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Corona-Hilfe für 1.000 sächsische Künstler

Noch warten Künstler im Freistaat auf eine angemessene Krisenförderung. Ein großes Stipendienprogramm soll ihnen helfen, die Zeit zu überbrücken.

Die Corona-Krise macht vor allem freie Künstler auch in Sachsen faktisch einkommenslos. Ein Stipendienprogramm schafft vorübergehend Abhilfe.
Die Corona-Krise macht vor allem freie Künstler auch in Sachsen faktisch einkommenslos. Ein Stipendienprogramm schafft vorübergehend Abhilfe. © Unsplash

Ein Freistaat hat es schon beschlossen: Bayern will seinen Solo-Selbständigen, darunter auch den Künstlerinnen und Künstlern, drei Monate lang mit jeweils 1.000 Euro über die Zeit der Corona-Krise helfen, die viele von ihnen faktisch einkommenslos macht. Nun zieht Sachsen nach: Zusätzlich zu den Zinsfreien Darlehen wird für die freien Kunstschaffenden ein eigenes Förderprogramm aufgelegt. Unter dem Titel „Denkzeit“ können Betroffene ab dem 23. April bei der Kulturstiftung des Freistaates zweimonatige Stipendien in Höhe von je 2.000 Euro beantragen. Das haben die Staatsministerin für Kultur und Tourismus, Barbara Klepsch (CDU), und Kulturstiftungsdirektor Manuel Frey am Mitwochvormittag bekannt gegeben. Da zwei Millionen Euro zur Verfügung stehen, können 1.000 Künstler davon profitieren. 

„Das Programm richtet sich an freischaffende, hauptberuflich tätige Künstlerinnen und Künstler mit Hauptwohnsitz in Sachsen, die in Folge der Pandemie existentiell und künstlerisch in einer schwierigen Lage sind", so Klepsch. „Es soll ihnen den nötigen Freiraum bieten, um mit kreativen Ansätzen diese gesellschaftliche und kulturelle Ausnahmesituation zu überbrücken." Von den Stipendien profitieren sollen Künstler aus den Sparten Darstellende und Bildende Kunst, Musik, Literatur und Film. 

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Corona kann Thema sein, muss es jedoch nicht

Das Antragsverfahren scheint bewusst so ausgelegt, dass möglichst viele Betroffene in den Genuss der Stipendien kommen: Bewerben kann man sich über ein Online-Formular auf der Webseite der Kulturstiftung. "Wir benötigen dafür lediglich eine kurze Vita, ein Foto und Gedanken zu einem kurzen, loses Konzept", erklärt Frey.  Es soll dafür Sorge getragen werden, dass die Mittel zügig an die Antragstellerinnen und Antragsteller ausgereicht werden können.

Das Stipendium ist offen für unterschiedliche Ansätze und Formate. „So können beispielsweise Recherche- und Konzeptarbeiten oder Ideen der künstlerischen Reflexion der Krise ebenso Gegenstand des Stipendiums sein wie das Ausloten digitaler Interaktionstechniken, die Erprobung von Veranstaltungsformaten im virtuellen Raum oder die Restrukturierung von Arbeitsprozessen“, sagt Manuel Frey. „Und bitte machen sie sich von dem Gedanken einer konkreten Gegenleistung frei: Wir verlangen danach keine konkreten materiellen oder immateriellen Arbeitsergebnisse." Die Ministerin betonte, dass „auch online erbrachte Leistungen einen Wert haben", und daher „auch Ausgaben für Technik unterstützt werden". 

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Innerhalb des geförderten Zeitraums können sich die Künstler inhaltlich mit dem Thema Corona und Krise auseinandersetzen, sie müssen es jedoch nicht. Ebenso können bereits vorher konzipierte oder begonnene Arbeiten anderen Inhalts im Förderzeitraum fortgesetzt werden. „Wir werden uns nun anschauen, wie das Angebot angenommen wird, und dann entscheiden, wie es danach weitergehen kann", sagt Barbara Klepsch. Zusätzlich will der Freistaat Musiker gesondert fördern und ein weiteres Programm auf den Weg bringen: eine Online-Plattform für Konzerte, die auch honoriert werden. Dafür stünden noch einmal zwei Millionen Euro zur Verfügung, so die Ministerin.  

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