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Spielen hinterm Flatterband

In Neustadts großer ASB-Kita Knirpsenland scheint alles wie vor Corona. Doch einiges ist anders. Wie die Kinder zurechtkommen und was an einem Gerücht dran ist.

Für die Kinder (v.l.) Raik, Fritz und Dominik ist Sandkastenzeit. Am nächsten Tag geht es auf den Matschhang.
Für die Kinder (v.l.) Raik, Fritz und Dominik ist Sandkastenzeit. Am nächsten Tag geht es auf den Matschhang. © Daniel Schäfer

In Neustadts ASB-Kita Knirpsenland beginnt der Morgen wie immer, draußen im großen  Areal rund um das Gebäude am Rugiswalder Weg. Einige Kinder nehmen sich das Sandspielzeug, andere eines der Fahrzeuge, einige rutschen in Matschsachen einen Hang hinunter.  Ein munterer, bunter Trubel. Einzig die Flatterbänder auf dem weitläufigen Areal erinnern daran, dass es nicht ein ganz normaler Betrieb ist. Und aufgrund ungewohnter Situationen sicherlich auch eine große Herausforderung für alle. Saechsische.de war vor Ort, um zu sehen, wie sich der Kindergartenalltag in so einer großen Einrichtung wie dem Knirpsenland in Neustadt nach drei Wochen mit Corona-Regeln eingespielt hat. 

Morgens geben die Eltern hier, wie überall vorgeschrieben, ihre Kinder am Tor ab. So manches Elternteil schaut ein wenig traurig hinterher, wenn sich der Sprössling nur mit einem kurzen Tschüss verabschiedet, um dann ganz schnell im Haus zu verschwinden. Dort warten bereits die Spielkameraden und viele neue Erlebnisse. Für Michaela Wendler ein normaler Prozess mit aller Spezifik zum Thema. "Wir merken, dass die Kinder reifen, selbstbewusster und selbstständiger werden", sagt sie.  

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Im Keller des Hauses befindet sich zum Beispiel die Garderobe der Regenbogengruppe. Wo sonst die Mütter, Väter, Omas oder Opas noch beim An- und ausziehen mit Hand angelegt haben, schlüpfen die Kinder hier jetzt ganz allein in ihre Hausschuhe, hängen Jacken und Mützen an den Haken, alles ohne fremde Hilfe.

Ausnahmen gibt es nur im Eingewöhnungszimmer. "Das haben wir extra so eingerichtet, um die Hygieneregeln umsetzen zu können", sagt die Leiterin. Denn es ist das einzige Zimmer, wo die Eltern mit hineindürfen, also ein Elternteil, ein Kind und die Erzieherin, in deren Gruppe das Kind danach kommt. Auch das ist genau festgelegt. Die Gruppen dürfen sich nicht vermischen, die Erzieherinnen müssen immer die gleichen sein. Bei einer derzeitigen Belegung von 82 Kindern war da vermutlich schon im Vorfeld viel Fingerspitzengefühl notwendig, um so ein ausgeklügeltes System auf die Beine zu stellen. 

Reduzierte Öffnungszeit

Diskussionen gab es hier wie andernorts auch um die verkürzten Öffnungszeiten. Man müsse bedenken, dass es sich nach wie vor um eine Notbetreuung in Form eines eingeschränkten Regelbetriebes handele. Und das hat Auswirkungen auf die Öffnungszeiten. In Neustadt gab es deshalb auch kritische Diskussionen.  Für die Kita Knirpsenland  wurden die Öffnungszeiten von 6.30 bis 15.30 Uhr festgelegt. Diesen Zeitraum kann die Leiterin mit ihrem Personal abdecken, um alle Vorgaben einzuhalten. Kritisch könnte es werden, wenn eine Erzieherin ausfällt oder wenn die Urlaubszeit beginnt. Doch zunächst funktioniert das alles gut. "Auch von den Eltern wurde das so angenommen", sagt Michaela Wendler. Irgendwie haben sich in diesen schwierigen Zeiten wohl alle arrangiert.

Es ist kurz nach 9 Uhr. Für die Kinder beginnt die Draußenzeit. Die Gruppen gehen mit ihren zwei Erzieherinnen getrennt in den Bereich, in dem sie am jeweiligen Tag spielen dürfen. Dieser ist mit Flatterband abgegrenzt und wurden so eingerichtet, dass die Kinder jeden Tag wieder etwas neues entdecken können. Aufgrund der großen Außenanlage ist im abgegrenzten Areal noch ausreichend Platz für die Kinder.

Eine Idee des Erzieherteams. Vor Corona konnten die Kinder in den Gruppen untereinander toben und das Spielzeug gemeinsam nutzen. Jetzt gibt es verschiedene Erlebnisbereiche mit wechselnden Spielzeug. Täglich geht es dann in ein neues Areal. Und das hat sogar einen erzieherischen Effekt. Es geht zurück zum Einfachen, weg von der Überflutung. "Wir denken, wir haben das Ganze kindgerecht gelöst und können damit auch den Eltern ein Stück Sicherheit geben", sagt Michaela Wendler. Denn ein positiver Test in einer Gruppe bedeutet Quarantäne für die ganze Gruppe und alle Kontaktpersonen. Damit wird aber zugleich gesichert, dass nicht die ganze Einrichtung isoliert werden muss, sondern weiter arbeiten und die Kinder betreuen kann.

Das Mundschutz-Gerücht

Das alles so zu koordinieren ist nicht einfach und mitunter sogar schwierig. Vor allem der Verwaltungsaufwand ist für Michaela Wendler enorm. Aber man habe sich die Situation nichts ausgesucht. Nun komme es darauf an, für alle Betroffenen das Beste daraus zu machen. Und das heißt auch, trotz Corona Projekte in der Kita umzusetzen.  Eines davon sorgt in Neustadt dennoch für Diskussionen und Gerüchte. Es geht um ein Mundschutzprojekt, in den ersten Tagen nach Ausbruch der Pandemie.  "Wir alle sind Lernende in dem Prozess. Ganz am Anfang haben wir mit den Kindern Mundschutze, Halstücher und Armbänder gestaltet", sagt Michaela Wendler. Damit sollte den Kindern das Thema spielerisch näher gebracht werden. Schließlich müssen sie beim Einkaufen ja auch einen Mundschutz tragen. Das Foto erschien im Neustädter Anzeiger. Daraus folgerten einige,  die Kinder werden verdonnert, in der Kita einen Mundschutz zu tragen. Dem ist nicht so, kann die Leiterin bestätigen. Es war einfach ein Projekt und ihr ist unverständlich, was da in der Öffentlichkeit daraus gemacht wurde. Zumindest die Kinder hatten Spaß daran. "Ich glaube, für alle Erzieher und Leiterinnen sprechen zu können, jede Einrichtung macht in das beste daraus, was im Rahmen der Vorgaben möglich ist", sagt Michaela Wendler. Dann ist für sie die Zeit an der frischen Luft vorbei. Die Arbeit am Schreibtisch wartet schon lange auf sie.

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