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Corona: In Liberec fehlt der Atemschutz

Weil die tschechische Regierung versagt hat, geht die Region nun ihren eigenen Weg - und sucht Freiwillige zum Nähen von Masken. Derweil herrscht Ausgangssperre.

Von Thomas Christmann & Petra Laurin
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Symbolbild
Symbolbild © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

Die Region Liberec sucht Freiwillige, die beim Nähen von fehlenden Atemschutzmasken helfen. Um das Material für die Schutzmittel mit Nanotechnologie kümmert sich die Liberecer Technische Universität. "Wir brauchen die Masken dringend für das Gesundheitspersonal, Sozialdienste, Polizei und Feuerwehr, aber auch Verkäufer und Fahrer im öffentlichen Verkehr", sagte Bezirkshauptmann Martin Puta. 

Die Sicherstellung der Schutzmittel ist nach seiner Aussage etwas, was der tschechischen Regierung wirklich nicht gelang. "Deswegen gehen wir nun unseren eigenen Weg", sagt er. Der Vorrat der Region langt nur für zwei Tage aus, eine neue Lieferung hat der Staat erst für Ende der Woche versprochen.

Bis zu 10.000 Stück Vorhänge könnten in den nächsten Tagen von der Technischen Sekundarschule für Textilien in Liberec hergestellt werden. Lehrer und Schüler haben sich an die Maschinen gesetzt und zu nähen begonnen. Dabei helfen auch Kollegen aus anderen Fächern. "Einige mögen nicht nähen, sie helfen dann beim Bügeln", erklärt Leiterin Jana Koci dem Portal drbna.cz. Es sind 16 Schüler und Lehrer vor Ort. Natürlich beachten auch hier alle die Hygienevorschriften und tragen Masken. "Ich war überrascht, wie viele Menschen kommen und helfen wollen", sagt sie. Die Schulleitung muss jetzt sogar einigen absagen. Das Material ist zu 100 Prozent aus Baumwolle. Die Schule hatte es nicht auf Lager, konnte es aber am Sonntag aus Tanvald importieren - finanziert von der Region Liberec. Jan Koci braucht ungefähr drei Minuten, um eine Maske herzustellen, der Durschnitt braucht etwa sechs Minuten. Aber mit der Zeit würden alle besser, dann gehe es schneller, sagt sie.

Landesweite Ausgangssperre

Die Hausärzte haben nun die Pflicht, der Hygiene-Station in Liberec die Listen mit Personen zu schicken, die sich wegen Reisen in Risikogebiete in Quarantäne befinden. "In öffentlichen Verkehrsmitteln dürfen Reisende nicht durch die vordere Tür ein- und aussteigen und die Fahrer werden auch keine Fahrkarten verkaufen", informierte Filip Trdla, Sprecher der Region nach der Sonntagssitzung des Krisenteams. Die Busse und Züge fahren laut Ferienplan. Gesperrt sind auch alle Parkplätze im Isergebirge, weil sich dort die Menschen konzentriert haben. Der Grenzübergang Petrovice–Lückendorf ist seit Montag für die Pendler wieder geöffnet, täglich von 5 bis 23 Uhr.

Die Region Liberec hat inzwischen schon drei positive Fälle. Eine 59-jährige Frau aus Jablonec nad Nisou und zwei Männer, Vater und Sohn (1953 und 1991) aus Rychnov nad Nisou (Reichenau an der Neiße). Alle mit der gleichen Anamnese – sie kehrten vor kurzem aus Skiurlaub in Italien zurück. Im ganzen Land wurden 293 Fälle bestätigt.

Seit Montag gilt in Tschechien wegen der Coronavirus-Epidemie eine landesweite Ausgangssperre. Das hat die Regierung auf ihrer jüngsten Sitzung beschlossen. Die Menschen müssen zu Hause bleiben. Erlaubt bleiben nur Fahrten zur Arbeit, zum Arzt, zur Apotheke und notwendige Lebensmitteleinkäufe. Die Bürger dürfen das Haus auch verlassen, um Kinder, Ältere und Hilfsbedürftige zu betreuen. Aber nur, wenn sie nicht aus Risikoländern gekommen sind. Für Altenheime und stationäre Abteilungen in Krankenhäusern gilt zum Schutz von Risikogruppen ein allgemeines Besuchsverbot.

In Tschechien herrscht Notstand. Alle Grundschulen, Gymnasien, weiterführende Schulen und Universitäten in Tschechien sind zu und die Lehrer dazu angehalten, den Unterricht nach Möglichkeit virtuell oder anderweitig zu halten. Die Maßnahme gilt bis zum Widerruf.

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