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Ein Corona-Fall im Hort Roßwein

DRK und Gesundheitsamt testen Hunderte. Mindestens 14 Roßweiner sind nach einem Nachweis am Sonnabend ins Amt bestellt.

Zwei Krisenherde gibt es in Mittelsachsen. Vorsicht ist deshalb geboten.
Zwei Krisenherde gibt es in Mittelsachsen. Vorsicht ist deshalb geboten. © dpa-Zentralbild

Roßwein/Mittelsachsen. Massentests laufen derzeit in Augustusburg, nachdem sich dort nach der Infektion einer Lehrerin weitere zwei Erwachsene und 22 Schüler angesteckt hatten. Jetzt werden auch Roßweiner auf Sars-CoV-19 getestet. Wie André Kaiser, Sprecher des Landratsamtes Mittelsachsen, am Nachmittag ankündigte.

Einen positiven Corona-Test bei einer Erzieherin des Hortes in Roßwein habe eine Hausärztin dem Gesundheitsamt gemeldet. Die Hortleitung habe sich daraufhin sofort mit den Eltern der 13 von ihr betreuten Kinder in Verbindung gesetzt, heißt es. Am Sonnabendvormittag erfolgen die Abstriche im Gesundheitsamt in Mittweida, wie Kreissprecher Kaiser sagte. Mit den Ergebnissen wird am Montag gerechnet.

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Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) habe erst am Nachmittag von dem Fall in der Roßweiner Einrichtung erfahren. Er habe bislang nur klären können, dass die Kinder aus der Gruppe der infizierten Erzieherin am Montag keinesfalls in die Grundschule kommen dürften. „Alle anderen Maßnahmen werden dann abgestimmt, wenn die Testergebnisse vorliegen“, sagte er Sächsische.de am frühen Abend. Er erklärte, keine weiteren Informationen zu haben. Aber auf der Homepage der Stadt Roßwein äußert Lindner: "Durch die separierte Beschulung beziehungsweise Betreuung im Hort ist momentan davon auszugehen, dass sich der Personenkreis nur auf die jetzt betroffene Kindergruppe und 2 Erwachsene bezieht, welche die Kinder unterrichteten und im Hort betreuten." Demzufolge dürfte auch die Lehrerin zu den zu testenden Personen gehören. Informationen von Sächsische.de zufolge betrifft das die Klassenstufe 1. Lindner appelliert an die Roßweiner, "dringend die aktuellen Hygieneregeln weiterhin gewissenhaft anzuwenden und schon auf kleinste Symptome, wie Husten oder Fieber, zu achten".

284 Fälle in Mittelsachsen

An das Sozialministerium meldete der Landkreis Mittelsachsen am Freitag 283 Fälle, die Infektion aus Roßwein wird erst am Sonnabend in dieser Statistik genannt.

Landrat Matthias Damm (CDU): „Anlässlich des nun zweiten Falls in einer Gemeinschaftseinrichtung appelliere ich an die Bevölkerung, die Hygieneregeln anzuwenden und schon auf kleine Symptome, wie Husten oder Fieber, zu achten. Das Ziel ist, mit der schnellen Reaktion des Gesundheitsamtes die Verbreitung mit unseren Möglichkeiten zu minimieren.“

Massentests in Augustusburg

Die Tests in Augustusburg gehen weiter. Auf Wunsch der Stadtverwaltung werden am Freitag sowie am Montag auch die Mitarbeiter der beiden Senioreneinrichtungen der Stadt getestet. Darüber informierte Bürgermeister Dirk Neubauer: „Wir haben darum gebeten“, äußerte er sich. Die Tests seien prophylaktisch.

Wie stark das Virus die Stadt getroffen hat, werde sich erst am Montag oder Dienstag zeigen, wenn die weiteren Testergebnisse auch aus den Seniorenhäusern vorliegen, sagte Neubauer. Die für Dienstag geplante Sitzung des Stadtrates hat Neubauer vorsorglich auf den 30. Juni verschoben.

Lehrer sind gesund

Eine gute Nachricht hatte Dirk Neubauer am Donnerstagabend noch für seine Stadt. Die Tests, die bei den knapp 20 anderen Lehrern des Regenbogen-Gymnasiums durchgeführt worden sind, waren alle negativ. Trotzdem ist die Lage in der Stadt weiter angespannt. Neubauer ermahnte seine Bürger angesichts der aktuellen Situation, besonders jetzt auf die Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu achten. Erst vor kurzem habe er jemanden ohne Mund-Nasen-Schutz gesehen. „Das geht im Moment gar nicht.“

Von 200 Tests liegt das Ergebnis am Freitagnachmittag vor: Demnach sind 25 Personen in Verbindung mit dem Gymnasium positiv auf das Coronavirus getestet worden: Die Lehrerin, zwei Erwachsene und 22 Schüler, die aber symptomfrei seien, so Kreissprecher André Kaiser. Am Montag würden die Tests fortgeführt. Wie Amtsärztin Dr. Annelie Jordan sagte, seien manche der Kontaktpersonen unsicher, wann und wie intensiv das letzte Treffen mit den Kindern und Jugendlichen stattfand. Deshalb werde großzügig getestet.

Am Freitag unterzogen sich laut Kreissprecher André Kaiser weitere etwa 300 ermittelte Kontaktpersonen dem Abstrich. Diese führten Mitarbeiter des Gesundheitsamtes sowie Mitglieder des DRK-Kreisverbandes Döbeln-Hainichen durch.

Gesundheitsamt und DRK im Einsatz

Von Seiten des DRK sind fünf Ehrenamtliche aus dem Bereich Katastrophenschutz im Einsatz, informierte René Illig, Leiter Soziale Dienste beim DRK. Während der Untersuchung der Verdachtspersonen tragen sie Vollschutz. Schutzausrüstung sei genügend vorhanden. „Das ist schon eine besondere Aufgabe, die wir nicht jeden Tag haben“, sagte Illig. Doch das Team sei gut auf diese vorbereitet. „Wir haben uns schon vor Wochen mit dem Thema beschäftigt“, erklärte Illig.

Die Abläufe vor Ort würden vom Gesundheitsamt organisiert. Am Donnerstag seien die Betroffenen zeitlich terminiert getestet worden. Durchgeführt wird bei den zu Testenden ein Rachenabstrich. „Das ist unkompliziert und geht schnell“, so Illig. Landrat Matthias Damm zeigt sich dankbar für die Hilfe des DRK-Kreisverbandes. „Ein solcher Testumfang wäre mit eigenem Personal nicht zu stemmen“, sagte er. „Wir haben einen lokalen Ausbruch und möchten ihn mit allen Mitteln minimieren“, so Amtsärztin Jordan.

Viele Bürger in der Stadt sind offenbar verunsichert und melden sich sowohl beim Bürgermeister als auch beim Landratsamt über die Corona-Hotline. Bei der Stadtverwaltung habe es viele Anrufer gegeben, die meinten, auch sie hätten Kontakt zu den Betroffenen gehabt. Doch Neubauer beruhigte in seiner Videoansprache am Donnerstagabend: „Wenn ihr nicht vom Gesundheitsamt kontaktiert worden seid, dann seid ihr nicht dabei. Das Gesundheitsamt ermittelt sehr aufwendig die relevanten Kontakte.“

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