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Ausgeklügeltes Wegesystem sichert Lernen

Seit Mittwoch sind auch die Viertklässler der ersten Grundschule in Großenhain zurück im Unterricht. Normal ist dieser jedoch nicht.

Endlich wieder zurück: Leokadia, Manuel, Suki, Paul und Jette aus der ersten Großenhainer Grundschule haben am Mittwoch sichtlich gern am Unterricht teilgenommen.
Endlich wieder zurück: Leokadia, Manuel, Suki, Paul und Jette aus der ersten Großenhainer Grundschule haben am Mittwoch sichtlich gern am Unterricht teilgenommen. © Foto: Kristin Richter

Großenhain. Sie sind die Dienstältesten - und haben trotzdem keinen Schimmer. Als die Schüler der vierten Klasse an diesem Mittwochmorgen zum ersten Mal nach sechs Wochen wieder ihre Schule betreten, hat das eher etwas von zögerlichem Erkundungsgang statt stürmischem Hineinlaufen. 

Auch wenn in den Gesichtern der Mädchen und Jungen deutlich abzulesen ist, wie sehr sie sich über das Wiedersehen mit Freunden, Klassenkameraden und Lehrern freuen - eine Berührung gestattet sich niemand, schon gar keine Umarmung.

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 Die Rückkehr in die Normalität ist eine, in der die Beine unmittelbar vor der lang vermissten Freundin automatisch abbremsen und der Kumpel grinsend mit der Fußspitze begrüßt wird. "Es war deutlich zu spüren, dass die Kinder von ihren Eltern über die momentane Situation aufgeklärt worden sind", sagt Sylvia Ufert. Wie die Leiterin der Grundschule betont, habe an diesem ersten Schultag alles recht gut geklappt.

Ein Schultag, wie ihn bisher so weder die Viertklässler noch ihre Lehrer erlebt haben. Damit zwischen den insgesamt 40 Mädchen und Jungen keine unerwünschte Nähe über das zurzeit gestattete Maß von 1,50 Meter hinaus entsteht, seien bereits alle Schüler der ursprünglich zwei Klassen auf dem Hof beziehungsweise vor dem Haupteingang des Gebäudes in Empfang genommen wurden. Künftig in Gruppen von jeweils zehn Kindern von einem Lehrer unterrichtet, legten alle vier Gemeinschaften ihre individuellen Laufwege zurück. Vorgegeben auf dem Fußboden durch Klebeband, sicherten auch sie das Abstandsgebot. 

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Eine Voraussetzung im künftigen Miteinander, das ein hohes Maß an Logistik, Vorausplanung und nicht zuletzt Disziplin der munteren Schützlinge voraussetzt. "Wir haben uns im Vorfeld natürlich ausführlich damit beschäftigt, wie wir den Anforderungen aus der aktuellen Corona-Verordnung nachkommen können. Ähnlich wie weiterführende Schulen setzen wir auf ein ausgeklügeltes Wegesystem, damit nur die Kinder miteinander zu tun haben, die auch gemeinsam in einem Raum lernen", erklärt Sylvia Ufert. 

Auch die Tagesstruktur mit unterschiedlichen Anfangszeiten und entsprechendem Beginn von versetzten Pausen oder der anschließenden Versorgung mit Mittagessen sei dem Wunsch nach einem Minimum an Begegnung angepasst worden. Hinzu kämen darüber hinaus natürlich die hygienischen Maßnahmen, zu denen das gründliche Waschen der Hände und je nach Bedarf das Tragen von Schutzmasken gehören.

 Zwar wären die Kinder nicht verpflichtet, sie im Schulhaus zu tragen. Eltern, die das jedoch wünschten, müssten das nur signalisieren, und auch die Lehrer selbst hätten ohnehin miteinander vereinbart, im Falle von unmittelbarer Nähe zum Zwecke von Erklärungen im alleinigen Gespräch mit einem Schüler einen sogenannten Nasen-Mund-Schutz zu tragen. 

Wie sich das Lernen unter diesen besonderen Bedingungen weiterhin gestalte, müsse man indes erst abwarten. Am Mittwoch habe man zunächst gemeinsam besprochen und praktisch getestet, wo die Mädchen und Jungen in den einzelnen Fächern stehen. 

In den vergangenen Wochen seien sie ja über die Plattform Lernsax und Aufgaben ihrer Fachlehrer beschult worden. Eine Höchstleistung für alle Beteiligten gleichermaßen, wie Sylvia Ufert befindet. 

"Wie alle anderen Schulen auch hatten wir überhaupt keine Vorlaufzeit. Gewissermaßen von heute auf morgen mussten die Kinder und ihre Eltern mit der veränderten Situation klar kommen. Plötzlich auf sich allein gestellt, war es nicht immer leicht und verdient höchste Anerkennung", weiß die Schulleiterin.

Wie viel des selbst angeeigneten Wissens in Deutsch, Mathematik, Sachkunde und Englisch nun wirklich verstanden worden und tatsächlich hängen geblieben ist, bliebe abzuwarten. Alle Kollegen seien sich durchaus bewusst, das der Unterricht am Küchentisch nicht nahtlos fortsetzen konnte, was sonst fachlich und didaktisch von Pädagogen geleistet werde.

 Gemeinsam mit den Kindern, die ab September dann in weiterführende Schulen gingen, werde man sich zurück in einen Schulalltag tasten. Einer, der zunächst wahrscheinlich rein gar nichts von Normalität habe und man häufig keinen Schimmer besitze. Zum Beispiel, wer wann auf dem Klebebandweg zuerst nach links abbiegen darf.     

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