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Meißen

Wie es ist, Corona zu haben – eine Frau erzählt

Marie Jansen ist 39 Jahre alt und hält sich an die Ausgangsregeln. Trotzdem infiziert sie sich mit dem Virus, muss in Quarantäne und liegt später sogar im Krankenhaus.

Im Elblandklinikum in Meißen laufen während der Corona-Krise alle Fäden zusammen - hier werden unter anderem Corona-Tests durchgeführt. Über das neuartige Virus ist noch wenig bekannt. Nun berichten die ersten Betroffenen.
Im Elblandklinikum in Meißen laufen während der Corona-Krise alle Fäden zusammen - hier werden unter anderem Corona-Tests durchgeführt. Über das neuartige Virus ist noch wenig bekannt. Nun berichten die ersten Betroffenen. © Foto: Eric Weser/Montage: SZ

Meißen. Eigentlich fühlte sich Marie Jansen* gut. Die 39-Jährige war gerade erst zwei Wochen mit ihrem kranken Sohn zu Hause gewesen, ihren Kontakt zu Mitmenschen hatte sie bereits vor der Ausgangsbeschränkung reduziert. Auch war sie zuletzt in kein Risikogebiet gereist. "Ich habe mich an die momentanen Regeln gehalten", sagt sie.

Doch weil Jansen in einer Zahnarztpraxis arbeitet und dort engen Kontakt zu den Patienten hat, wollte ihr Chef vor ihrer Rückkehr in die Praxis auf Nummer sicher gehen und schickte Jansen Mitte März zu einem Corona-Test. Schon am nächsten Tag lag das Ergebnis vor: Marie Jansen hatte sich mit dem neuartigen Virus infiziert. Für die 39-Jährige eine Überraschung.

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Schulaufgaben in Quarantäne

"Ich hatte leider nur sehr geringe Symptome", erzählt Jansen. Dass sie dennoch das Coronavirus in sich trägt, verunsichert sie aber nicht. "Ich habe es sportlich gesehen, es somit schon hinter mich gebracht zu haben." Doch die herausfordernste Zeit steht der Frau aus dem Landkreis Meißen erst noch bevor. Denn Marie Jansen und ihre Familie leben fortan in Quarantäne. Vor allem für ihren Sohn keine einfache Sache. Schließlich läuft auch das Lernen für ihn derzeit gänzlich anders als sonst.

"Die Schulaufgaben meines siebenjährigen Sohnes sind tagesformabhängig zu bewältigen", sagt Marie Jansen. "Mal gibt es Tränen, ein anderes Mal funktioniert es." Teilweise macht die Situation Jansens Sohn jedoch gesundheitlich zu schaffen. Ansonsten sei die Quarantäne bisher weitgehend unproblematisch verlaufen. Die Familie werde von "einer ganz lieben Familie, Kollegen und Freunden umsorgt", erzählt Marie Jansen.

In der Infektionsambulanz am Elblandklinikum Meißen werden mittlerweile mehrere Dutzend Corona-Tests pro Tag durchgeführt.
In der Infektionsambulanz am Elblandklinikum Meißen werden mittlerweile mehrere Dutzend Corona-Tests pro Tag durchgeführt. © Claudia Hübschmann

Und genau diese Hilfe ist auch dringend nötig, als sich Marie Jansens Zustand Ende März verschlechtert – und die junge Frau für ein paar Tage ins Neustädter Krankenhaus muss. Angst habe sie nicht verspürt, erzählt sie, nachdem sie mittlerweile wieder zu Hause ist. Jedoch Respekt der Situation gegenüber empfunden. "Da man nicht weiß, was noch passieren wird." Die Fürsorge ihrer Hausarztpraxis habe ihre jedoch Mut gemacht. Das Personal rufe noch immer täglich an und erkundige sich nach Jansens Wohlbefinden.

Doch auch die Arbeit der Krankenhausmitarbeiter hat Marie Jansen dieser Tage schätzen gelernt. Man bekomme einfach eine andere Perspektive, "wenn man in so einem Isolationszimmer liegt und sieht, was das Personal eigentlich leisten muss, schon allein Schutzkleidung an und aus", erzählt die 39-Jährige. "Die Lage auf dieser Station war noch entspannt, aber wenn es noch zunehmen sollte, möchte ich nicht in deren Haut stecken."

Warnung der Kontaktpersonen dauert

Nach einem kurzen Aufenthalt im Krankenhaus ist Marie Jansen nun zurück bei ihrer Familie. Ihr Zustand hat sich gebessert, doch so manche Frage ist geblieben. Vor allem macht sich Jansen Gedanken darüber, wie ihre Kontaktpersonen nach ihrer Positivtestung schneller offiziell hätten informiert werden können. "Mir ist sehr unverständlich, dass umgehend alle Kontaktpersonen dem Gesundheitsamt gemeldet werden müssen, jedoch nur diese informiert werden, welche auch im Landkreis Meißen wohnhaft sind", sagt Jansen. So habe etwa die Information ihrer Dresdner Kontakte durch das dortige Gesundheitsamt fast eine Woche gedauert. "Da, denke ich, besteht gerade schneller Handlungsbedarf.

Bei einem Besuch im Elblandklinikum Meißen Mitte März ließen sich Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landrat Arndt Steinbach (beide CDU) von Dr. Boris Rolinski erklären, wie ein Corona-Test abläuft.
Bei einem Besuch im Elblandklinikum Meißen Mitte März ließen sich Ministerpräsident Michael Kretschmer und Landrat Arndt Steinbach (beide CDU) von Dr. Boris Rolinski erklären, wie ein Corona-Test abläuft. © Claudia Hübschmann

Kerstin Thöns, Sprecherin des Landkreises Meißen, räumt auf Anfrage der SZ ein, dass es je nach Fall mehrere Tage dauern kann, bis der Kontakt zwischen den Gesundheitsämtern hergestellt ist. Der Kreis Meißen arbeite bei der Information der Betroffenen unter Leitung der Amtsärztin Petra Albrecht aber vorbildlich. Es werde versucht, alle Personen, zu denen es engeren Kontakt gab, zu ermitteln. Diese werden informiert, nach Symptomen befragt und aufgeklärt. Gibt es Symptome, werde getestet, so Thöns. Gibt es keine, erfolge dennoch eine Aufforderung zu einer 14-tägigen Quarantäne. Diese werde auch kontrolliert. Würden in der Quarantäne Symptome auftreten, werde auf Corona getestet.

Marie Jansen hat sich jedoch nicht allein auf die Informationsübermittlung des Gesundheitsamtes verlassen, sondern all ihre Kontakte nach ihrer Positivtestung selbst informiert. Die meisten ihrer Kontakte begaben sich daraufhin freiwillig in Quarantäne. "Jedoch war darunter eine unbelehrbare Person, welche frisch und munter bis dato draußen rumfuhr."

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Für die Zukunft wünscht sich Marie Jansen, dass Kontakte noch schneller informiert werden und eine Ausbreitung des Coronavirus weitestgehend eingedämmt wird. Damit das medizinische Personal im Krankenhaus weiterhin alle Fälle bewältigen kann. Denn die Tage im Krankenhaus waren für die 39-Jährige "wirklich nicht schön". Aber das organisierte Auftreten und das Bemühen des Personals habe ihr immerhin ein gutes Gefühl gegeben.

*Name von der Redaktion geändert.

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog!

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