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Fußball, Fans und Corona - das passt nicht

Die Bundesliga hat die Rückkehr der Zuschauer in die Stadien beschlossen. Das ist durchaus nachzuvollziehen. Doch das Konzept taugt nicht für die Realität.

Ist es zu früh, die Stadien wieder zu öffnen?
Ist es zu früh, die Stadien wieder zu öffnen? © Robert Michael/dpa

Die zweite Welle ist da, die zweite Welle an Verlautbarungen rund um die diese Woche hochgekochte Debatte um die Rückkehr von Fußballfans in die Stadien. Ob gefragt oder ungefragt, jeder gibt seinen Senf dazu. So wie im April dieses Jahres, als es darum ging, ob die Bundesliga inmitten des landesweiten Corona-Lockdowns wieder spielen darf. Im Notbetrieb natürlich, also ohne Fans und das ganze Brimborium rund um die schönste Nebensache der Welt.

Auch jetzt melden sie sich wieder alle zu Wort, die Funktionäre, Politiker, Virologen, Epidemiologen, Soziologen, Fanforscher. Nur ist die Diskussion inzwischen inhaltlich deutlich fortgeschritten. Es geht nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie und Wieviele.

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Dass die Fußball-Bundesliga am 18. September in die neue Spielzeit startet, ist beschlossene Sache. Am Freitag wurde der Spielplan veröffentlicht, mit Bayern München gegen Schalke 04 geht es los. Dass dann wieder Zuschauer dabei sind, ist ebenfalls schon ausgemacht. Vier Eckpunkte haben die Vereine am Dienstag festgelegt: keine ausverkauften Stadien, keine Gästefans, kein Alkohol, dafür personalisierte Tickets.

Das Hygienekonzept fand weltweit Beachtung

Selbst wenn sich die in diesen Corona-Tagen noch mächtigere Deutsche Fußball-Liga öffentlich in Demut übt und darauf verweist, dass am Ende natürlich die Politik zu entscheiden hat – intern arbeitet der Ligaverband eifrig am Erhalt seines Geschäftsmodells. Das ist vorrangig auf Gewinnmaximierung ausgelegt, und dazu braucht es in erster Linie die Fernsehgelder. Diese Überweisungen in Milliardenhöhe sind längst wieder sicher. Geld gibt es, wenn der Ball rollt. Fans sind dafür erst einmal nicht entscheidend. So wie im Frühjahr eben.

Mit einem weltweit beachteten und dann auch einwandfrei funktionierenden Hygienekonzept hat die DFL den Neubeginn geschafft. Jetzt soll die zweite Stufe folgen, jetzt müssen die Zuschauer zurück ins Stadion – um weitere Einnahmen zu generieren.

Das Ansinnen ist gut zu verstehen, wo doch auch Jahrmärkte und Konzerte wieder stattfinden dürfen. Nicht zuletzt sind Profifußballvereine mindestens mittelständische Unternehmen, an denen zehntausende Arbeitsplätze hängen. 

Der Kick fehlt

Ein Heimspiel ohne Publikum kostet beispielsweise Dynamo Dresden rund 350.000 Euro. Bei Borussia Dortmund, dem anderen schwarz-gelben Verein, fehlen derzeit aufgrund der sonst jährlich verkauften 55.000 Dauerkarten mal eben rund 20 Millionen Euro.

Vor allem aber fehlt der Kick, nämlich all das, was den Fußball eigentlich ausmacht. Wie sagte Duisburgs Trainer Torsten Lieberknecht kürzlich nach der Pokalauslosung, die seiner Mannschaft ein Heimspiel mit dem Traumlos Dortmund bescherte: „Dann vermutlich weiter ohne unsere Fans – oder wenn überhaupt, nur mit einem kleinen Teil, das ist alles Scheiße.“ Spaß macht es wirklich nicht.

Für das Ende der vergangenen Saison mag das die richtige Entscheidung gewesen sein. Ehrlich gesagt war es auch mal ganz spannend, im leeren Stadion den Trainern an der Seitenlinie bei ihren Anweisungen zuhören zu können. Aber auf Dauer? Womöglich so lange, bis ein Impfstoff gegen das Coronavirus gefunden ist? Das ist kein Zustand, den man sich wünscht, aber einer, der angesichts der aktuellen Entwicklungen nötig wäre.

Die Diskussion kommt zur Unzeit

Auf dem Papier lässt sich vieles regeln, Abstände, Maskenpflicht, Jubel-Etikette. Bestimmt hat speziell der Profifußball sogar Mittel und Möglichkeiten, um für die Einhaltung zu sorgen. Doch so stimmig wie nachvollziehbar der neue Bundesliga-Coronaplan mit Zuschauern sein mag, er wirkt wie ein theoretisches, ein herbeigeredetes, realitätsfernes Konstrukt. 

Wir reden hier schließlich nicht von ein paar hundert Zuschauern und auch nicht von tausend, die sich einmal ein Fußballspiel anschauen. Es sind Zehntausende, die sich dann wieder in den Stadien begegnen und auf dem Weg dorthin. Jedes Wochenende, im ganzen Land. Und wir reden über die Vorbildrolle, die der Fußball gern für sich reklamiert. Wie wäre es also mit einem freiwilligen Zuschauer-Verzicht bis zum Jahresende?

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Die Diskussion jetzt, wo die Corona-Fallzahlen in Deutschland wieder steigen und das Ausmaß einer wie auch immer gearteten zweiten Pandemie-Welle nicht absehbar ist, kommt noch dazu zur Unzeit. Für die Fußball-Funktionäre aber ist sie bequemer zu führen als die ebenfalls in dieser Woche angestoßene Debatte zur Einführung einer Gehaltsobergrenze in der Bundesliga. Die wurde sofort als nicht umsetzbar abgewürgt.

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