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Pirna

Corona: Hoteliers wollen lieber schließen

Hotels dürfen noch geöffnet sein, aber die Gäste bleiben aus. Herbergsbetreiber fordern daher einen klaren Schnitt - lieber jetzt als später.

Ralf Thiele, Geschäftsführer der Pura Hotels GmbH: "Diese Hingezappel bringt gar nichts."
Ralf Thiele, Geschäftsführer der Pura Hotels GmbH: "Diese Hingezappel bringt gar nichts." © Daniel Schäfer

Hinter den Herbergsbetreibern in der Sächsischen Schweiz liegt eine Woche der widersprüchlichen Entscheidungen. Erst hieß es, Gaststätten sollen schließen, Hotels aber dürfen offen bleiben. Dann durften auf einmal beide weiter öffnen, wenn auch eingeschränkt. Doch auch das ist nun hinfällig, ab Sonntag werden die Lokale wieder dicht gemacht. Dieses Hickhack stößt bei vielen auf Unverständnis, es macht sie teilweise richtig wütend. Sie fordern daher jetzt einen klaren Schnitt - und damit eine einheitliche Regelung. Ihre Sicht auf die Dinge und wie es ihnen geht - erzählt an mehreren Beispielen.

Pura Hotels GmbH, Bad Schandau

Ralf Thiele steht allein im leeren Restaurant des Parkhotels in Bad Schandau, Gäste sind so gut wie keine mehr da. Thiele ist Geschäftsführer der Pura Hotels GmbH, die Gruppe betreibt Hotels und Gaststätten in Krippen, in Bad Schandau, im Kirnitzschtal. Die öffentlichen Restaurants im Forsthaus und im Parkhotel wird er nun schließen, die Hotels dürfen vorerst offen bleiben. Für den Schutz der Hotelgäste zu sorgen, ist nicht das Problem. Die Tische lassen sich zwei Meter auseinanderstellen, das Personal umschwirrt die Gäste nicht mehr als nötig. 

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Doch darin liegt auch ein Problem: Solange die Hotels offen sind, muss auch Personal da sein. Viele Mitarbeiter haben aber derzeit familiäre Verpflichtungen, aber Beschäftigte an der Rezeption und im Restaurant können schlecht im Homeoffice arbeiten. "Es ist gerade nicht leicht, um Verständnis zu werben", sagt Thiele.

Darüber hinaus stört ihn die ungleiche Regelung. "Das Hingezappel bringt gar nichts", sagt er. Thiele hat daher dem Landratsamt und dem Dehoga empfohlen, auch die Hotels zeitnah schließen zu lassen. Es sei wenig sinnvoll, die Häuser noch länger offen zu halten, Reisende kämen ohnehin kaum noch. Es sei wichtig, sagt Thiele, jetzt Zeit zu gewinnen. Die Saison sei noch nicht gestartet, daher wäre es besser, jetzt Kraft zu tanken und den Betrieb vielleicht nach Ostern wieder hochzufahren. Gaststätten und Hotels sollten angesichts der derzeitigen Lage nicht unterschiedlich behandelt werden.

Brückenschänke, Sebnitz

Für das Hotel "Brückenschänke" in Sebnitz sind keine guten Zeiten angebrochen. Ein Anruf folgt auf den anderen, zumeist Absagen. Wegen der Reiseverbote kommt keiner mehr, die Betreiber wollen auch selbst das Haus nicht mehr unnötig lange offen halten. "Es bringt ja nichts, wenn wir jetzt weitervermieten und uns vielleicht noch die Krankheit ins Haus holen", sagt Inhaberin Barbara Motz. Die Schutzauflagen, sagt sie, ließen sich auch nur schwer umsetzen. Natürlich kann sie die Zahl der Tische dezimieren und auseinanderrücken. "Aber soll ich dann für vier Tische noch Personal hinstellen?", fragt sie. Das sei ohnehin schon schwierig, viele Angestellte müssen derzeit ihre Kinder betreuen. Die Anträge auf Kurzarbeitergeld hat sie vorsichtshalber schon ausgefüllt. 

Die Zimmer hat Barbara Motz, auch wenn gerade gästefrei ist, dennoch herrichten lassen, vielleicht werden sie ja gebraucht als Notquartier, für Pflegedienste, für ältere Menschen, die betreut werden müssen.

Viele Gäste buchen auf später um. "Wir hoffen, dass es uns dann noch gibt", sagt die Inhaberin. Die wirtschaftliche Lage ist jetzt schon kritisch, Altersarmut droht. "Aber wir wollen nicht verzweifeln", sagt sie. Sie hoffe, dass der Freistaat den Wert des Mittelstandes erkenne und es Hilfe für kleine Betriebe gebe.

Basteihotel, Lohmen

Die Bastei, einer der Touristen-Magneten in der Region, ist trotz der warmen Frühlingssonne am Donnerstag nahezu verwaist. Kein einziger Reisebus steht auf dem Parkplatz. Das Panorama-Restaurant ist geschlossen, der Hotelbetrieb heruntergefahren. Inhaberin Petra Morgenstern führt durch einen Diensteingang in die Küche. Das Kühlhaus ist abgetaut, ein Mitarbeiter putzt die Fliesen. Der Küchenchef sitzt im Büro, statt am Herd zu stehen. Dort, wo sonst 20 Mitarbeiter pro Schicht wuseln, steht nur noch ein einzelner Topf auf der Kochfläche - Kassler mit Klößen für ein paar Geschäftsreisende im Hotel. "Für uns ist das eine Katastrophe", sagt Petra Morgenstern, die das Haus gemeinsam mit ihrem Sohn führt. Für die 120 Angestellten hat sie Kurzarbeit beantragt, allein die Lohnkosten lägen bei einer Viertelmillion Euro im Monat.

Küche im Restaurant des Basteihotels: Nur noch ein Kochtopf auf dem Herd.
Küche im Restaurant des Basteihotels: Nur noch ein Kochtopf auf dem Herd. © Dirk Schulze

Kräuterbaude, Saupsdorf

Auch Heiko Hesse, Inhaber der Kräuterbaude in Saupsdorf, hätte es lieber gesehen, Gaststätten und Hotels gleichermaßen zu schließen. Der Schritt des Landratsamtes, die Restaurants dicht machen zu lassen, sei schon ein Schritt in die richtige Richtung gewesen. 

Dass anschließend die Landesregierung wieder alles kippt und die Gaststätten eingeschränkt öffnen ließ, schmeckt Hesse überhaupt nicht. "So hat man doch wieder Hotspots für den Coronavirus geschaffen", klagt er. Wer komme außerdem früh ab 6 Uhr in eine Gaststätte im ländlichen Raum, wer gehe nachmittags 17 Uhr zum Abendbrot? Derzeit gäbe es ohnehin kaum noch Gäste, weil landesweit doch längst eine Stornierungswelle eingesetzt habe. 

Hesse ist der Ansicht, dass man wenigstens den Landräten die Freiheit zugestehen sollte, für die jeweiligen Zuständigkeiten Erlasse und Regeln aufzustellen. "Hier hat das Krisenmanagement des Freistaates Sachsen so richtig Mist gebaut", sagt er.

Inzwischen steht aber fest: Das Land lässt nun doch alle Gaststätten schließen, für Hotels aber gibt es noch keine eindeutige Regelung. "Ich hätte es lieber gesehen, wenn es einheitliche Vorschriften gegeben hätte", sagt Hesse.

Pension "Am Weinberg", Mittelndorf

Christina Nehls von der Gaststätte und Pension "Am Weinberg" in Mittelndorf hat ihre Gaststube ausgeräumt zum Renovieren und alle verderblichen Vorräte weggegeben - als es seitens des Landratsamtes hieß, alle Gaststätten müssten schließen. Kurz darauf gestattet das Land allerdings, dass Restaurants eingeschränkt weiter öffnen dürfen.

Ihr nützt das allerdings nichts. "Unser Geschäft fällt trotzdem komplett weg", sagt sie. Den wesentlichen Teil des Umsatzes erwirtschaftet sie mit dem Abendessen und den Übernachtungsgästen in der Pension. Mehr noch: Wie viele andere Gastwirte befürchtet sie, dass es nur bei behördlich veranlasster Schließung einen Anspruch auf Entschädigung gibt. Christina Nehls hält es für sinnvoller, Gaststätten und Herbergen einheitlich zu schließen - vor allem, um die Gesundheit zu schützen und die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen.

Finanziell sei die Situation in der Tourismusbranche ohnehin angespannt. Nach dem umsatzarmen Winter, in dem viele kleinere Herbergen sowieso geschlossen haben, sollte jetzt die neue Saison starten. "Wir stehen mit dem Rücken zur Wand", sagt Christina Nehls.

Was sagt der Dehoga?

Auch Thomas Pfenniger vom Branchenverband Dehoga in der Sächsischen Schweiz plädiert für eine behördlich verordnete Komplettschließung – zum Schutz der Allgemeinheit. "Wie sollen die Kellner denn ein Essen servieren und dabei den Sicherheitsabstand von 1,50 Meter einhalten?", fragt er.

Doch von sich aus schließen können die Gaststätten und Hotels nicht – der Dehoga warnt seine Mitglieder sogar davor. Wer ohne behördliche Anordnung schließt, verwirkt seinen Anspruch auf Kurzarbeitergeld für die Angestellten. Zur Not sollten die Wirte einen provisorischen Straßenverkauf mit Bockwürsten einrichten, empfiehlt Pfenniger.

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