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Zittau

"Das alles macht uns ein bisschen Angst"

Rund 700 Firmen in Ostsachsen haben Mitarbeiter aus Polen und Tschechien. Nur die wenigsten können in Corona-Zeiten im Homeoffice weiterarbeiten.

"Wir vermissen euch Nachbarn" steht auf einem Leinentuch, das beim Oybiner Ortsteil Hain auf tschechischer Seite an einem Zaun hängt.
"Wir vermissen euch Nachbarn" steht auf einem Leinentuch, das beim Oybiner Ortsteil Hain auf tschechischer Seite an einem Zaun hängt. © privat

Die Grenzen sind geschlossen, die Ausgangsbeschränkungen verlängert - mit Folgen für die nachbarschaftlichen Beziehungen. "Das alles macht uns ein bisschen Angst", sagt Jiri Zahradnik, Berufspendler aus Liberec (Reichenberg) und langjähriger Mitarbeiter des Kontaktzentrums für Sächsisch-Tschechische Wirtschaftskooperation bei der Industrie- und Handelskammer.

Er arbeitet nun von Zuhause und kämpft nun um den Erhalt der langjährigen Bemühungen um das Zusammenwachsen des Dreiländerecks. "Wie soll das alles weiterlaufen, wenn die Grenze für längere Zeit gesperrt bleibt", fragen sich viele Bewohner der Region.

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Laut Zahradnik betrifft die Maßnahme rund 700 Firmen im Landeskreis Görlitz und Bautzen, die Arbeiter aus den Nachbarländern beschäftigen. Die Möglichkeit des Homeoffice haben nur wenige von den fast 6.000 Berufspendlern im Dreiländereck. Sie fehlen nicht nur im Gesundheitswesen, sondern auch in der Gastronomie, der Industrie und anderen Dienstleistungen. Beispielsweise bei der Firma Bosk aus Seifhennersdorf oder der Bäckerei Geißler in Ostritz, wie Zahradnik bemerkt.

Technische Probleme verhindern Arbeit

Betroffen ist auch die Sparkasse, die seit 2008 in Liberec ein Kontaktbüro betreibt und in der Zittauer Filiale vier Tschechen beschäftigt. Alle sind jetzt im Homeoffice oder arbeiten im Büro an der Palachova Straße.

Sie bekommen in diesen Tagen besonders viele Anfragen. Nichts von den Wünschen kann aber von Liberec aus erledigt werden. "Das Büro soll nur den ersten Kontakt erleichtern", sagt Miloslava Haziova aus Chrastava (Krazau), das zwischen Liberec und Zittau liegt. Die täglichen Reisen über die Grenze stellen für sie kein Problem dar. Aber die Mitarbeiterin rechnet damit, dass die Beschränkungen vor Ostern nicht zu Ende sind. 

In Sorge um ihre Zukunft sind auch alle Dolmetscher und Mitarbeiter im Fremdenverkehr. Manche Berufspendler nehmen frei oder Urlaub, viele mussten aber entlassen werden und suchen nun über Arbeitsagenturen einen neuen Job. "Die deutschen Arbeitgeber können die Plätze nicht freihalten", sagt Zahradnik. Es sei auch schon passiert, dass die deutsche Firma ihren tschechischen Mitarbeitern entgegenkommen wollte, aber auf technische Probleme stieß. "Beispielsweise einem Konstrukteur, der zwar von Zuhause arbeiten hätte können, aber für die Software, die er dazu braucht, besaß die Firma nur eine Lizenz für Deutschland", berichtet er.

Seit drei Wochen im Homeoffice

Für Martin Besta aus Liberec gehörten die täglichen Fahrten nach Zittau und zurück seit zweieinhalb Jahren dazu. Nun arbeitet es schon die dritte Woche von seinem Wohnzimmer in Liberec. Ein großes Novum für ihn. Seine Aufgabe als Mitarbeiter des Regionalmanagements bei der Zittauer Stadtentwicklungsgesellschaft ist die Projektkoordinierung.

Er kümmert sich um Vorhaben auf dem Feld der Regionalentwicklung – zum Beispiel um die Themen Stadtsanierung, Tourismus, Freizeitanlagen oder Veranstaltungen. "Ich muss mit den deutschen Klienten stets in Kontakt bleiben", sagt er. "Momentan geht es noch von Zuhause die Verbindungen zu pflegen". Bald sei es aber nötig, zum normalen Arbeitsablauf zurück zu kehren.

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Martin Besta hat zwei kleine Kinder und renoviert in Liberec für seine Familie gerade eine Wohnung. Der vierjährige Sohn soll bald in die Kita kommen. "Bis jetzt habe ich mir noch keine Gedanken gemacht, nach Zittau umzuziehen." Nach Ostern soll sich entscheiden, wie es weitergehen soll, meint er. 

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