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Grenze dicht: Wie macht Kornelia jetzt Abi?

Die 18-jährige Abiturientin wohnt in Polen und lernt am Zittauer Gymnasium. Ab Montag muss sie für die Prüfungen in die Schule. Aber wie?

Kornelia Maryniewska wohnt in Porajów (Großporitsch). Wie macht die 18-Jährige jetzt ihr Abi am Zittauer Weise-Gymnasium?
Kornelia Maryniewska wohnt in Porajów (Großporitsch). Wie macht die 18-Jährige jetzt ihr Abi am Zittauer Weise-Gymnasium? © privat

In Kornelias Deutsch ist nicht die Spur eines Akzents. Und die 18-jährige Polin sagt "ni" und "nu" wie man es diesseits der Grenze sagt. Schon als Dreijährige haben ihre Eltern sie jeden Tag aus dem benachbarten Porajow (Großporitsch) in den Kindergarten nach Zittau gebracht. "Ich hab Deutsch wie eine zweite Muttersprache gelernt", sagt Kornelia.

Dass sie hier auch in die Schule gehen würde, sei von Anfang an klar gewesen, erzählt sie. "Meine Eltern sind beide Polen, aber sie fanden es immer wichtig, Sprachen zu lernen - und hier im Dreiländereck geht das normalerweise ja auch perfekt."

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Normalerweise! Jetzt aber sitzt Kornelia Maryniewska zu Hause in Porajów, und zwischen ihrem Zuhause und ihrer Schule liegt eine schwer bewachte Grenze. Ein- und Ausreise verboten! 

Bisher war das für die Schülerin kein Problem. Es waren ohnehin alle zum Selbststudium am Küchentisch verbannt. Aber Kornelia gehört zu den diesjährigen Abiturienten am Christian-Weise-Gymnasium. Und ab nächster Woche finden hier die Abi-Prüfungen planmäßig statt. Wie aber kommt die Schülerin aus Polen jetzt über die Grenze?

Vorübergehend Umzug nach Zittau

Mit einer Ausnahmegenehmigung, sagt Kornelia, und es klingt sehr erleichtert. "Unser Oberstufenleiter hat dabei geholfen, und er hat auch eine kleine Wohnung in Zittau besorgt." Weil sie nicht täglich pendeln kann - sie müsste in Polen nach der Einreise erst einmal in Quarantäne - wird sie die nächsten drei Wochen Prüfungszeit gemeinsam mit ihren Vater in Zittau verbringen.

"Mein Papa hat dafür extra seinen Urlaub genommen", erzählt Kornelia. Auch er hat eine Ausnahmegenehmigung bekommen, seine Tochter begleiten zu können. Von ihrer Mutter muss sich Kornelia für die nächsten drei Wochen verabschieden. Sie muss in Polen bleiben.

Vor den Abi-Prüfungen hat auch Kornelia ein bisschen Bammel. "In Mathe fühle ich mich ganz gut vorbereitet", sagt sie. "Da konnten wir viele Aufgaben auch aus früheren Abi-Prüfungen rechnen und üben." In Bio - ihrem Leistungsfach - sei das schon schwieriger. "Da fehlt uns noch ein ganzer Lernbereich, den wir nicht geschafft haben", erzählt die 18-Jährige. "In der Schule hätten wir in den letzten Wochen garantiert mehr gelernt als jetzt zu Hause."

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Kornelia Maryniewska aber ist erst einmal froh, dass sie unter diesen Umständen überhaupt ihr Abitur in Zittau schreiben kann. "Damit werden wir wohl in die Geschichte eingehen", sagt sie.

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