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"Niemand wird verhungern"

Nach dem ersten Corona-Fall sind 35 Menschen im Landkreis in Quarantäne. Weitere könnten folgen. Landrat Michael Geisler über die neuesten Entwicklungen.

Landrat Michael Geisler: Kein Grund für Panikmache.
Landrat Michael Geisler: Kein Grund für Panikmache. © Daniel Förster

Bleibt es bei dem einen bestätigten Corona-Fall im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge? Fest steht: Die meisten Kontaktpersonen des 67-jährigen Rentners, der bereits positiv getestet wurde, haben sich nicht mit dem Coronavirus infiziert. Das ist das Ergebnis neuer Tests, die am Dienstagabend vorlagen. Insgesamt 21 Personen mussten eine Speichelprobe abgeben. 16 von ihnen wurden laut Landrat Michael Geisler (CDU) negativ getestet. Bei fünf Personen steht das Ergebnis noch aus. Sie alle stammen aus dem direkten Umfeld des Mannes aus Dippoldiswalde, der positiv auf das Coronavirus getestet wurde.

Parallel dazu sind im Landkreis weitere Corona-Verdachtsfälle bekannt geworden. Laut Landrat Geisler handelt es sich um drei Personen, die sich an diesem Dienstag in einer Dresdner Klinik gemeldet haben. Es soll sich nach Recherchen von sächsische.de um eine Familie mit einem Kind handeln, die aus Freital stammt. Sie alle werden nun getestet. Das Ergebnis wird voraussichtlich für Mittwoch erwartet. Je nachdem, wie der Test ausgeht, will der Landkreis weitere Schutzmaßnahmen ergreifen. Sächsische.de fasst die aktuelle Lage zusammen:

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Infizierter und Busreisende weiter in Quarantäne

Insgesamt 35 Personen aus dem Landkreis befinden sich seit dem Wochenende in Quarantäne. Wie der Landrat sagt, stammen sie aus Dippoldiswalde, Kreischa, Hartmannsdorf-Reichenau, Klingenberg, Altenberg, Bannewitz, Wilsdruff und Glashütte. Darunter ist auch der infizierte Rentner und dessen Frau, die mit einer Reisegruppe in Italien unterwegs waren. "Ihnen geht es gut", sagte Geisler am Dienstagnachmittag. Alle Personen in häuslicher Quarantäne würden sich derzeit selbst beproben. Das heißt, dass sie regelmäßig Fieber messen und mögliche auftretende Symptome wie Hals- oder Ohrenschmerzen protokollieren. "Das wird regelmäßig abgefragt", erklärt Geisler. Je nach Gesundheitszustand werde entschieden, ob sich Betroffene in Krankenhäuser  begeben müssen. Noch bis 16. März soll die Quarantäne aufrechterhalten werden. 

Kitas und Schulen kann Schließung drohen

Unter den Personen, die in der zweiten Welle getestet wurden, sind laut Geisler auch Kinder. Hat sich eines mit dem Coronavirus angesteckt, "ziehen wir höchstwahrscheinlich die Schließung der Kita oder Schule in Betracht", sagt der Landrat. Das macht er jedoch von den Testergebnissen abhängig. Nicht alle der 21 Proben sind bereits ausgewertet.

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Quarantäne wird nicht kontrolliert

Ob sich die 35 Betroffenen derzeit wirklich an die Quarantäne zu Hause halten oder doch vor die Tür gehen, das wird vom Landratsamt oder dem Gesundheitsamt nicht strickt kontrolliert. "Es gilt das Prinzip Vertrauen gegen Vertrauen", wie es Geisler formuliert. Sollten jedoch Nachbarn oder Anwohner Verletzungen des Hausarrests beobachten, sind Reaktionen vorgesehen. 

Ob und wie sich die Betroffenen in Hausarrest derzeit mit Lebensmitteln und anderen Dingen des täglichen Bedarfs versorgen, dafür seien sie selbst zuständig. Bei einem Krisengipfel mit Bürgermeistern aus dem Landkreis am Dienstagabend soll genau dieses Thema besprochen werden. Man wolle dafür sorgen, dass die Versorgung im Zweifel abgesichert wird. "Niemand muss Angst haben zu verhungern", sagt Geisler. Menschen, die wegen Corona-Verdacht in Quarantäne bleiben müssen und beispielsweise keine Angehörigen haben, die für sie einkaufen gehen, sollen von den Kommunen Hilfe bekommen. Sie sollen zum Beispiel den Einkauf organisieren und übernehmen. "Wenn die Städte und Gemeinden das nicht allein leisten können, wird das zentral organisiert", erklärt er. 

Pirna und Dipps bekommen Untersuchungsstellen

Menschen, die erkältungsähnliche Symptome wie Husten und Schnupfen haben, sollen sich bislang beim jeweiligen Hausarzt auf den Coronavirus testen lassen. Dieser wägt aufgrund der individuellen Situation ab, ob eine Probenentnahme erforderlich ist. Laut Geisler sehen sich einige niedergelassene Ärzte im Landkreis derzeit aber nicht in der Lage, diese Tests durchzuführen. Ob es an fehlender Schutzkleidung oder anderen Hürden liegt, konnte Geisler nicht kommentieren. Um diese Lücke zu schließen, wird der Landkreis diese Woche zwei zentrale Untersuchungsstellen einrichten - im Landratsamt in Pirna und Dippoldiswalde. Zwei Mediziner sind dort für die Tests zuständig. Sie müssen dafür eine spezielle Schutzkleidung tragen. "Im Moment haben wir noch 20 dieser Anzüge da", erklärt Michael Geisler. Weitere hundert Stück seien bereits bestellt worden und sollen am Donnerstag zur Verfügung stehen. Wenn Hausärzte die Corona-Tests nicht durchführen, dann brauchen Betroffene eine Überweisung, um die Untersuchungsstellen des Landkreises aufsuchen zu können. "Wir werden jedoch niemanden abweisen, der ohne Überweisung zu uns kommt", sagt Geisler.

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Bürgertelefon wird aufgestockt

Der Landkreis hatte am Montag ein Bürgertelefon geschaltet. Unter 03501 5151166 und 03501 5151177 kann jeder anrufen, der Fragen zu der Viruserkrankung und Vorkehrungen im Landkreis hat. Aufgrund der vielen Anrufe wurde nun das Personal fürs Bürgertelefon aufgestockt. Viele Anrufer seien verunsichert. Die Standardfrage der Anrufenden sei: "Ich komme gerade aus dem Italienurlaub zurück. Was soll ich jetzt tun?" Die Mitarbeiter am Bürgertelefon klären dann zur Verfahrensweise auf. Wer beispielsweise in Italien oder einem anderen Corona-Krisengebiet war, sich aber gesund fühlt, müsse keinen Arzt aufsuchen. 

Ansteckungsgefahr wie bei normaler Grippe

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Landrat Geisler warnt die Einwohner des Landkreises vor Panik. "Wer nicht in einem Corona-Krisengebiet war, hat im Moment keinen Grund zur Sorge", sagt er. Die Ansteckungsgefahr sei so groß wie bei einer normalen Grippewelle. Auch Menschen, wegen eines Corona-Verdachts in Quarantäne müssten, sollten keine Angst haben. Eine Versorgung mit Lebensmitteln werde abgesichert, verspricht Geisler. "Wer aktuell eine Tüte Nudeln mehr einkauft, macht sicher auch keinen Fehler", fügt er hinzu. Von Hamsterkäufen rät er allerdings ab. "Unser Landkreis ist gut aufgestellt, um diese Lage zu bewältigen", sagt er. 

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