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Corona im Urlaub: Bloß schnell weg hier

Tausenden deutschen Touristen im Ausland wurden die Rückflüge gestrichen, so auch in Indien. Unser Autor hat es gerade noch geschafft, zurückzukehren.

So sieht es gerade an viele Flughäfen auf der Welt aus: Passagiere, die schnell nach Hause wollen. Unser Reporter berichtet aus Indien.
So sieht es gerade an viele Flughäfen auf der Welt aus: Passagiere, die schnell nach Hause wollen. Unser Reporter berichtet aus Indien. © dpa

Was ist denn hier los? Auf dem supermodernen Flughafen von Mumbai laufen am Sonnabend Abend Europäer aufgeregt von einem Informationsschalter zum nächsten. Niemand sieht durch, jeder versucht wenigstens einen Ansprechpartner zu finden, der einem weiterhilft. Aber allein das kann Stunden dauern und kostet Nerven. Hilfe finde ich noch am ehesten bei Mitreisenden, die einen zeitlichen Vorsprung haben. Und bald schon ist klar: So läuft das hier seit Tagen. Viele Airlines haben ihre Linienflüge in die indische Riesenmetropole eingestellt und den Urlaubern die Rückflüge gecancelt. Keiner weiß jetzt, was er tun soll, kaum jemand hat vernünftige Informationen bekommen, die Büros der Airlines sind allenfalls stundenweise besetzt. Überall Ratlosigkeit, oft ist Panik nicht weit. Solche Szenen erleben Urlauber, die den Winter in wärmeren Gefilden genießen wollten, in diesen Tagen überall auf der Welt. Auf den Philippinen, in Marokko, den Kanaren.

Indien konnte im Februar noch ganz entspannt mit der Corona-Krise umgehen. Lange Zeit gab es nur einen positiv getesteten Bürger. Die Grenzen nach China waren geschlossen worden, die Inder machten sich ausgiebig lustig über ihre Nachbarn: Chinesen seien selber schuld am Ausbruch des Virus, weil sie alles essen, Schlangen, Insekten, Würmer, eben alles. 

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Die große Aufregung begann erst Ende Februar, als 16 Italiener einer Reisegruppe positiv getestet wurden und etwas später eine Inderin verstarb, nach dem ihr Sohn von einer Italienreise zurückgekehrt war. Die Zeitungen waren auf einem Mal voll mit solchen Berichten. Die indische Regierung zeigte sich dann letzte Woche energisch und ließ keine Touristen mehr ins Land. Indien hat zwar ein gut ausgebautes Gesundheitssystem, der Gesundheitstourismus auf den Subkontinent boomt. Aber eine flächendeckende Gesundheitsbetreuung für die 1,3 Milliarden Inder ist undenkbar, wenn der Coronavirus das Land flächendeckend erreichen sollte und damit auch die großen Armutsgebiete. Ein Alptraum.

Auch den Indern ist das Lachen vergangen

Deutsche Touristen in Indien hatten die Nachricht deshalb verständnisvoll und durchaus entspannt zur Kenntnis genommen. Was sollte schon passieren? Aber sie hatten die Rechnung ohne die Airlines gemacht, die bereits durch viele Flugabsagen zuvor wirtschaftlich angeschlagen waren. Viele Gesellschaften strichen nach dem Einreiseverbot von einem Tag auf den anderen ihre Linienflüge nach Indien komplett, darunter Lufthansa und Swiss. 

Die Schweizer Gesellschaft zum Beispiel hatte mir per Mail lediglich ihr Bedauern mitgeteilt und darauf verwiesen, Umbuchungen sollten über einen Messengerdienst vorgenommen werden. Doch jedesmal kam die Antwort: „Dieser Dienst ist vorübergehend nicht verfügbar.“ Man ahnt, warum. Auf Anrufe in den Callcentern sollten Kunden verzichten, weil die überlastet wären. Zumindest diese Information erwies sich als absolut zutreffend.

Das Taj Mahal ist bereits seit Mitte Februar geschlossen.
Das Taj Mahal ist bereits seit Mitte Februar geschlossen. © Pawan Sharma/PTI/dpa

Touristen in Indien blieb zumeist nichts übrig, als direkt zum Abflughafen zu kommen. Nach stundenlangem Warten tauchten dort am Wochenende nach 21 Uhr Mitarbeiter der Schweizer Fluglinie Swiss auf, versuchten die Fluggäste zu beruhigen und individuelle Lösungen zu finden. Eine alte Dame sollte statt ihrem schönen Buisinessclass-Direktflug nach Zürich Holzklasse über Oman und Paris nehmen. Einer jungen Polin war vollkommen unklar, wie sie von Amsterdam aus in ihre Heimat gelangen sollte. Einem jungen Inder wurde ein Istanbul-Flug angeboten, von dort aus sollte er mal sehen. 

Die Swiss-Mitarbeiter betonten immer wieder: Bloß schnell raus aus Indien. Direktflüge nach Europa boten nur noch KLM und Air India an, einen Tag später sollte auch das schon vorbei sein.

Mit dem Turban vorm Gesicht

Die letzten Direktflüge waren dann auch rappelvoll, viele trugen Masken, die sie zumeist schon vor ihrem Urlaub gekauft hatten, weil Indien ja eines der gesundheitlich schwierigsten Länder ist, wie eine Tropenärztin in Dresden erklärt hatte. 

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Aber auch viele Inder trugen bereits Masken auf dem Weg nach Europa, viele nur aus Papier, manche trugen sie verkehrtherum oder ohne Nasenschutz. Einige knoteten sich Sari- oder Turbanstoff vors Gesicht. Kurz vor der Landung in Frankfurt sollten die Passagiere dann die Augen schließen: Ein Stewart lief durch alle Gänge und versprühte aus drei Spraydosen gleichzeitig dicke Wolken eines Desinfektionsmittels. Willkommen im europäischen Krisengebiet.