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Dresden

Sie sorgt für gute Sicht bei Corona-Helfern

Die Dresdner Optikerin Birgit Boddien rechnet für ihre Branche mit dem Schlimmsten. Trotzdem arbeitet sie weiter - damit Helfer den Durchblick behalten.

Optikerin Birgit Boddien arbeitet weiter, um Helfern zu helfen.
Optikerin Birgit Boddien arbeitet weiter, um Helfern zu helfen. © Sven Ellger

Dresden. Birgit Boddien zählt sich zu einer Grauzone. Das Coronavirus macht den Händlern in Dresden massiv zu schaffen. Viele dürfen gar nicht mehr öffnen, andere werden überrannt - wie Supermärkte - und es gibt diese Grauzone mit Birgit Boddien.

Boddien ist Optikerin, hat ihr Geschäft an der Bautzner Straße in der Neustadt. "Wir dürfen weiterhin öffnen, werden aber nicht zwingend als systemrelevant eingestuft", sagt die 53-Jährige.

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Im Januar hatte sie ihr 15-jähriges Firmenjubiläum. Dass sie jetzt quasi ohne Kunden dasteht, hätte sie da noch nicht gedacht. Als die Ladenschließungen angeordnet wurden, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, hat Boddien sich zuerst informiert.

"Ja, Optiker dürfen öffnen", sagt sie. Sofort war für sie klar, dass sie weitermacht, aber den Betrieb umstellt. "Ich sehe momentan meine Aufgabe vor allem darin, Personen aus systemrelevanten Berufen zu unterstützen." Was ist denn, wenn einem Arzt in der jetzigen Hektik in Kliniken die Brille kaputt geht, fragt sie. "Diese Personen brauchen schnell Ersatz." 

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Diese Hilfe bekommen Kunden bei Birgit Boddien derzeit nur nach vorheriger Absprache. An ihrem Schaufenster ist ein Zettel mit der Telefonnummer, die auch auf ihrer Internetseite zu finden ist. Boddien ist aber nur im Laden, wenn sie dort benötigt wird. Ihre Mitarbeiterin hat sie Nachhause geschickt, um eine Ansteckung zu vermeiden.

Denn den derzeit vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,5 Metern kann die Optikerin zu ihren Kunden generell nicht einhalten. "Ich arbeite ja direkt am Menschen. Die Prüfbrille, das Sehtestgerät, die Kinnauflage und so weiter werden aber aktuell noch intensiver desinfiziert." Dennoch bringt Boddien sich selbst in Gefahr, um anderen zu helfen. Ich sehe mich aber nicht als Heldin, vielmehr bewundere ich die Personen, die im Gesundheitswesen und einigen anderen Berufen jetzt arbeiten."

Aber wie schnell kann Birgit Boddien beispielsweise dem Arzt die zerstörte Brille ersetzen? "Theoretisch ist das innerhalb einer Stunde möglich", sagt sie. Fassungen sind da, ein Lager an Brillengläsern hat sie auch. "Aber das ist natürlich nicht komplett. Sofort geht es nur, wenn vorhandene Gläser für den Kunden passen." 

Zu normalen Zeiten, außerhalb von Corona, sind angefertigte Gläser über Nacht da, also am nächsten Tag. "Es kann sein, dass Hersteller Lieferengpässe bekommen, wenn die Krise länger dauert", erklärt sie. Zumal viele Rohlinge aus China kommen. Und Gelitsichtgläser dauern länger - vier bis fünf Tage.

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Derzeit nicht möglich, ist die Anpassung von Kontaktlinsen. "Das wäre viel zu gefährlich, mit den Fingern und den Schleimhäuten ist das Risiko der Übertragung und des Eindringens der Viren in den Körper viel zu hoch", erläutert die Optikerin.

Boddien arbeitet derzeit auch mit Mundschutz und Handschuhen, um sich abzusichern. "Man kann nur aufpassen und möglichst Abstand halten."

Dass ihr Geschäft auch unter der Krise leiden wird, dessen ist sich Boddien gewiss. Die Kunden bleiben aus. "Es gibt noch ein paar Bestellungen, die abgewickelt werden, aber es sind deutlich weniger Kunden."

Außerdem, so fürchtet Birgit Boddien, ist es auch ein Problem, dass Optiker weiter geöffnet haben dürfen. "Auch wenn für mich nie infrage stand, zu öffnen - außer es wird verboten. Aber weil wir öffnen können, rechne ich damit, dass unsere Branche keine Unterstützung vom Staat erhalten wird." Sie findet das ungerecht. Aber vielleicht brauchen in den kommenden Wochen auch viele Helfer schnell eine Ersatzbrille. 

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