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Die Mähne ist endlich ab

Nach der Wiederöffnung der Friseure hat auch SZ-Redakteur Jan Lange einen Termin bekommen. Dafür schiebt seine Zittauer Friseurin sogar Sonderschichten.

Der Unterschied ist deutlich erkennbar: SZ-Redakteur Jan Lange vor und nach dem Besuch beim Friseur.
Der Unterschied ist deutlich erkennbar: SZ-Redakteur Jan Lange vor und nach dem Besuch beim Friseur. © Matthias Weber

Ich bin in der 17. Woche. Nein, nicht schwanger. Das wäre als Vertreter der männlichen Spezies unglaublich. Vielmehr bin ich in der 17. Woche ohne Haarschnitt. Diese Pause ist kein Experiment, wie lange ich es ohne Friseurbesuch aushalte, sondern eine Folge der Corona-Einschränkungen. 

Als bundesweit Mitte März alle Friseursalons wegen der Pandemie geschlossen wurden, lag mein letzter Friseurtermin acht Wochen zurück. Das ist der Zeitpunkt, wo ich langsam darüber nachdenke, meine Haare wieder schneiden zu lassen. Doch wir Männer sind oft nicht so schnell mit Entscheidungen - und so waren die Salons schon zu, bevor ich noch einen Termin machen konnte. Nun hieß es abwarten. In der zwölften Woche war es noch erträglich, ab der 15. Woche wurden die langen Haare langsam lästig. 

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Bis in den Juni ausgebucht

Anfang Mai kam endlich die erlösende Nachricht: Die Friseure dürfen wieder öffnen. Auch Claudia Nowak, die seit über 20 Jahren auf der Zittauer Neustadt den Salon "Jump In" betreibt, kann nun wieder Termine vergeben. Schon im Vorfeld wird ein Ansturm auf die Friseurgeschäfte vorausgesagt. Die Befürchtung ist groß, dass ich nicht so bald einen Termin bekomme. Umso glücklicher bin ich, als mich Claudia Nowak für den 11. Mai bestellt. Ich hatte im schlimmsten Fall mit einem Termin Ende Mai gerechnet.

Dass diese Befürchtung nicht unberechtigt ist, macht der Blick in den Terminkalender der Zittauer Friseurin deutlich. Würde ich heute anrufen, wäre der früheste Haarschnitt in der zweiten Juniwoche möglich.

Vorschriftsmäßig mit Mundschutz-Maske ausgestattet, nehme ich auf dem Friseurstuhl Platz. Ich bin der einzige Kunde im Salon.  Maximal zwei Kunden können nach den aktuellen Corona-Regeln gleichzeitig bedient werden. Wenn der eine links vorn und der zweite rechts hinten sitzt, ist der geforderte Mindestabstand eingehalten. 

Fast wäre auch das nicht möglich gewesen, denn anfangs war von einer Mindestgröße von 20 Quadratmetern pro Kunde die Rede. Gerade für kleinere Salons unmöglich, da viele diese Größe gerade so erreichen. Das hätte für sie bedeutet, nur einen Kunden zu frisieren. Auch Claudia Nowak betreibt einen kleinen Salon, für sie wäre die Regelung ebenfalls kaum umsetzbar gewesen. Die 20-Quadratmeter-Regel wurde letztlich - auch wegen der massiven Kritik der Friseure - nicht umgesetzt. Stattdessen müssen die Arbeitsplätze in den Salons begrenzt und der Mindestabstand von eineinhalb Metern eingehalten werden. 

Claudia Nowak und ihre Mitarbeiterin wechseln sich mit der Vormittags- und der Nachmittagsschicht ab, nur über die Mittagszeit stehen sie gemeinsam im Salon. So wird die Zeit, in der zwei Kunden parallel frisiert werden, auf ein Minimum reduziert. Um dennoch möglichst alle Kunden bedienen zu können, ist der Salon abends nun etwas länger offen. Früh mache das laut Claudia Nowak keinen Sinn, da der Salon schon acht Uhr öffnet und um sieben noch kein Kunde kommen würde. 

Am Montag steht Claudia Nowak den ganzen Tag allein im Salon, samstags ihre Mitarbeiterin. So arbeiten beide wieder fünf Tage die Woche - wie auch vor der Corona-Krise. Da blieb der kleine Zittauer Friseursalon auf dem Rathausplatz allerdings montags geschlossen. Jetzt schiebt Claudia Nowak Sonderschichten - auch wegen mir.

Eintragen in eine Kundenliste, ein durchsichtiger Einmal-Umhang, Gesichtsschutz für die Friseurmeisterin, eine Haarwäsche vor dem eigentlichen Schnitt - vieles ist anders als ich es gewohnt bin. Unüblich ist auch der Mundschutz, den ich selber trage. Wie soll die Friseurin die Ohren freischneiden, wenn doch der Gummi anliegt. Diese Frage beschäftigte mich im Vorfeld. Claudia Nowak macht daraus keine große Sache: Der Gummi wird kurz angehoben, die Schneidemaschine rasiert die Haare ab und Minuten später liegt der Gummi wieder am Ohr an. "Wir haben noch keinen Gummi zerschnitten", erzählt die Zittauer Friseurmeisterin.

Möglichst kurz soll es hinten und an der Seite werden. Auf sechs Millimeter stellt Claudia Nowak den Haarschneider ein. Die nächste Corona-Schließung will ich ohne allzu lange Haare überstehen. Mit diesem Wunsch bin ich nicht allein, wie mir die Zittauer Friseurin bestätigt. Auch andere Kunden lassen sich die Haare jetzt ganz kurz schneiden.

Etwas mehr Trinkgeld

Mit Kamm und Schere kürzt sie danach die obere Kopfpartie. Etwa drei Zentimeter schneidet sie ab - üblich sind zwischen eineinhalb und zwei Zentimetern. Die Haarpracht, die auf dem Boden landet, ist weniger als ich vorher vermutet hatte.

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Gerechnet habe ich auf jeden Fall damit, dass mich dieser Friseurbesuch etwas mehr kostet. Schließlich wurde mir das Haar gewaschen und das kostet ja auch was. 17 Euro zahle ich am Ende für den Nasshaarschnitt, 2,50 Euro mehr als vor der Corona-Krise. Etwas mehr Trinkgeld zu geben, ist für mich diesmal selbstverständlich. Claudia Nowak soll doch auch künftig meine Haare schneiden.

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