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Corona geht, die Autodiebe kommen

Nach der Grenzöffnung steigt die KfZ-Kriminalität im Landkreis Bautzen wieder. Dabei machen sich die Täter die moderne Technik zunutze.

Auch den Kamenzer Steffen Lorenz hat es getroffen. Unbekannte versuchten, seinen VW Tiguan zu stehlen. Sie bohrten sogar das Zündschloss auf, scheiterten aber an irgendetwas. In der gleichen Nacht verschwand ein paar Straßen weiter ein Skoda Octavia.
Auch den Kamenzer Steffen Lorenz hat es getroffen. Unbekannte versuchten, seinen VW Tiguan zu stehlen. Sie bohrten sogar das Zündschloss auf, scheiterten aber an irgendetwas. In der gleichen Nacht verschwand ein paar Straßen weiter ein Skoda Octavia. © René Plaul

Kamenz.  Mittwochvormittag. Der Autoschlüssels stochert ins Leere. Da wo früher das Zündschloss des VW Tiguans war, klafft ein Loch. Auf der Fußmatte des Fahrersitzes liegen dessen Überreste. Plastik, Metallsplitter. Ungläubiges Staunen. Erst nach ein paar Sekunden wird Steffen Lorenz bewusst, dass da jemand versucht hat, sein Auto zu stehlen. Aus irgendeinem Grund hat das nicht geklappt. Doch der Schock sitzt tief. 

Später wird man ihm in der Werkstatt sagen, dass die Täter vorher auch das Seitenschloss seines Wagens geknackt haben. Zu sehen war davon nichts. Auch die herzugerufene Polizei steht ein bisschen ratlos am Wagen. In der Enge des Kamenzer Lessinggässchens ist Umlenken sicherlich schwierig. Aber dafür ist die Straße wunderbar abgelegen. Die Diebe kamen in der Nacht und haben in Ruhe arbeiten können. Irgend etwas hat den Diebstahl aber vereitelt. Passanten? Zeitdruck? Egal - in dieser Nacht  verschwindet ein Skoda Octavia ein paar Straßen weiter in der Altstadt. Da waren die Bedingungen wohl besser...

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Der Octavia gehört Philip Augustiniak. Oder sollte man besser sagen - gehörte? Der 24-Jährige steht an jenem Mittwochnachmittag  völlig verdattert an der Wallstraße und sucht sein Auto. "Zuerst habe ich gedacht, dass ich es vielleicht doch weiter weg geparkt habe. Aber das wollte mir eigentlich nicht einleuchten. Bis ich dann endgültig realisiert hab: Die Karre ist weg", sagt er.  Auch er meldet den Diebstahl der Polizei. 

Während bei Familie Lorenz eine umfangreiche Zeugenaussage fällig ist und sogar DNA-Spuren  der Familienmitglieder genommen werden für einen späteren Datenabgleich, kann Philip Augustiniak nur noch Angaben zu seinem Wagen machen.  "Wahrscheinlich war er zu dem Zeitpunkt schon über alle Berge. Oder besser Grenzen", sagt der  junge Mann resigniert.  Das denken nicht wenige, die davon in den nächsten Tagen erfahren. Doch stimmt das? Kann und darf so spekuliert werden?

Erwarteter Anstieg ist eingetreten

Die Polizeidirektion Görlitz  muss bestätigen: "Mit Schließung der Grenzen aufgrund der Pandemie war ein deutlicher Rückgang der Grenzkriminalität zu verzeichnen. Gegenüber den Monaten vor dem Lockdown hatten sich die Fallzahlen nahezu halbiert", so Pressesprecher Kai Siebenäuger. Seit Beginn der Lockerungen wird nun wieder eine Zunahme  beobachtet. Allerdings sei das Niveau vor dem Lockdown noch nicht erreicht.

Genaue Zahlen sind auf die Schnelle statistisch nicht zu erheben. Doch tägliche Meldungen aus dem gesamten Einzugsgebiet der Polizeidirektion Görlitz sprechen ihre eigene Sprache. Immer wieder kommen Autos der Marke VW und Skoda abhanden, aber auch gern Audi, BMW oder Mercedes.  Im Falle der beiden Kamenzer waren die Autos jedoch schon etwas älteren Baujahres. Abgeschreckt hat dies nicht.

"Eine merkliche Entspannung in Bezug auf die grenzüberschreitende Eigentumskriminalität während der Grenzschließungen war unbestritten", sagt Siebenäuger. Nun hat die Polizei die erforderlichen Maßnahmen wieder intensiviert. Denn Fakt ist:  Der erwartete Anstieg der Eigentumsdelikte im grenznahen Raum hat sich  bereits jetzt bestätigt. 

Sowohl die Kräfte der Soko Argus als auch Kräfte der Bereitschaftspolizei Sachsen waren in den letzten Tagen in den Grenzgemeinden im Einsatz. Die Lage im gesamten grenznahen Raum bis ins Landesinnere ist der Polizei bewusst. Entsprechende Maßnahmen  wurden eingeleitet - auch unter Inanspruchnahme von Unterstützungskräften. So gibt  es beispielsweise eine enge  Zusammenarbeit mit der polnischen Polizei.

Polizei rät zu Schutzmaßnahmen


Die Polizei rät deshalb zu Schutzmaßnahmen.  Der Autoschlüssel sollte beispielsweise nie in der Nähe der Haus- oder Wohnungstür abgelegt werden. Beim Aussteigen aus dem Wagen muss man auch auf Personen mit Aktenkoffern in unmittelbarer Nähe achten. Dabei könnte es sich um professionelle Autodiebe handeln, heißt es. 

Des Weiteren gibt es funkdichte Hüllen. So können die Diebe das Funksignal nicht über längere Strecken übertragen. "Professionelle Autodiebe brechen übrigens auch in Häuser oder Wohnungen ein, um in Besitz des Fahrzeugschlüssels zu gelangen. Da Fahrzeug- und Hausschlüssel meist in der Diele liegen oder am Schlüsselbrett hängen, ist es ein Leichtes,  Fahrzeuge sogar aus einer abgeschlossenen Garage zu entwenden", warnt die Polizei.

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