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Corona hat Lust auf die Steuererklärung gemacht

Am Freitag läuft für viele die Einsendefrist aus. Doch mehr Sachsen als sonst haben schon abgegeben.

Lästig, aber lukrativ: die Steuererklärung.
Lästig, aber lukrativ: die Steuererklärung. © dpa/Benjamin Nolte

Viele Sachsen haben ihre Steuererklärung in diesem Jahr besonders früh abgegeben. Laut Finanzministerium sind bis Ende Juni bereits 557.000 Anträge eingereicht worden – rund 15.000 mehr als im Vorjahreszeitraum. Ein Grund dafür dürfte die Corona-Krise sein: Viele Menschen hatten deutlich mehr Zeit. Vor allem aber wird jetzt wohl jeder Cent Erstattung dringend gebraucht. Denn auch wenn eine Steuererklärung lästig ist: In den meisten Fällen ist sie lukrativ: Durchschnittlich 1.000 Euro bekommen Steuerzahler bei einer Erstattung zurück, erklärt der Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine (BVL).

Wer zu einer Steuererklärung verpflichtet ist und diese selbst erstellt, muss sie bis zum 31. Juli abgeben.

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Muss ich wegen der Corona-Krise länger auf meinen Bescheid warten?

In Sachsen ist es bei den Finanzämtern bislang zu keinen Corona-bedingten Verzögerungen gekommen. Im Gegenteil: „Die Bearbeitungszeiten der bisher eingegangenen Einkommensteuererklärungen sind im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen“, sagt Sandra Jäschke vom Sächsischen Finanzministerium. Sie hätten im ersten Halbjahr für einen Arbeitnehmer bei 39 Tagen gelegen, bei Gewerbetreibenden oder Vermietern bei 53 Tagen. „Die Dauer hängt auch von der Komplexität des Einzelfalls und erforderlichen Rückfragen ab“, sagt Jäschke. Da die Anzahl der eingehenden Steuererklärungen erfahrungsgemäß Mitte des Jahres steige, werde sich die Bearbeitungszeit entsprechend verlängern.

Ist es möglich, die Abgabefrist wegen der Corona-Krise zu verlängern?

Ja, sie kann auf Antrag bis zum 30. September 2020 verlängert werden. „Dafür muss der Betroffene nachvollziehbar darlegen, dass er wegen der Auswirkungen der Corona-Krise an der fristgerechten Erstellung der Steuererklärung gehindert ist“, erklärt Jäschke. Es genüge ein formloses Schreiben an das zuständige Finanzamt. Für alle, die sich von einem Lohnsteuerhilfeverein oder Steuerberater helfen lassen, besteht derzeit noch kein Grund zur Eile. Die Frist für die Abgabe endet erst am 1. März 2021.

Welche Folgen hat es, wenn ich die Erklärung nicht fristgerecht abgebe?

Wird die Steuererklärung schuldhaft verspätet abgegeben, muss mit einem Verspätungszuschlag gerechnet werden. Er entfällt, wenn eine Fristverlängerung gewährt wurde, etwa aufgrund der Corona-Pandemie. „Zwingend ist er jedoch festzusetzen, wenn die Steuererklärung für 2019 nach dem 1. März 2021 abgegeben wird“, sagt Jäschke. Der Verspätungszuschlag beträgt 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer – jedoch mindestens 25 Euro pro verspätetem Monat. Zudem kann das Finanzamt bei verspäteter Abgabe ein Zwangsgeld anordnen. Es liegt meist zwischen 100 und 500 Euro und beträgt maximal 25.000 Euro. Gibt jemand dann immer noch nicht seine Unterlagen ab, kann das Finanzamt laut Vereinigter Lohnsteuerhilfe die Besteuerungsgrundlage schätzen. Das sei meist nicht zugunsten des Steuerpflichtigen.

Ich kann gerade keine Nach- bzw. Vorauszahlungen leisten. Was nun?

Wer wegen Corona in eine finanzielle Notlage geraten ist, kann seine Einkommensteuervorauszahlungen bis auf null Euro reduzieren. Zudem können bereits geleistete Vorauszahlungen zurückerstattet werden. Die Voraussetzung: Der Steuerpflichtige ist unmittelbar und nicht unerheblich von der Corona-Krise betroffen. Für das Finanzamt ist es dabei ausreichend, wenn kurz begründet wird, dass sich die Einkommenssituation verschlechtert hat, etwa weil ein Zweitjob weggefallen ist. Die Sächsische Finanzverwaltung hat für die Herabsetzung einen Vordruck entwickelt und online gestellt, der eine bürokratiearme Antragstellung ermöglicht. „Alternativ ist es möglich, die bis Ende 2020 fälligen Einkommensteuervorauszahlungen, wenn sie nicht herabgesetzt werden können, vorübergehend zu stunden“, erklärt Jäschke. Formulare dafür stehen ebenfalls zum kostenfreien Download bereit.

Hat das Finanzamt mit dem Steuerbescheid mitgeteilt, dass eine Nachzahlung eines höheren Betrags fällig ist, gibt es zwei Möglichkeiten: Kann jemand die Nachzahlung aufgrund der aktuellen Einkommenshöhe nicht fristgerecht in voller Höhe leisten, lässt sich eventuell eine Ratenzahlung vereinbaren. Oder es wird ein Antrag auf Stundung der Nachzahlung gestellt. Dadurch verfällt diese zwar nicht, aber sie kann später nachgeholt werden. Wegen der Corona-Krise ist der Aufschub bis zum Jahresende möglich – und die Stundung erfolgt auf Antrag zinslos. Normalerweise werden für eine offene Steuerschuld ab dem ersten Tag der Stundung Zinsen in Höhe von 0,5 Prozent pro Monat fällig.

Was hat sich bei der Steuererklärung für 2019 geändert?

Statt wie bisher einen vierseitigen Mantelbogen gibt es jetzt nur noch einen zweiseitigen Hauptvordruck für die allgemeinen Angaben zur Person. Daneben gibt es vier neue Anlagen: „Außergewöhnliche Belastungen“, „Sonderausgaben“, „Haushaltsnahe Aufwendungen“ und die „Anlage Sonstiges“ – hier können nun Angaben zur Steuerermäßigung bei der Erbschaftsteuer, zum Spendenvortrag und zum Verlustabzug eingetragen werden. Der Vorteil der neuen Formulare: Für die Eintragung der einzelnen Posten steht jetzt mehr Platz zur Verfügung, so die Stiftung Warentest.

Zudem gibt es nun auf den Vordrucken dunkelgrün hinterlegte und mit einem „e“ markierte Felder – vor allem in den Anlagen N, R und Vorsorgeaufwand. Sie müssen nicht mehr ausgefüllt werden, denn Arbeitgeber, Rentenstellen, Krankenkassen oder Träger von Sozialleistungen haben die Daten bereits an das Finanzamt übermittelt. Dadurch kann es sogar vorkommen, dass ein Steuerzahler nur den Hauptvordruck ausfüllen muss. Muss jemand in den Anlagen keine zusätzlichen Angaben machen, kann der Hauptvordruck als vollständige Steuererklärung gelten.

Die meisten Steuererklärungen werden mittlerweile jedoch elektronisch abgegeben. In Sachsen waren es 2018 rund 70 Prozent. Steuerpflichtige können dafür eine Steuersoftware oder das Onlineportal der Finanzverwaltung Elster nutzen. Die elektronischen Programme bieten viel Unterstützung durch Hinweise und Plausibilitätsprüfungen an. (mit dpa)

Vordrucke für Anträge auf Stundung oder Reduzierung der Vorauszahlungen gibt es unter www.coronavirus.sachsen.de in der Rubrik Steuern und Finanzen

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