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Haubitz: "Der Unterricht sollte schnell wieder losgehen"

Der Dresdner Schulleiter Frank Haubitz sieht, dass Eltern und Schüler an der Belastungsgrenze sind. An seiner Schule ist alles für den Neustart vorbereitet.

Frank Haubitz, hier noch in seinem alten Büro in Klotzsche, will lieber heute als morgen, dass die Schule wieder startet.
Frank Haubitz, hier noch in seinem alten Büro in Klotzsche, will lieber heute als morgen, dass die Schule wieder startet. © Robert Michael (Archiv)

Dresden. Jeden Wochentag ist Frank Haubitz pünktlich um 8 Uhr in der Schule. Weil das Gymnasium Klotzsche gerade ein neues Schulhaus erhält, ist das der Schulcampus auf der Gehestraße. Zum Schulleiterzimmer läuft er durch leere Gänge. "Mir fehlen die Schüler", sagt Haubitz. Und durch die zahlreichen Chats mit seinen Mathematikklassen weiß er, dass die Schule auch den Schülern fehlt.

Haubitz wartet dringend auf ein Go aus der Sächsischen Staatsregierung, um den Unterricht wieder aufnehmen zu können. "Damit Schüler und Eltern endlich wieder Licht am Tunnel sehen", sagt er, der selbst schon Sächsischer Kultusminister war

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An seinem Gymnasium ist für den Neustart alles vorbereitet. Die Klassen würden halbiert. Selbstständig konnten die Schüler festlegen, wer in die A- und die B-Gruppe geht. Jeweils eine Gruppe hätte im Pieschener Schulhaus eine Woche Unterreicht, die andere lernt in dieser Zeit zuhause. "Außerdem bilden wir Lernpatenschaften von jeweils zwei Schülern aus anderen Gruppen, die dann nachmittags gemeinsam den Stoff nochmal besprechen", sagt der Schulleiter.  

Genügend Platz für halbvolle Klassen

Vom Platzangebot reichen die Klassenzimmer so aus, dass jeder der meist 14 Schüler ausreichend Abstand zu den anderen hat. "Das haben wir alles ausgemessen." Auch hygienisch bietet der Schulcampus Gehestraße beste Voraussetzungen, sagt Haubitz. "Es gibt große Toiletten mit Desinfektionsmittel und Papierhandtüchern. Tische und Stühle werden täglich von der Reinigungsfirma desinfiziert." Und in den Pausen sei Stoßlüftung vorgeschrieben. "Ich weiß, dass es auch ältere Schulhäuser gibt, in denen das nicht so einfach ist. Aber dann sollte man für die individuelle Lösungen finden", sagt der Schulleiter.

Falls es einen vorsichtigen Start geben soll, plädiert er dafür, zunächst mit den Fünft-, Sechs- und Siebtklässlern zu beginnen und später die höheren Klassen dazuzuholen. "Aber Platz wäre für alle Klassenstufen. Wir sind auf viele Szenarien eingestellt."

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In der vergangene Woche hat Haubitz eine Dienstberatung mit seinen Lehrern in der Aula durchgeführt. "Schön auf Abstand." Darin haben sie besprochen, wie sie nach sechs Wochen Heimbeschulung weitermachen wollen. Der Elternrat hat eine Umfrage gestartet, was gut läuft und was verändert werden soll. "Wir haben darauf aufbauend  jede Klasse analysiert und festgelegt, in welchen Fächern mehr oder weniger gemacht werden muss", sagt Haubitz.

"Ich bin verantwortlich für meine Schulgemeinschaft"

Er weiß sehr genau, wie viel Druck auf den Elternhäusern lastet. "Ich bekomme zunehmend mehr Mails, in denen mir Mütter und Väter ihr Leid klagen und ich verstehe das", sagt er. Dann ruft er an oder schreibt zurück. Manchmal würden schon einfach Tipps reichen. Wenn der Zehntklässler beispielsweise erst spät aufstehen würde, sei das aus seiner Sicht noch kein bedenkliches Zeichen. "Ich bin verantwortlich für meine Schulgemeinschaft, dazu gehören auch die Eltern." 

Die Abiturienten haben an diesem Montag die schriftliche Geschichtsprüfung geschrieben. Am Freitag war bereits Physik dran. "Die haben dafür beste Bedingungen, ist ja sonst keiner da", sagt Haubitz.

Er kann sich vorstellen, dass die Sommerferien auf drei Wochen verkürzt werden, um den Stoff des Schuljahres aufzuholen. "Da wäre für Entspannung noch genügend Zeit." Kritischer sieht er den Vorschlag, auch sonnabends zu unterrichten, weil damit die Belastung für die Schüler zu hoch sei.

Freiwilliger Unterricht in den Ferien?

Für diejenigen Schüler, die mit den Vor-Corona-Noten nicht versetzt würden, soll es verschiedene Möglichkeiten geben, weitere Noten zu erbringen, um die Versetzung zu schaffen. "Für die wäre es auch denkbar, in den Ferien Angebotsunterricht anzubieten, um ihr Wissen zu festigen.", sagt Haubitz.

Dass er den Lehrern damit einiges abverlange, hält er für angemessen. "Ich habe in der Dienstberatung angesprochen, dass wir als Angestellte im öffentlichen Dienst keine Sorgen haben müssen, dass wir kein Geld bekommen. Aber dafür sollten wir auch bereit sein, Verantwortung für die Schüler zu übernehmen", sagt der Schulleiter.

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