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Ohorn: Drei Millionen Schutzmasken im Monat

Die Firma PHB startet den Probelauf für die automatisierte Produktion von sterilem Mundschutz. Sie denkt dabei auch an den Fall einer zweiten Corona-Welle.

Näherin Ramona Jentzsch kontrolliert Schutzmasken, die aus der neuen Anlage in Ohorn kommen.
Näherin Ramona Jentzsch kontrolliert Schutzmasken, die aus der neuen Anlage in Ohorn kommen. © Matthias Schumann

Ohorn. Die Firma Pulsnitzer Hygiene Berufsbekleidung (PHB) mit Sitz in Ohorn  reagiert auf die Corona-Situation. Das Unternehmen hat jetzt den Probelauf für eine automatisierte Produktion von medizinischem Mund-Nasen-Schutz gestartet. Künftig sollen monatlich drei Millionen sterile Schutzmasken vom Band laufen. So will die Firma dazu beitragen, dass Deutschland bei diesen Produkten unabhängig von den asiatischen Märkten wird. 

"Wir investieren dafür mehr als eine Million Euro. Die erste Produktionslinie ist fertig, die zweite ist in Planung", erklärt PHB-Geschäftsführer Alfred Wippermann. Im Gebäude einer ehemaligen Bandweberei entstanden hochmoderne Reinräume, um die sterile Produktion zu ermöglichen. Die Mitarbeiter müssen durch eine Schleuse, dort die Schutzkleidung anlegen, bevor sie in den eigentlichen Produktionsraum gelangen. "Maximal fünf Personen dürfen dort arbeiten, um die Anlage zu bedienen", erklärt Alfred Wippermann.   

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PHB-Geschäftsführer Alfred Wippermann freut sich, dass die neue Anlage in Ohorn den Probebetrieb aufnehmen konnte.
PHB-Geschäftsführer Alfred Wippermann freut sich, dass die neue Anlage in Ohorn den Probebetrieb aufnehmen konnte. © Matthias Schumann

Die Installation der Anlage erforderte erhöhten Aufwand und technisches Geschick. Lieferant ist der bayrische Sondermaschinenhersteller PIA Automation aus Amberg, der bereits Unternehmen wie BMW, Daimler oder Porsche mit ähnlichen Produktionslinien ausgestattet hat, als diese eine eigene Maskenherstellung aufnahmen. In den Aufbau des Reinraumes, der zwei Wochen dauerte, waren auch mehrere Dienstleister aus der Ohorner Region eingebunden. Dennis Hieronymi, Diplomingenieur für physikalische Medizintechnik, half beim Aufbau der Anlage mit. Er war auch beim Probelauf dabei und sah sich die einzelnen Stufen der vollautomatischen Linie genau an. Nur ganz selten musste er eingreifen. 

Die medizinischen OP-Masken, die PHB produziert, befinden sich derzeit im Zertifizierungsprozess. "Jede Maske besteht aus drei Lagen Spezial-Vliesstoff, der sowohl die Filterfunktion gewährleistet, als auch den Träger vor dem Eindringen von Flüssigkeit schützt. Die Lieferanten für den Vliesstoff kommen aus dem Vogtland sowie aus Sachsen-Anhalt", erklärt Alfred Wippermann. 

Wenn die Masken zertifiziert sind und die Anlage den Probebetrieb bestanden hat, können täglich rund 48.000 Masken das Band verlassen - vorausgesetzt, es wird in zwei Schichten gearbeitet. "Derzeit lernen wir gerade die Mitarbeiter für die zweite Schicht an", blickt Alfred Wippermann optimistisch in die Zukunft. Ausgeliefert wird in Spenderboxen mit je 50 Masken oder in großen Kartons mit je 2.000 Masken. Mit der neuen Anlage wurden auch vier weitere Mitarbeiter eingestellt. 

Zweiter Reinraum in Planung

Doch das ist nicht der einzige Blick nach vorn. Ein zweiter Reinraum ist in Planung, gleich neben dem ersten. Dort könnte eine weitere Produktionslinie aufgebaut werden. "Das hängt allerdings von der Auftragslage ab", so Wippermann. Er rechnet im nächsten Halbjahr mit einer Entscheidung. 

Der Vertrieb der Masken läuft über Güldi-Moden aus Oberfrohna, wo Wippermann seit 2018 ebenfalls als Geschäftsführer agiert. Das Unternehmen, eine Schwesterfirma von PHB, liefert seine Produkte in ganz Deutschland aus. In beiden Unternehmen fertigen 43 Mitarbeiter Berufsbekleidung für Kliniken, Pflegeheime und Unternehmen der Lebensmittelindustrie. Sie bringen jährlich rund eine Million Kleidungsstücke, insbesondere Mehrweg-OP-Bekleidung, auf den Markt. "Wir nutzen die Vertriebswege und die Kontakte von Güldi-Moden dann auch für die Masken aus Ohorn", erklärt Carola Trepte, Geschäftsleitung Vertrieb.

Der Verband der Nord-Ostdeutschen Textil- und Bekleidungsindustrie (vti) verweist auf die strategische Bedeutung der Maskenproduktion in Ohorn. "Viele unserer Textil- und Bekleidungshersteller haben binnen kürzester Zeit auf die Herausforderungen der Corona-Pandemie reagiert. Die Firma PHB gehört mit dazu", so Jenz Otto, Hauptgeschäftsführer des Verbandes. Dazu kommt, dass sich das Ohorner Unternehmen in einem Gebäude angesiedelt hat, dass auf eine Tradition in der Textilindustrie verweisen kann. 

Unabhängig von asiatischen Märkten

Otto blickt auch auf das Corona-Konjunkturpaket der Bundesregierung, in dem festgeschrieben ist, dass der Bund eine nationale Reserve an persönlicher Schutzausrüstung aufbauen will. "Dies muss jedoch auch dezentral in den medizinischen Einrichtungen und beim Katastrophenschutz der Länder erfolgen", so Jenz Otto. Die Firma PHB könne dann mit dafür sorgen, dass genügend Ausrüstung vorhanden ist. "Das Unternehmen hat in einer staatlichen Notlage viel Geld in die Hand genommen, weil es notwendig erschien", erklärt Otto. 

Dazu ergänzt Thomas Rechentin, Amtschef im sächsischen Innenministerium, dass das Land im Falle einer Pandemie unabhängiger von asiatischen Märkten sein und selbst dafür sorgen muss, dass Ärzte, Gesundheitsämter, Rettungs- und Pflegekräfte mit Schutzausrüstung ausgestattet werden.   

Wann die Produktion tatsächlich starten kann, hängt von der Zertifizierung und letzten Arbeiten in den Räumen ab. "Wir wollen gerüstet sein, falls es eine zweite Corona-Welle gibt", fasst Alfred Wippermann zusammen.      

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