wissen, können wir bei Bedarf noch ein zweites Auto losschicken", sagt er. Die Taxizentrale ist nach wie vor  rund um die Uhr telefonisch erreichbar.

Drastischer Umsatzeinbruch

Generell schlägt sich die Krise aber mächtig aufs Geschäft nieder. Urban rechnet in seinem eigenen Taxiunternehmen mit etwa 50 Prozent Umsatzverlust. Um den Einbruch zumindest etwas abzufedern, ließ er beispielsweise die Fahrzeuge für den Schülerverkehr und den Behindertendienst stilllegen, um wenigstens die Versicherung für eine bestimmte Zeit zu sparen.

Ob er mit staatlichen Hilfen rechnen kann, weiß Urban zurzeit nicht. Sein Unternehmen hat mehr als zehn Mitarbeiter. "Derzeit fallen wir völlig durchs Raster und bekommen keine Soforthilfe", sagt er. Es gäbe zwar die Möglichkeit, einen Kredit zu günstigen Konditionen aufzunehmen. Er weiß allerdings nicht, wie er das Geld jemals zurückzahlen soll. Urban hofft nun, dass es künftig auch für Firmen in einer solchen Größenordnung, wie er sie führt, staatliche Zuschüsse geben wird. 

Fahrgäste sitzen nur noch hinten

Zumindest ist er froh, dass seine Fahrer alle noch einsatzbereit sind und sich bislang keiner den Virus eingefangen hat. Weil sich im Taxi der geforderte zwischenmenschliche Mindestabstand nicht immer einhalten lässt, versuchen sich die Chauffeure vor Ansteckung zu schützen, so gut es geht. So lassen die Fahrer ihre Fahrgäste derzeit nur noch im Fond Platz nehmen. Handschuhe und Desinfektionsmittel sind mit an Bord, einen Mundschutz hingegen tragen die wenigsten. 

Vom Taxi-Verband gibt es den Rat, zwischen erster und zweiter Sitzreihe im Taxi eine Plexiglasscheibe einzuziehen - doch die Teile sind derzeit nicht lieferbar. "Generell haben die Fahrer keine große Angst, dass sie sich anstecken könnten", sagt Urban. 

Welchen Zeitraum die Taxiunternehmen angesichts der massiven Einnahmeverluste unbeschadet überstehen können, lässt sich noch nicht genau abschätzen. Fest steht aber: Mit jedem zusätzlichen Tag in dieser Ausnahmesituation werden die existenziellen Sorgen größer. Auf die Frage, wie lange die Situation so noch auszuhalten ist, sagt Reno König: "Nicht mehr lange."

Mehr Nachrichten aus Pirna lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Pirna