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Dresden

Probleme bei Kita-Neustart in Dresden

Alle Kinder werden nun wieder in den Einrichtungen betreut. Was die strengen Regeln für Erzieher, Eltern und Kinder bedeuten.

Dass viele Kitas später auf- und früher zumachen müssen, stellt auch Dresdner Eltern vor Probleme.
Dass viele Kitas später auf- und früher zumachen müssen, stellt auch Dresdner Eltern vor Probleme. © dpa-Zentralbild

Dresden. Seit Montag dürfen Tausende Kinder wieder in die Kitas gehen. Bei aller Freude bei Eltern und Kindern gab es aber auch Probleme. Viele Eltern kämpfen beispielsweise mit den verkürzten Öffnungszeiten. Teilweise öffnen die Einrichtungen nur bis 15.30 oder 16 Uhr, weil sie die Hygienebestimmungen sonst nicht umsetzen können. Das betrifft nahezu alle Dresdner Kitas. Anders lassen sich die Vorgaben zum Infektionsschutz, insbesondere die festen Gruppen mit festen Bezugserziehern, nicht realisieren, so die Stadt.

Einen Teil der Eltern stellen die verkürzten Öffnungszeiten vor erhebliche
Herausforderungen, das weiß auch der Eigenbetrieb, wie er auf SZ-Anfrage mitteilt. "Dies betrifft insbesondere Mütter und Väter, die in festen Schichtsystemen arbeiten", so Sprecher Karl Schuricht. Die verringerten Öffnungszeiten würden laut Stadt so lange gelten, wie die Einrichtungen die Vorgaben zum Infektionsschutz umsetzen müssen. Die  Allgemeinverfügung des Landes gilt zunächst bis 5. Juni.

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Hauptproblem: Kürzere Öffnungszeiten

Wie viele Kinder am Montag wirklich in die Kitas kamen, bleibt noch unklar. "Konkrete Zahlen liegen uns leider nicht vor. Aber es ist eine deutliche Mehrauslastung gegenüber den vergangenen Wochen spürbar", so Awo-Sprecherin Ulrike Novy. Einige Eltern betreuen jedoch mit Verständnis für die schwierige Situation in der kurzen Woche vor Himmelfahrt ihre Kinder weiterhin zu Hause. Novy rechnet erst ab der kommenden Woche mit der vollen Auslastung der Awo-Kitas.

Auch bei der Arbeiterwohlfahrt kennt man die großen Herausforderungen, welche die neuen Regeln mit sich bringen. "In erster Linie fehlen sowohl die räumlichen wie auch personellen Ressourcen, um die strengen Vorschriften in der Praxis umsetzen zu können. Insbesondere kleine Einrichtungen stoßen hier an ihre Grenzen", so Novy. Außerdem leide die pädagogische Arbeit, da die personellen Ressourcen vor allem zur Einhaltung der Vorgaben, wie die strikte Gruppentrennung, gebraucht werden. An eine pädagogische Arbeit im Sinne des sächsischen Bildungsplans sei erst einmal nicht zu denken.

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Wie bei fast allen Trägern sind auch bei der Awo die Öffnungszeiten eingeschränkt. "Um die fehlenden räumlichen und insbesondere personellen Kapazitäten auszugleichen, machen unsere Einrichtungen von der Möglichkeiten der eingeschränkten Öffnungszeiten Gebrauch", so Novy. Das betreffe vor allem die Randzeiten früh am Morgen und spätabends. Sie versuche, individuelle Lösungen für die Eltern zu finden.

Auch die Dresdner Kitas des Roten Kreuzes haben nur von 7 bis 16 Uhr offen. "Aufgrund der Besetzung aller Gruppen von Kitaöffnung bis zur Schließung lassen sich die normalen Öffnungszeiten nicht mehr realisieren", so Sprecherin Ulrike Peter.

Von ähnlichen Problemen berichtet auch Anja Kuhnert, die bei den Johannitern für die Kindertagesstätten zuständig ist. Insgesamt acht Einrichtungen betreiben die Johanniter, davon zwei in Dresden. "Die Vorschriften sind schwierig umsetzbar im Alltag." Sie wünsche sich, dass die Gruppen nicht nach Räumen getrennt werden, sondern nach größeren Bereichen, etwa etagenweise. Denn die Anzahl der Kinder in einer festen Gruppe sei nicht festgelegt. "Dann könnten wir auch einen Früh- und Spätdienst ermöglichen." 

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Weil das aber nicht geht, muss auch dieser Träger die Öffnungszeiten verkürzen. Anstatt von 6 bis 17 Uhr sind die Einrichtungen von 8 bis 16 Uhr geöffnet. "Wir können unsere Erzieher jetzt nicht wochenlang elf Stunden täglich arbeiten lassen", so Anja Kuhnert. Andererseits verstehe sie auch den Frust der Eltern, die nun Probleme mit ihren Arbeitszeiten bekommen. "Den Ärger bekommen nun die Kita-Leiter zu spüren." Auch Arbeitgeber wie Pflegedienste hätten sich schon beschwert. 

Dabei seien alle Erzieher froh, dass sie die Kinder nun wieder betreuen können, versichert Kuhnert. Anders als erwartet, sei der erste Tag bei den Kindern auch sehr entspannt verlaufen. "Wir hatten schon damit gerechnet, dass einige der Kleinen traurig oder zurückhaltend sind." Die Rückmeldungen aus den Kitas waren aber entsprechend positiv. Auch, wenn der Alltag eben noch nicht wie gewohnt verlaufe, die vielen Regeln vor allem für die Kinder unverständlich sind . So habe es die Situation gegeben, dass ein Mädchen plötzlich auf der Schaukel im benachbarten, abgesperrten Bereich saß. "Es ist schwer für die Erzieher, den Kleinen zu erklären, warum eben vieles nicht geht."

Personalnot nun noch deutlicher zu spüren

Große Probleme bereitet beim Roten Kreuz das Thema Personal und Corona-Regeln. "Schon vor Corona fehlten Erzieher in den Kitas. Der Personalnotstand lässt sich zwar teilweise über Zeitarbeitsfirmen abdecken. Allerdings bringen diese nicht die erforderliche Entspannung, da die Kinder die 'Zeitarbeits-Erzieher' nicht kennen und sich weiterhin an ihre vertraute Erzieherin wenden", so Sprecherin Ulrike Peter.

Absprachen im Team seien nur noch in begrenztem Rahmen möglich. Ein fachlicher Austausch, welcher gerade für die Krisenzeit notwendig ist, könne nicht stattfinden, weil auch die Erzieher der einzelnen Gruppen untereinander Abstand halten müssen.

Mitarbeiter fühlten sich isoliert und sehr angespannt. Den ganzen Tag geistern ihnen Fragen im Kopf herum wie: "Habe ich auch wirklich alle Formulare von den Eltern ausfüllen lassen für den Tag? Habe ich die wichtigen Infos weitergegeben? Ist im Rucksack alles Notwendige zu Essen für den Tag drin und warum haben die Eltern immer noch nicht den Zettel mit den Betreuungszeiten für die nächste Woche abgegeben? Wie soll ich die Eingewöhnung weiterhin gestalten?" Pädagogen seien nicht mehr nur Spielgefährten, Wegbegleiter, Tränentrockner und Welterklärer, sondern vor allem auch Psychologen. 

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