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Bringen Fledermäuse Corona nach Görlitz?

Ein Großvermieter hat im Stadtteil Königshufen Fledermaus-Quartiere an Fassaden geschaffen. Nun sind einige Mieter in Sorge.

Vor dem Abriss der Häuser Alexander-Bolze-Hof 9 bis 21 in Königshufen haben Arbeiter Planen zur Vergrämung der Fledermäuse an die Gebäude gehängt. Mittlerweile haben die Fledermäuse Ersatzquartiere erhalten.
Vor dem Abriss der Häuser Alexander-Bolze-Hof 9 bis 21 in Königshufen haben Arbeiter Planen zur Vergrämung der Fledermäuse an die Gebäude gehängt. Mittlerweile haben die Fledermäuse Ersatzquartiere erhalten. © nikolaischmidt.de

Klaus Wilhelm kann es nicht so recht fassen. „Warum züchtet man in Görlitz-Königshufen ansteckende Fledermäuse und baut für sie Unterkünfte, die Tausende von Euro kosten?“, will er in seiner Anfrage an die SZ wissen. Konkret geht es ihm um den Giebel des Hauses Peter-Liebig-Hof 12 und die Hoffassade am Alexander-Bolze-Hof 7.

Mieter hat Infos aus TV und Medien

Wilhelm ist dort Mieter der Wohnungsgenossenschaft WGG. Die haben die Quartiere gebaut. „Ich habe nichts gegen Fledermäuse, aber müssen die in einem Wohngebiet gezüchtet werden?“, fragt er. Hinzu komme, dass fünf Meter entfernt Balkone und Fenster sind. Darunter befinde sich ein Kinderspielplatz. Laut TV und Medien seien diese Tiere durch Ihren Kot und Dreck Verursacher von Krankheiten. „Vielleicht auch Corona“, sagt Wilhelm. Er stehe mit seiner Sorge nicht allein da: „Die Anwohner, mit denen man spricht, sind empört.“

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WGG-Vorstand Simone Oehme bestätigt, dass ihr Unternehmen die Fledermaus-Quartiere errichtet hat, und zwar schon voriges Jahr. Das sei eine Ersatzmaßnahme für den Abriss der Häuser Alexander-Bolze-Hof 9 bis 21, wo die Tiere zuvor lebten. Die WGG durfte nur abreißen, wenn sie Ersatzquartiere für die Tiere schafft: „Dazu gab es explizite Festlegungen anhand einer artenschutzfachlichen Untersuchung. Diese haben wir unter Berücksichtigung des Artenschutzgesetzes und in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde umgesetzt.“

Fledermäuse waren schon vorher da

Die Fledermäuse seien weder neu angesiedelt noch „gezüchtet“ worden, sagt sie: „Sie haben sich die Standorte viele Jahrzehnte lang selbst ausgesucht.“ Alle in Deutschland vorkommenden Fledermausarten seien nach dem Bundesnaturschutzgesetz geschützt, einige gar stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Die Standorte seien in Abstimmung mit Fachleuten gewählt worden und befinden sich in unmittelbarer Nähe der bisherigen Quartiere. Die Tiere seien also auch schon vorher dagewesen: „Sie wurden möglicherweise nur nicht wahrgenommen.“ Verbaut wurden insgesamt 70 Fledermaus-Quartiersteine.

Und wie steht es nun um die Übertragung von Krankheiten? Am Görlitzer Senckenberg-Museum kennt sich Hermann Ansorge als Abteilungsleiter Zoologie mit Fledermäusen aus. „Viele Leute haben Angst, weil die Tiere so unreinlich wirken“, sagt er. Tatsächlich solle man ihren Kot nur mit Handschuhen anfassen. Er könnte Parasiten enthalten – aber keine Coronaviren. Generell sollte aber jeder froh sein, bei dem Fledermäuse fliegen, denn sie fressen Schnaken, Mücken und Bremsen: „Da können die Leute in Königshufen besser auf dem Balkon sitzen, und es kommen weniger Mücken ins Schlafzimmer.“

Nabu hat sich damit befasst

Der Naturschutzbund (Nabu) hat sich explizit mit dem Thema Fledermäuse und Corona befasst. „Einheimische Fledermäuse sind nicht mit SARS-CoV-2 infiziert und können einen Menschen somit nicht mit Covid-19 anstecken“, schreibt der Nabu auf seiner Internetseite. Forderungen, Fledermäuse aufgrund einer vermeintlichen Gesundheitsgefahr zu bekämpfen, wären völlig unbegründet und in der EU sogar strafbar. Ähnlich äußert sich der Bundesverband für Fledermauskunde: „Der Ausbruch des Coronavirus in China wird in den Medien teilweise zu stark vereinfacht und in wissenschaftlich nicht haltbarer Art und Weise mit Fledermäusen in Verbindung gebracht.“ Tatsächlich gebe es keine Hinweise, dass von einheimischen Fledermäusen eine Gefahr durch Coronaviren ausgeht. Klaus Wilhelm und seine Nachbarn in Königshufen können also beruhigt sein.

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