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Görlitz

Wo ist noch offen in Görlitz?

Floristen verschenken ihre Blumen, Friseure sind am Zweifeln, Händler appelieren an die Kunden: So war der erste Tag mit geschlossenen Geschäften.

Der Senfladen auf der Brüderstraße darf noch öffnen - mit recht strengen Regeln an der Tür.
Der Senfladen auf der Brüderstraße darf noch öffnen - mit recht strengen Regeln an der Tür. © Susanne Sodan

Beim Florizz-Blumenladen an der Frauenkirche sieht es ausgekehrt aus. Im wahrsten Sinne. An einem der Podeste, auf dem sonst Blumen stehen, lehnt der Besen. Bereits am Mittwoch haben die Floristinnen die Blumen zum halben Preis verkauft. Und Donnerstagmorgen haben sie die übrigen verschenkt. Wegwerfen wäre sonst die zweite Option gewesen. 

Bei Florizz an der Frauenkirche sieht es ausgekehrt aus. Das Blumengeschäft ist von den Schließungen betroffen. 
Bei Florizz an der Frauenkirche sieht es ausgekehrt aus. Das Blumengeschäft ist von den Schließungen betroffen.  © Susanne Sodan

Manche bringen Schokolade vorbei

Der Blumenladen gehört zu den Geschäften, die ab Donnerstag geschlossen sind. Blumen machen das Leben zwar schöner, sind aber nicht lebensnotwendig. Laut Allgemeinverfügung bleiben jetzt für zumindest einen Monat ein Großteil der Geschäfte, Theater, Museen und Kinos, Fitnessstudios, Sportanlagen, Spielplätze, Bibliotheken, Volkshochschulen und Treffpunkte geschlossen. 

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Manche hätten die Blumen am Morgen regelrecht gehamstert, erzählen die Floristinnen, "das tat weh". Andere Kunden hätten sich sehr lieb verhalten. "Manche haben sogar Schokolade gebracht." Offen bleiben Lebensmittelgeschäfte, ebenso wie beispielsweise Apotheken, Drogerien, Tankstellen, Zeitungsläden, Bank und Post. Bis 18 Uhr und unter bestimmten Hygienebedingungen dürfen auch Gaststätten öffnen. 

Zunächst gab es 50 Prozent Rabatt, dann verschenkte Florizz die letzten Blumen. 
Zunächst gab es 50 Prozent Rabatt, dann verschenkte Florizz die letzten Blumen.  © Susanne Sodan

Und auch Wochenmärkte wie der an der Elisabethstraße. In einem der Wagen brutzeln Hähnchen. Ansonsten wirkt es eher ruhig, verhalten. Das täusche, findet der Mann hinter der Theke. Für den Donnerstags-Wochenmarkt sei die Kundenzahl nicht erheblich kleiner. Tatsächlich bildet sich eine kleine Schlange, auch beim Fleischerwagen stehen zur Mittagszeit mehrere Kunden. Eine Pflanzen-Verkäuferin dagegen packt schon ein. 

Leere statt Touristen in der Altstadt

Aber je weiter man in die Altstadt läuft, desto leerer wirkt es. Eine kleine Touristengruppe schlendert die Brüderstraße hinab, sonst sieht man nur vereinzelt Personen. Der Senf-Laden, der auch Gastronomie betreibt hat offen - und dafür bestimmte Regelungen festgelegt, die an der Tür stehen. Maximal vier Personen haben gleichzeitig Zutritt, "Abstand halten", bittet der Senfladen. Aber zur besten Mittagszeit ist kein Gast da. Beim Café Flair auch nicht: Es dürfte eigentlich öffnen - dennoch hat sich das Personal dagegen entscheiden. Das Café bleibt vorerst geschlossen. "Wir wollen unsere Mitmenschen und uns schützen", erklärt ein Mitarbeiter. "Es ist ja auch kaum noch jemand unterwegs." Seine Hoffnung: Dass das ein Zeichen ist, dass die Menschen den Ernst der Lage verstehen.

Zwei Frauen mit Kindern laufen über den Klosterplatz. Auch ihr Gesprächsthema: Corona. "Ich glaube, uns wird es hier nicht so erwischen", sagt die eine. "Na, es sind aber auch schon junge Menschen dran gestorben", erwidert die andere. 

Händler verweisen auf ihre Online-Angebote

Am Klosterplatz sieht man auch, wie unterschiedlich die Händler mit der Situation umgehen. An der Tür des Lavendelhauses hängt ein Schild mit der Aufschrift: "Sie sind da und ich nicht?" Dann finde man das Lavendelhaus auf Ebay-Kleinanzeigen oder auf Facebook. Trotz allem den regionalen Händlern treu zu bleiben, wenn möglich, deren Online-Shops zu nutzen, darum bitten derzeit viele in der Handelsbranche. Auch das Görlitzer Sportgeschäft Muskelkater: "Wenn ihr die nächsten Wochen viel zu Hause bleibt, kauft eure Schuhe, Klamotten und andere Dinge nicht online", schreibt  das Muskelkater-Team. "Wartet bitte, bis alle Einzelhändler und regionalen Geschäfte wieder öffnen und helft diesen dann danach aus der Krise durch eure Einkäufe."

Das Lavendelhaus ist nicht das einzige Geschäft, das auf sein Online-Angebot verweist.  
Das Lavendelhaus ist nicht das einzige Geschäft, das auf sein Online-Angebot verweist.   © Susanne Sodan

Görlitzer Online-Marktplatz entsteht

Derweil arbeiten der Verein Lausitz Matrix und das Kommunikationsunternehmen Machtwort an einer Internetseite, eine Art zentraler Marktplatz für die hiesigen Händler. "Eine Shoppingseite werden wir nicht hinbekommen", sagt Mike Altmann, der sowohl beim Verein als auch bei Machtwort arbeitet. Aber die Seite soll ein Sammelbecken sein, wo die Händler auf ihre Möglichkeiten - auf Gutscheine, Online- oder andere Angebote - verweisen können. 

Am meisten Fragezeichen in den Diskussionen und sozialen Netzwerken hatte der Punkt, laut dem Friseure öffnen können. Während sich die Görlitzer Friseurin Daniela Kaps auf Facebook darüber freut - "Danke, danke, danke, der Frisörbetrieb wird nicht eingestellt!" - finden andere das unverantwortlich. "Ja, sie sind alle gestorben. Aber hast du gesehen, wie schön ihre Frisuren waren?", schreibt ein Twitter-Nutzer zu dem Thema. In der Branche selbst gehen die Meinungen auseinander. Laut dem Zentralverband des deutschen Friseurhandwerks würden viele Friseure die Situation auch ohne Schließung als existenzbedrohend wahrnehmen. Manche Friseure haben dennoch von sich aus geschlossen - um Mitarbeiter und Kunden zu schützen. 

Friseure am Zweifeln

Auch die Görlitzer Friseurin Jana Binner hat gemischte Gefühle. „Auf der einen Seite sehe ich meine persönliche Existenz“, sagt sie. „Solange ich als Selbstständige mit meinen beiden Händen meine Miete verdienen kann und muss, möchte ich das tun.“ Ein Teil ihrer Arbeit – in Pflegeheimen und Tagespflegen, wo viele Menschen der Risikogruppe sind – fällt nun bereits aus. „Ich habe mit meinen Mitarbeitern darüber gesprochen“, erzählt sie. Für mehrere hat sie Kurzarbeit beantragt. "Wir versuchen es so zu handhaben, dass nur zwei bis drei Friseurinnen zu den Öffnungszeiten da sind." Auch, damit zumindest zwischen den Friseurstühlen Platz bleibt. Denn das ist die andere Seite des Zwiespalts. „Wir sind nah an den Kunden dran.“ Für sie wie die Mitarbeiter steht beispielsweise Desinfektionsmittel bereit. Gegen eine weitere Verbreitung des Virus wäre eine generelle Schließung der Salons richtig. „Aber dann brauche ich eine klare staatliche Ansage.“ Auch, um finanzielle Auffangmöglichkeiten überhaupt nutzen zu können.

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Nah dran an den Kunden sind auch Anne Friede und ihre Mitarbeiter von der Physiotherapie Friedländer. Sie gehört zum Gesundheitswesen, ist deshalb von den Schließungen nicht betroffen. "Was geht, machen wir", sagt sie. Unter erhöhten Hygienemaßnahmen. "Wir lüften häufiger, desinfizieren mehr", beispielsweise sind jetzt auch die Türklinken mit Desinfektionsmittel präpariert. Im Zweifelsfall wird mit Mundschutz und Handschuhen gearbeitet. Nicht neu dagegen: Patienten mit Grippesymptomen dürfen nicht rein.  

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