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Zittau

Die Corona-Helfer aus Hirschfelde

Nach Zittau, Löbau und Oderwitz gibt es jetzt auch Hilfsangebote in Zittaus nördlichen Ortsteilen. Der Bedarf ist da, wie die vergangenen Tage gezeigt haben.

Doreen Roman und Alexander Sterz bieten in Hirschfelde Hilfe in der Corona-Krise an.
Doreen Roman und Alexander Sterz bieten in Hirschfelde Hilfe in der Corona-Krise an. © Rafael Sampedro

Die ersten Aufträge haben Alexander Sterz und Doreen Roman erledigt. Einer älteren Dame brachten die freiwilligen Helfer aus Hirschfelde beispielsweise das tägliche Mittagessen von der örtlichen Fleischerei. Da die Seniorin durch verschiedene Erkrankungen stark gefährdet ist und das Risiko einer Ansteckung mit dem Coronavirus vermeiden möchte, bat sie die Gruppe um Alexander Sterz um Hilfe.

Für den Ortschaftsrat war nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie schnell klar, dass er helfen will. Dafür sei er anfangs belächelt worden, erzählt Alexander Sterz. "Die Leute nehmen die Einschränkungen zwar hin, sehen aber noch nicht unbedingt die Notwendigkeit, um Hilfe zu bitten", meint er. Gerade auch in kleineren Orten. Erst wenn die Situation noch schlimmer werde und es noch mehr Corona-Infizierte in Zittau und Umgebung gebe, werde es ein Umdenken geben, glaubt Alexander Sterz.

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Wocheneinkauf für befreundete Familie

Dass Hilfe aber gebraucht werde, zeigte sich auch in Hirschfelde und seinen Nachbarorten schnell. So war eine befreundete Familie eines Gruppenmitgliedes vorsorglich in Quarantäne gegangen, weil die Tochter das Christian-Weise-Gymnasium besucht und es dort mehrere Verdachtsfälle gab. Weil sie deshalb nicht mehr das Haus verlassen durften, konnten sie auch nicht mehr einkaufen. Die Corona-Hilfe Hirschfelde war  sofort zur Stelle und besorgte die Lebensmittel. Auch für eine zweite Familie, die sich ebenfalls in Quarantäne befand, ging sie ebenfalls einkaufen.

Alexander Sterz und seine Mitstreiter wollen aber nicht nur beim Einkaufen helfen. Sie gehen bei Bedarf auch mit Hunden Gassi, übernehmen Behördengänge oder halten auch mal ein Schwätzchen - natürlich mit dem entsprechenden Mindestabstand.

Nachdem Alexander Sterz die Idee einer eigenen Hilfsgruppe in Hirschfelde kam, meldeten sich schnell weitere freiwillige Helfer. Der Kern der Corona-Hilfsgruppe aus Hirschfelde und Umgebung besteht derzeit aus fünf Leuten. Im Hintergrund stehen sieben bis zehn weitere Leute bereit, die bei Bedarf ebenfalls helfen würden. Noch ist der Bedarf nicht so groß, dass es ihre Unterstützung braucht. Aber das kann sich schnell ändern. Denn auch im Landkreis Görlitz ist die Zahl der Corona-Infizierten gestiegen.

1.200 Flyer in den Ortschaften verteilt

Die Lieferung des Mittagessens für die ältere Dame war dann der "erste wirkliche Auftrag". "Mehrere weitere Bewohner aus den Ortschaften haben mittlerweile Interesse an den Hilfsangeboten gezeigt", berichtet Alexander Sterz. Das hängt auch damit zusammen, dass die Corona-Helfer aus Hirschfelde in den vergangenen Tagen rund 1.200 Flyer in Hirschfelde und den Nachbarorten verteilt haben. Nun wissen noch mehr Leute von den Hilfsangeboten und können sie letztlich auch in Anspruch nehmen. 

Zuvor hatte die Hilfsgruppe vor allem über die sozialen Netzwerke für sich geworben. Alexander Sterz ist sich aber bewusst, dass viele Senioren in den Ortschaften keine Mail oder einen Zugang zu sozialen Netzwerken haben. Deshalb sei die Werbung per Flyer wichtig gewesen, ist sich der Hirschfelder sicher.

Es ist nur eine Notversorgung

Melden können sich Interessenten telefonisch, per Mail oder über WhatsApp. Den Helfern muss dabei nur mitgeteilt werden, was gebraucht wird und wo die Hilfe gebraucht wird. Die Auftraggeber sollten aber nicht erwarten, dass die Helfer zum Beispiel bestimmte Markenprodukte einkaufen. Das sei angesichts der aktuellen Situation nicht leistbar, so Sterz. "Wir nehmen, was in den Märkten erhältlich ist", erklärt der Hirschfelder. Es handele sich ja auch um eine Notversorgung, fügt er hinzu.

Gleich für mehrere Leute gleichzeitig einzukaufen, ist angesichts der Abgabebeschränkungen in vielen Zittauer Supermärkten gar nicht so einfach. Alexander Sterz hatte deshalb die Stadt Zittau um Unterstützung gebeten, damit die Helfer Sondergenehmigungen erhalten, dass sie von den Abgabebeschränkungen ausgenommen sind. Die wird es aber leider nicht geben, dass es ein nicht leistbarer organisatorischer Aufwand wäre, alle Helfer in Zittau und den Ortschaften mit derartigen Sondergenehmigungen auszustatten. Und so müssen Alexander Sterz und seine Helfer weiter hoffen, dass die Supermärkte kulant sind und bei Bedarf auch zum Beispiel mal eine zweite Packung Toilettenpapier abgeben.

Barzahlung ist noch ein Problem

Wichtiger als die Sondergenehmigungen ist Alexander Sterz aber, dass seine Helfer alles tun, um sich selbst und auch die Auftraggeber zu schützen. Deshalb müssen sie vor ihrem ersten Einsatz auch eine Internet-Schulung absolvieren, für die sie auch ein Zertifikat erhalten. Ohne dieses Zertifikat ist ein Einsatz nicht möglich.

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Die eingekauften Waren übergeben die Helfer in Einwegbeuteln, die sie in den Supermärkten erhalten. Diese Beutel werden den Hilfesuchenden vor die Haustür gestellt. Mit dem entsprechenden Abstand können sie diese dann übernehmen. Derzeit haben die Helfer noch ein Problem: Die Bezahlung erfolgt in Bar, das Geld wird in einem Umschlag übergeben. "Wir haben noch keine bessere Lösung gefunden", sagt Sterz. Aber auch daran arbeitet er noch.

Kontakt: 01520/9844486 (Alexander Sterz)

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