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Kinderbonus: Millionen Familien haben nichts davon

Mit 300 Euro pro Kind will der Staat Familien unterstützen. Die Sonderzahlung wird aber steuerlich verrechnet – und hat auch Folgen für den Unterhalt.

Laut Bundesfinanzministerium werden schätzungsweise 3,1 Millionen Kinder nicht von der Bonuszahlung profitieren, weil der Kinderfreibetrag weiterhin günstiger ist.
Laut Bundesfinanzministerium werden schätzungsweise 3,1 Millionen Kinder nicht von der Bonuszahlung profitieren, weil der Kinderfreibetrag weiterhin günstiger ist. ©  Symbolbild/Patrick Pleul/dpa

Dresden. In den kommenden zwei Monaten erhalten Eltern, die Kindergeld beziehen, zusätzlich 300 Euro pro Kind. Das Geld soll in der Corona-Krise Familien mit kleinen und mittleren Einkommen entlasten. Zwar wird es nicht mit anderen Familien- oder Sozialleistungen verrechnet. Doch was viele nicht wissen: Bei der Steuer wird der Bonus mit den Kinderfreibeträgen verrechnet. Insofern bleibt Familien am Ende oft nichts übrig.

Laut Bundesfinanzministerium werden schätzungsweise 3,1 Millionen Kinder nicht von der Bonuszahlung profitieren, weil der Kinderfreibetrag weiterhin günstiger ist. In voller Höhe bleiben die 300 Euro verheirateten Eltern nur erhalten, wenn sie nicht mehr als 67.800 Euro brutto im Jahr verdienen. Bei einem unverheirateten Elternteil sind es 33.900 Euro. Für alle, die mehr haben, wird nur ein Teil vom Kinderbonus übrig bleiben und ab einem Jahreseinkommen von rund 106.000 Euro gar nichts mehr.

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Kindergeld und Corona-Bonus werden mit Kinderfreibeträgen verrechnet

Ursache dafür ist das Zusammenspiel von Kindergeld und Steuerfreibeträgen für Kinder. Auf beides haben Eltern Anspruch. Sie erhalten jedoch nicht beides gleichzeitig, sondern profitieren bei der Steuererklärung entweder von den Freibeträgen oder vom Kindergeld – in diesem Jahr vom Kindergeld plus Kinderbonus.

Geben die Eltern eine Einkommensteuererklärung ab, prüft das Finanzamt automatisch, welche Steuererleichterung günstiger für sie ist. Sind die Steuerfreibeträge vorteilhafter, zieht das Finanzamt das Kindergeld ab und nur der Rest wirkt sich steuermindernd aus, rechnet die Zeitschrift Finanztest in ihrer neuen Ausgabe vor und verweist auf ein Beispiel des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine.

Demnach haben die Eltern einer Tochter 2020 ein Einkommen von 75.000 Euro und erhalten 2.448 Euro Kindergeld (12 mal 204 Euro). Das Finanzamt ermittelt, dass sie dank der Kinderfreibeträge 2.568 Euro Steuern sparen. Davon abgezogen werden die 2.448 Euro Kindergeld. Es ergibt sich eine Steuerersparnis von 120 Euro. Zusammen mit dem Kinderbonus erhalten die Eltern in diesem Jahr jedoch 2.748 Euro (2.448 plus 300) – mehr, als die Steuerersparnis von 2.568 Euro.

"Die Steuerfreibeträge wirken sich also dieses Mal nicht aus. Letztlich erhält das Paar 300 Euro, muss dafür aber auf 120 Euro Steuerersparnis verzichten“, erklären die Finanzexperten.

Auszahlung soll am 7. September beginnen

Mit der Auszahlung des Kinderbonus rechnen können Familien ab dem 7. September. Die erste Rate von 200 Euro überweist die Familienkasse mit dem Kindergeld. Im Oktober folgen noch einmal 100 Euro. Da der Bonus nach dem Gesetz mit dem Kindergeld vergleichbar ist, hat er auch Auswirkungen auf den Kindesunterhalt bei getrennt lebenden Eltern. 

„Das Kindergeld wird bei minderjährigen Kindern zur Hälfte und bei volljährigen Kindern in voller Höhe auf den Unterhaltsanspruch angerechnet. Das gleiche gilt nun auch für den Kinderbonus“, erklärt Daniel Schneider, Fachanwalt für Familienrecht in Dresden. Dadurch verringere sich der Zahlbetrag des unterhaltspflichtigen Elternteils kurzfristig – und zwar bei minderjährigen Kindern im September um 100 Euro und im Oktober um 50 Euro.Wer Unterhalt leisten muss, sollte jedoch nicht einfach die Zahlung für die zwei Monate reduzieren. „Besteht ein Unterhaltstitel, der zu einer Zwangsvollstreckung berechtigt, wenn der vollständige Betrag ausbleibt, würde ich dieses Risiko nicht eingehen“, sagt Schneider. 

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Der Jurist empfiehlt Eltern vielmehr, sich vorab über die Zahlungen für September und Oktober zu einigen. So würden beide Eltern vom Kinderbonus gleichermaßen profitieren. Wann das Geld auf dem Konto ist, hängt von der Endziffer der Kindergeldnummer ab. Steht dort eine Null, ist man am 7. September dabei. Die Endziffern eins bis neun werden im September nach und nach überwiesen. Insgesamt steht der Kinderbonus rund 18 Millionen Kindern zu. (mit dpa)

So berichten wir über die Corona-Krise:

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