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Eisenfeustel: "Angst ist kein guter Ratgeber"

Gerade erst hat er das Geschäft übernommen - dann die Corona-Krise. Wie Thomas Haaß vom Dresdner Kult-Baumarkt das meistert.

Er war auch während des Lockdowns für seine Kunden da: Thomas Haaß vom Eisenfeustel in der Neustadt.
Er war auch während des Lockdowns für seine Kunden da: Thomas Haaß vom Eisenfeustel in der Neustadt. © Sven Ellger

Dresden. Er übergibt nicht nur Schrauben, Muttern und Dübel an seine Kunden, sondern auch eine große Portion Mut, Gelassenheit und Humor. Bereits auf einem Schild am Eingang empfiehlt Thomas Haaß diese simplen Helfer gegen die Corona-Krise. Der Geschäftsführer von Eisenfeustel auf der Bautzner Straße hat in den letzten Monaten ein echtes Kämpfer-Pensum an Arbeit bewältigen müssen - und dabei immer versucht, seinen Kunden seine positive Grundeinstellung weiterzugeben. "Ich möchte nicht polarisieren, auch nicht gegen die Ämter, meine Grundhaltung ist eine positive: Mehr zusammenzuhalten, als zu trennen, das ist, was ich mir wünschen würde." Sich aufeinender verlassen, sich gegenseitig Mut machen, das findet er wichtig - vor allem in der Krise.

Dennoch auch Thomas Haaß's Alltag wurde durch das Coronavirus kräftig durcheinander gebracht. Vorübergehend musste er seinen Laden schließen - so wie fast alle Einzelhändler. Damals hatte er eine Soforthilfe von 1.000 Euro beantragt und war dennoch leer ausgegangen. Verbittert hat ihn das nicht. "Ohne diese 1.000 Euro geht Eisenfeustel nicht hops und mit wäre ich nicht finanziell reich gesegnet gewesen." Ihn hatte eher gestört, dass es nicht gerecht zuging. "Das Geld hat ein Rechtsanwalt mit einem Stundenlohn von 150 Euro beantragt, genau so eine Sängerin, die schauen muss, wo sie als nächstes auftritt. Als mein Antrag abgelehnt wurde, hat sich das ungerecht angefühlt."

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"Auf diese Mengen war ich teilweise nicht vorbereitet"

Obwohl er die 1.000 Euro damals gut hätte gebrauchen können - schließlich war sein Laden geschlossen - hat Thomas Haaß die erste Corona-Welle gut überstanden. Schnell fand er ein Konzept, das ihm erlaubte weiterhin Schrauben, Dübel und Haushaltswaren zu verkaufen. Über die Webseite des Mini-Baumarkts konnten Kunden per WhatsApp, per Telefon oder per E-Mail bestellen und sich sogar beraten lassen. Das Geschäft lief gut, allerdings nahmen die neuen Vertriebsart sowie die vielen Kunden sehr viel Zeit in Anspruch. "Das ging zwei Wochen so, dann war Ostern. Viel länger hätte ich auch gar nicht durchgehalten. Es war aber für diese Zeit super!"

Gekauft wurde also reichlich: "Gerade im April und Mai haben vor allem junge Leute größere Mengen von Produkten gekauft, um zum Beispiel Klettergriffe und Klimmzugstangen anzubringen oder Hochbetten zu bauen. Auf diese Mengen war ich teilweise gar nicht vorbereitet, hab dann aber geschaut, dass die Sachen da sind. Dementsprechend ist Eisenfeustel relativ unbeschadet aus der Krise gekommen."

Ein schwerer Einstieg in seine neuer Rolle

Haaß hat den bekannten Mini-Baumarkt in der Neustadt, erst zum Jahresbeginn übernommen. Es ist an sich schon eine Herausforderung, musste er sich doch erstmal in seiner neuen Rolle zurechtfinden. "Das ist wie auf ein fahrendes Gefährt aufzuspringen. Man muss erstmal sehen, wo es hinfährt und an welchen Rädchen man drehen muss, um es zu steuern." Dazu kam Corona, was auch dazu geführt habe, dass er viel Zeit mit dem Lesen von Verordnungen habe verbringen müssen. 

Gerade die Maskenpflicht mache vielen seiner Kunden zu schaffen - vor allem die älteren seien verunsichert. "Die wissen nicht, dass sie die Maske nicht tragen müssen, wenn sie dadurch nicht richtig Luft bekommen." Außerdem verstehe man die Kunden durch die Maske sehr schlecht, beklagt Haaß. Eine Situation hat den Einzelhändler besonders bewegt: "Eine ältere Dame kam in den Laden und fragte, ob sie ihren Mann überhaupt mit hinein nehmen darf oder er draußen warten muss. Da ist eine riesen Unsicherheit, die unter die Leute gebracht wurde. Natürlich kommt der mit rein, die sind ja schon lange verheiratet. Was anderes ist für mich gar nicht denkbar."

"Angst ist kein guter Ratgeber"

Zuversicht statt Angst verbreiten, das ist seiner Meinung nach die richtige Strategie. In der Kommunikation sei ihm wichtig, darauf zu achten den Leuten zu helfen und keine Angst zu verbreiten. Das wünsche er sich auch von der Politik. Angst vor einer zweiten Welle und deren Auswirkungen auf das Geschäft liegen nicht in der Natur von Haaß: "Furcht ist kein guter Ratgeber. Man sollte keine Angst verbreiten, sondern andere Dinge. Ich nehme es, wie es kommt", sagt er. "Ich versuche nur noch an das zu denken, was ich verändern kann und nicht an das, was nicht in meiner Macht steht."

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