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Der Bürgermeister, der Corona hatte

Andreas Liebscher aus dem Erzgebirge war mit seiner Frau in Tirol zum Skifahren. Vorsichtshalber ließen sie sich auf Corona testen, und das fiel positiv aus.

Andreas Liebscher, der Bürgermeister von Hermsdorf im Erzgebirge, ist genesen. Beim Skiurlaub in Tirol hatten er und seine Frau sich den Coronavirus eingefangen.
Andreas Liebscher, der Bürgermeister von Hermsdorf im Erzgebirge, ist genesen. Beim Skiurlaub in Tirol hatten er und seine Frau sich den Coronavirus eingefangen. © Egbert Kamprath

Andreas Liebscher (parteilos), der ehrenamtliche Bürgermeister von Hermsdorf im Erzgebirge, ist seit der Woche vor Ostern wieder im Gemeindeamt anzutreffen. Zuvor hatten er und seine Frau sich drei Wochen lang konsequent von allen Kontakten zu anderen Menschen ferngehalten, denn sie waren mit dem Coronavirus infiziert.

„Gemerkt haben wir es eigentlich nur durch den Test“, sagt Liebscher. Die beiden waren in St. Anton am Arlberg zum Skifahren und hatten einen schönen Urlaub – bis zu dem Zeitpunkt, als die österreichischen Behörden die ganze Region räumen ließen, die Gäste sowie Saisonarbeiter nach Hause geschickt und alles abgesperrt haben. 

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Liebschers fuhren mit ihrem eigenen Auto zurück nach Sachsen und spürten eigentlich keine Symptome. „Einen leichten Husten hatte ich“, erzählt Andreas Liebscher. So etwas ist um diese Jahreszeit alltäglich, kein Grund zur Sorge. Aber in der Zwischenzeit war das österreichische Bundesland Tirol zum Corona-Risikogebiet hochgestuft worden. 

Also hieß das für Liebschers, dass sie sich erstens sofort selbst in Quarantäne begeben haben und zweitens zu ihrer Hausärztin gingen und sich sicherheitshalber einmal testen ließen. Das Ergebnis war positiv, nur dass „positiv“ im medizinischen Sinne etwas anderes bedeutet als in der Alltagssprache. Die Untersuchung hatte ein Ergebnis gebracht, sie hatten sich angesteckt.

Keine Symptome, aber trotzdem infiziert

Obwohl sich Liebschers nicht krank fühlten, auch kein Fieber hatten, waren sie mit dem Coronavirus infiziert. „Für uns hieß das, dass wir uns drei Wochen lang konsequent von allen Kontakten ferngehalten haben“, berichtet Andreas Liebscher. Strikte Quarantäne war angesagt. „Versorgt wurden wir von der Familie. Die haben uns die Einkäufe an die Tür gestellt.“ Regelmäßig Fieber messen gehörte dann zum Alltag, auch wenn die Temperatur im normalen Bereich geblieben ist.

"Ich gelte ja jetzt als geheilt"

Liebscher hat seine Amtsgeschäfte als Bürgermeister von zu Hause aus weitergeführt, wie so viele, die derzeit im Homeoffice arbeiten. „Dabei kam mir entgegen, dass jetzt wegen Corona ja ohnehin weniger zu tun ist, weil vieles zurückgefahren wurde“, sagt er. Dann kam Anfang April wieder ein Test-Termin, und das Ergebnis war dieses Mal negativ. Also kein Virus mehr festzustellen. Am Montag vergangener Woche bekam Liebscher diese Information. Das hieß, die Quarantäne ist aufgehoben, und der Bürgermeister ist dann am Dienstag wieder ins Gemeindeamt gegangen. „Ich gelte jetzt ja als geheilt“, stellt er fest.

„Wichtig ist jetzt, dass die ganze Sache zügig vorbeigeht. Wir müssen jetzt auch dran denken, wie wir die Wirtschaft wieder in Gang bringen“, sagt der Bürgermeister. „Sonst hat der Virus noch ganz andere Folgen.“

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Als Bürgermeister hat er auch die Verantwortung für die Einhaltung der Ausgangsbeschränkungen in seiner Gemeinde. Das macht ihm aber keine Probleme. „Die Leute sind bei uns sehr vernünftig. Mir sind keine Treffen von mehreren Menschen bekannt geworden“, sagt er. Es wäre ja auch nicht im Sinne einer Tourismusgemeinde, die Hermsdorf im Erzgebirge ja ist, wenn von hier aus eine Ansteckungsgefahr ausginge. Den Rufschaden, den so etwas zur Folge haben kann, erlebt derzeit die österreichische Skiregion.  

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