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Döbeln

Corona: Gastwirte kämpfen ums Überleben

Mittagspause und Abendbrot im Imbiss oder in der Gaststätte ist zurzeit nicht möglich. Viele Betreiber in der Region Döbeln liefern oder lassen Essen abholen.

Rocco Werner ist auch in Corona-Zeiten beruflich unterwegs und hat sich im Lausschmaus in Waldheim mit Mittagessen versorgt.
Rocco Werner ist auch in Corona-Zeiten beruflich unterwegs und hat sich im Lausschmaus in Waldheim mit Mittagessen versorgt. © Dietmar Thomas

Region Döbeln. Einen Lieferservice kann das Lausschmaus vom Waldheimer Niedermarkt nicht anbieten. Dennoch sollen die Kunden mit Essen versorgt werden. „Die Leute können bei uns telefonisch bestellen und ihr Essen dann abholen“, sagt Andreas Münch.

Die Speisekarte ist auf der Internetseite und auch bei Facebook zu finden. Allerdings ist die Nachfrage deutlich geringer, als in „normalen“ Zeiten. Einer, der den Service am Montag genutzt hat, ist Rocco Werner. Der EDV-Unternehmer ist gerade von einem Kunden gekommen und hat sich im Lausschmaus etwas zu essen geholt. „Ich finde es gut, dass viele Imbissversorger ihren Betrieb aufrechterhalten, auch wenn die Situation sicher nicht einfach ist“, sagt Werner.

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Der Ratskeller Waldheim weist auf seiner Internetseite auf die Schließung hin. „Aufgrund der momentanen Situation sind wir gezwungen, unser Restaurant vorübergehend zu schließen. So schützen wir Gäste, Mitarbeiter und uns selbst“, heißt es. 

Inhaberin Kathrin Kreyser berichtet, dass sie für die Mitarbeiter Kurzarbeit beantragt hat. In den letzten Tagen habe es vonseiten der Kunden viele Absagen gegeben. Das betreffe auch Feiern, die erst im Sommer geplant seien. „Die Kunden haben ihr Bedauern ausgedrückt. Viele haben gesagt, dass sie die Feiern nachholen werden“, so Kathrin Kreyser.

Patrizia und David Cox, die den Bowlingtreff in Ehrenberg betreiben, liefern Essen an ihre Kunden aus. „Wir mussten die Kantine in der Firma AL-KO in Seifersbach schließen, beliefern die Kollegen aber mit Mittagessen“, sagt Patrizia Cox. Man werde versuchen, den Lieferservice noch auszuweiten. „Wir hoffen, dass uns das gelingt, damit wir unsere Rechnungen bezahlen können“, so Cox.

>>>Über die Ausbreitung des Coronavirus und über die Folgen in der Region Döbeln berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.<<<

Die Fleischerei Götzel in Döbeln hält ihr Ladenlokal weiter geöffnet. Der Imbiss bleibt ab Dienstag geschlossen. „Der Verkauf von Mittagessen erfolgt dann mit über den Laden“, sagt Inhaber Nils Götzel.

Kerstins Rondell neben der Edeka-Kaufhalle hat weiter geöffnet. „Helft den Menschen, die keine Möglichkeit haben, sich Essen zu besorgen“, appelliert Inhaberin Kerstin Schurzmann auf ihrer Facebook-Seite, auf der sie auch einen Speiseplan veröffentlicht hat. 

Im Imbiss selbst ist der Verzehr der Speisen derzeit nicht möglich, deshalb bietet sie alle Gerichte zum Mitnehmen an. Auch das Kartoffelhaus hat geöffnet. „Die Kunden können ihr Essen mitnehmen“, so Inhaber Thorsten Petzold.

In der Fleischerei Härtel an der Bäckerstraße wird ebenfalls weiter verkauft. Auch der Imbissbetrieb läuft. „Die Kunden müssen das Essen aber mitnehmen“, sagt Filialleiterin Kerstin Harnisch.

Im Hotel „Stadt Leipzig“ in Roßwein ist seit Sonnabend "verordnete Betriebsruhe". Die Küche steht still.
Im Hotel „Stadt Leipzig“ in Roßwein ist seit Sonnabend "verordnete Betriebsruhe". Die Küche steht still. © Lars Halbauer

Im Hotel „Stadt Leipzig“ in Roßwein ist seit Sonnabend sozusagen verordnete Betriebsruhe. Über einen Lieferservice brauchten Madeleine Grolp und ihr Mann gar nicht lange nachdenken. „Das geht zu zweit nicht“, sagt sie. Deshalb blieb der Familie, die das traditionsreiche Haus seit Jahrzehnten führt, nichts übrig, als konsequent zu sein – und zu schließen. 

Kalt bleibt der Ofen aber nicht. Denn es gibt eine Ausnahme, wie die Wirtin erzählt: „Wir haben einen 90 Jahre alten Stammgast. Den lassen wir nicht hängen. Ihm bringen wir das Essen nach Hause.“ Die Zwangspause nutzen die Grolps, um kleinere Renovierungen in Angriff zu nehmen. Sie hoffen, dass sie die Krise überstehen, einige Talsohlen sind sie in der langen Zeit als Gastronomen ja schon durchschritten. 

„Wir haben jetzt versucht, alles herunterzufahren, sparen zum Beispiel Strom, wo wir können. Denn Kosten fallen trotzdem an, ob wir aufhaben und Geld verdienen können oder nicht.“

In Hartha müssen sich nur wenige Gastronomen einschränken - denn es gibt so gut wie keine mehr. Vor ein paar Wochen hat Müslüm Kocaoghlu an der Pestalozzistraße in ehemaligen Räumen einer Apotheke ein Bistro eröffnet. „Wir versuchen, jetzt noch ein paar Tage durchzuhalten“, sagt der 42-jährige Brandenburger. Und er und sein Team geben sich große Mühe, sich an die Vorschriften zu halten. Bei der Zubereitung der Gerichte dürfen die Kunden mittlerweile nicht mehr zuschauen. 

Bei der Zubereitung der Gerichte dürfen die Kunden nicht mehr zuschauen. Die Speisen werden vor die Tür gebracht.
Bei der Zubereitung der Gerichte dürfen die Kunden nicht mehr zuschauen. Die Speisen werden vor die Tür gebracht. © Archiv/Lars Halbauer

„Wir müssen ihnen die Speisen vor die Tür bringen“, berichtet der Bistro-Betreiber. Mit dem Anlaufen seines Geschäftes in Hartha sei er durchaus zufrieden. Er habe sich den Wünschen der Harthaer angepasst. Dass nun angesichts der Vorsorgemaßnahmen zumindest über eine vorübergehende Schließung nachgedacht werden muss, sei schade, aber nicht zu ändern.

Die „Taverne“ in Leisnig ist seit dem Wochenende geschlossen. Einen Außer-Haus- oder Abholservice anzubieten, „dafür Personal und die nötigen Lebensmittel vorzuhalten, das lohnt sich in Leisnig einfach nicht“, sagt Gastronom Karsten Thalheim. 

Wie lange seine Küche verwaist bleibt, weiß er nicht. „Wir schauen, was die Regierung vorgibt.“ Auch die „Sachsenhöhe“ im Leisniger Ortsteil Polkenberg ist geschlossen.

Die Baude auf dem Roßweiner Hartenberg ist ursprünglich für Wanderer konzipiert gewesen und wurde auch hauptsächlich von dieser Zielgruppe besucht. Inzwischen kommen die meisten Hungrigen mit dem Auto hinauf zu Klaus Kliem und seiner Frau. 

Die Gaststätte mussten die beiden wie andere Gastronomen auch mittlerweile schließen. Aber die Kliems kochen weiter. „Wir liefern zum Beispiel den Mitarbeitern von Arztpraxen und Bankfilialen ein warmes Mittagessen an“, sagt Klaus Kliem. Das wolle er auch beibehalten, solange es den rechtlichen Spielraum dafür gibt. Denn auch ältere, alleinstehende Leute verlassen sich darauf, dass er um die Mittagszeit mit frisch Gekochtem vor der Tür steht. 

Nun bietet die Familie auch einen Abholservice an. Nach Bestellung können Hungrige bis 18 Uhr in der Baude abholen, wonach ihnen kulinarisch der Sinn steht. „Sülze geht immer“, sagt der Wirt der Hartenbergbaude.

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