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Zittau

Corona-Helfer gehen getrennte Wege

In Zittau gibt es nun zwei Hilfsgruppen. Ein Auto ist dafür ein Grund gewesen.

Jan Krüger ist nicht mehr in der Gruppe "Corona Hilfe Zittau" aktiv, er hat nun eine zweite Gruppe gegründet.
Jan Krüger ist nicht mehr in der Gruppe "Corona Hilfe Zittau" aktiv, er hat nun eine zweite Gruppe gegründet. ©  Archivfoto: Matthias Weber

Angesichts der anhaltenden Corona-Pandemie und immer mehr Infizierten im Landkreis Görlitz gibt es auch immer mehr freiwillige Helfer, die Menschen in dieser schwierigen Situation unterstützen wollen. Auch in Zittau hatte sich schnell eine Helfergruppe formiert. Eigentlich sollte dort die Hilfe im Vordergrund stehen. Das scheint aber nicht der Fall zu sein. Denn nun gibt es in Zittau eine weitere Hilfsgruppe. 

Hinter dieser steht Jan Krüger, der schon bei der ersten Gruppe sehr aktiv war. Doch er war wohl einigen zu aktiv. Jasmin Kumar, Gründerin der "Corona Hilfe Zittau", hat die Zusammenarbeit mit ihm jedenfalls beendet. Diese Entscheidung sei niemandem leicht gefallen, sei aber dennoch notwendig gewesen, begründet die 26-Jährige den Schritt innerhalb der Gruppe.

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Niemand will sich privat bereichern

Anlass ist wohl ein Beitrag von Jan Krüger, in dem er bat, ihm ein Auto zu borgen. Ihm wurde daraufhin unterstellt, sich selbst bereichern zu wollen. Es sei darum gegangen, mit dem Fahrzeug wichtige Materialien zu den Helfern bringen zu können, begründet Krüger den besagten Beitrag. "Dies wurde wohl so verstanden, dass ich mich hätte bereichern wollen", so der 39-Jährige. Er verstehe nicht, wie man seine Anfrage so auslegen und als Ursache für die Unstimmigkeiten nennen könne.

Jasmin Kumar und die anderen Moderatoren der "Corona Hilfe Zittau" distanzierten sich nach der Veröffentlichung ganz klar von dem Beitrag ihres Gruppenmitgliedes. "Niemand von uns will sich durch die Gruppe privat bereichern", betonen sie in ihrer Stellungnahme. "Das war nie der Grundgedanke und wird es auch nicht werden."

Das ist aber nicht der alleinige Grund für die Trennung von Jan Krüger gewesen. Man habe danach das Gespräch gesucht und Absprachen getroffen, gegen die keine Stunde danach wieder eindeutig verstoßen wurde, heißt es weiter in der Begründung. Deshalb habe man sich gezwungen gesehen, die Zusammenarbeit mit dem 39-Jährigen zu beenden, erklärt Jasmin Kumar den Schritt der anderen Mitglieder. "Wir möchten nochmal ganz klar und deutlich zu Wort bringen, dass es uns nicht darum geht, uns als Privatpersonen zu bereichern", fügt Jasmin Kumar hinzu. "Und das mir dieses ganze Chaos, sowie allen anderen fleißigen Helfern im Hintergrund, unglaublich leid tut."

Sicherheit und Gesundheit der Helfer wichtig

Jan Krüger will sich davon nicht aufhalten lassen. Er gründete nun die zweite Helfergruppe "Corona Hilfe Zittau und Umland". "Es gibt Menschen, die die Hilfe unseres Helfernetzwerkes benötigen. Und da zu vermitteln und zu organisieren, ist eine meiner vorrangigen Aufgaben, denen ich meine Zeit widme", teilt er auf SZ-Nachfrage mit. Er wolle seine Zeit nicht mit irgendwelchen sinnlosen Zickereien oder Ego-Spielchen verschwenden. Dafür sei einfach nicht die Zeit, findet der 39-Jährige. "Wir haben eine absolute Ausnahmesituation für alle in Deutschland und ich muss und möchte mich darauf konzentrieren, dass Hilfe bei denen ankommt, die sie dringend brauchen." Es sei ihm immer nur darum gegangen, Menschen effektiv, strukturiert und koordiniert zu helfen. "Wo ich keine Kompromisse kenne, ist die Sicherheit der Helferinnen und Helfer sowie unserer Hilfesuchenden. Als Feuerwehrmann a. D kann und will ich die Gesundheit der ehrenamtlich Tätigen und der Hilfesuchenden nicht riskieren", erklärt Krüger. Die neue Gruppe sei nach seiner Aussage nur entstanden, um ein klares Zeichen zu setzen, dass die Hilfe weiter geleistet werde.

Keine Sondergenehmigungen

Das Team der "Corona Hilfe Zittau", der zuerst gegründeten Gruppe, distanziert sich nach eigenen Worten ganz deutlich von dem neuen Netzwerk. Man wolle hier weiter machen wie gehabt, so die Versicherung. Neben Beiträgen in der Facebook-Gruppe könne jeder auch Hilfsangebote im Treppenhaus bekannt machen, fordert Jasmin Kumar die Gruppenmitglieder auf.

Helfen müssen sowohl die "Corona Hilfe Zittau" wie auch die "Corona Hilfe Zittau und Umland" ohne Sondergenehmigung der Stadt Zittau. Die Bescheinigungen waren dafür gedacht, keine Probleme mit Polizei oder Ordnungsämtern wegen der bestehenden Ausgangsbeschränkungen zu bekommen und auch für mehrere Leute, die Hilfe benötigen, einkaufen zu können. Denn in den meisten Supermärkten in der Stadt gibt es inzwischen Abgabebeschränkungen auf einzelne Lebensmittel und Hygieneartikel. Schon aus rechtlichen Gründen könne die Stadt Zittau die Helfer nicht mit Sondergenehmigungen oder Ähnlichem ausstatten, informiert Oberbürgermeister Thomas Zenker (Zkm) die Gruppe "Corona Hilfe Zittau und Umland". 

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Das trifft ebenfalls die Corona-Helfer aus Hirschfelde, die auch wegen Sondergenehmigungen bei der Stadt Zittau angefragt hatten. "Aus diesem Grund gehen wir wohl dazu über, dass wir eher die örtlichen Geschäfte Hirschfelde, Dittelsdorf und Schlegel nutzen werden. Dort ist das Angebot noch sehr gut und es gibt dort noch nicht so strickte Vorgaben", sagt Alexander Sterz, Gründer der Hirschfelder Helfergruppe.

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