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Görlitz

Corona: So helfen sich die Görlitzer

Zwei Görlitzer Frauen hatten die gleiche Idee. Und machen jetzt gemeinsame Sache, um Menschen in der Risikogruppe zu helfen. Und im Stau. Viele schließen sich an.

Carolin Renner und Jana Krauß gehören zu den Organisatoren der Corona-Hilfe Görlitz.
Carolin Renner und Jana Krauß gehören zu den Organisatoren der Corona-Hilfe Görlitz. © Nikolai Schmidt

Angefangen hatte es mit einem kleinen, eher privaten Facebook-Post. Jetzt ist Buchhändlerin und Grünen-Stadträtin Jana Krauß die Schaltzentrale für die Corona-Hilfe in Görlitz

Facebook-Post machte schnell die Runde

Zunächst hatte sie auf ihrer Facebook-Seite geschrieben, dass sie möglicherweise - je nachdem wie sich die Corona-Pandemie entwickelt - nicht mehr so oft in ihrer Buchhandlung beschäftigt sein werde oder das Geschäft gar für einige Zeit schließt. "Daher möchte ich gern Unterstützung für diejenigen anbieten, die zur Risikogruppe der Corona-Erkrankung gehören" schrieb sie. Für sie könne sie beispielsweise Einkäufe, Gänge zur Apotheke oder andere wichtige Erledigungen übernehmen. "Das hat schnell die Runde gemacht", erzählt Jana Krauß. Zumindest im Netz. 

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Etwa zur gleichen Zeit sagten die Engagierten Bürger, eine Görlitzer Initiative, ihre Putzaktion in Königshufen ab, die eigentlich für Sonnabend geplant war. Auch sie haben beschlossen, stattdessen Menschen, die zur Risikogruppe gehören, ihre Unterstützung anzubieten. "Ich hatte auch den Post von Jana Krauß gesehen", erzählt Carolin Renner, Bürgerrätin und Mitglied der Engagierten Bürger. 

So haben sich Jana Krauß und die Engagierten Bürger zusammengetan - in einer gemeinsamen Hilfsinitiative und einer Facebookgruppe: Corona-Hilfe Görlitz. Andere wie Mathias Fröck von der Linken oder auch Unternehmer Henning Scheinpflug haben sich bei der Organisation des Ganzen angeschlossen.  "Wir müssen das jetzt ein bisschen koordinieren", sagt Carolin Renner. Denn in kürzester Zeit waren zahlreiche Hilfsangebote von Görlitzern eingegangen. Auch, als der Grenzstau in und um Görlitz immer länger wurde am Mittwoch.

Kontakte möglichst gering halten

Die Organisatoren haben ein Google-Formular erstellt, das in der Facebook-Gruppe zu finden ist. Dort können Helfer neben ihren Kontaktdaten angeben, wann sie Zeit haben, welche Aufgaben sie übernehmen möchten und in welchem Stadtteil. Das sei ein wichtiger Punkt, erklärt Jana Krauß, übrigens promovierte Biochemikerin, dass die Aktionsradien und die Kontaktzahlen klein bleiben. 

Zahlreiche Görlitzer bieten bei der Corona-Hilfe auch Kinderbetreuung an. Obwohl seit Mittwoch die Schulen und Kitas sachsenweit zu sind - damit Kinder zu Hause bleiben und sich nicht in der Gruppe infizieren können. "Für viele Eltern ist die Situation jetzt aber wirklich schwierig", sagt Jana Krauß. Deshalb soll Kinderbetreuung  nicht ausgeschlossen sein, allerdings nur für einzelne Kinder, höchstens ganz kleine Gruppen.

Voller Supermarkt statt Kontakte meiden

Die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung variiere von Region zu Region, erklärt das Robert-Koch-Institut (RKI). Insgesamt aber hat das RKI am Dienstag die Gefährdung als "hoch" eingestuft. "Die Wahrscheinlichkeit für schwere Krankheitsverläufe nimmt mit zunehmendem Alter und bestehenden Vorerkrankungen zu", erklärt das RKI. 

Bislang war Jana Krauß noch für niemanden einkaufen. Das ist nun die andere Seite: an die Menschen heranzukommen, die Hilfe benötigen. "Ich glaube, das kommt jetzt erst", sagt sie. Aktuell, so ihr Eindruck, sind alle "eher noch verrückt beim Einkaufen. Was eher kontraproduktiv ist."

Denn dadurch gerade kommen  in den Supermärkten große Menschenmengen zusammen, statt Kontakte zu meiden. "So richtig scheint das Bewusstsein dafür noch nicht da zu sein", so Jana Krauß' Eindruck. Sie vermutet, dass  wird sich mit den Einschränkungen, die Bundesregierung und Bundesländer am Dienstag erlassen haben, ändern - und Hilfsangebote mehr gefragt sein werden. 

Wie an Hilfsbedürftige rankommen?

"Aber es bringt nichts, wenn wir das nur auf Facebook bekannt machen." Deshalb haben die Organisatoren der Corona-Hilfe Görlitz einen Flyer drucken lassen, mit allen Infos für die, die Unterstützung in Anspruch nehmen wollen. Ab Mittwoch werden sie ihn in der Stadt verteilen, in Supermärkten, Apotheken, Drogerien, Restaurants. All den Einrichtungen, die offen bleiben. 

Aktiv geworden sind die Görlitzer allerdings schon über die neue Facebookgruppe und haben Hilfe organisiert, als am Mittwoch der Grenzstau in und um Görlitz immer länger wurde. 

Auch andere bieten Unterstützung an

Der esta-Verein hatte schon zu Beginn der Woche  - wie viele andere Einrichtungen auch - alle Veranstaltungen und Gruppentreffs für die kommenden 14 Tage abgesagt. "Die dadurch freigewordenen Ressourcen wollen wir auch in Kooperation mit dem CVJM Landesverband Schlesische Oberlausitz e. V. nutzen, um Hilfe für Menschen in Ausnahmesituationen anzubieten", teilt Micha Seifert vom esta-Verein mit.

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"In Notfällen wäre das Erledigen von Einkäufen oder eine kurzfristige Kinderbetreuung im Jugendhaus Wartburg möglich." Das neue Bistro Wrapsodie auf der Luisenstraße hat sich ebenfalls zu einer zeitweisen Schließung entschlossen. Ihre Waren geben die Inhaber Eileen und René Alexander Mönich an die Tafel, der die Lebensmittel ausgegangen sind.

Esta-Verein: 03581/316150, zwischen 9 und 12 Uhr sowie von 13 bis 20 Uhr. 

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