merken
PLUS Dresden

Corona: Vier Dresdner Kinder im Krankenhaus behandelt

Die Isolation lässt in manchen Familien Probleme wie Drogen oder Gewalt stärker herausbrechen.

Mediziner Andreas Lachnit spricht über die Probleme in den Familien.
Mediziner Andreas Lachnit spricht über die Probleme in den Familien. ©  Patrick Pleul/dpa (Symbolbild)

Seit vier Woche sind in Dresden, wie überall in Deutschland, die Schulen und Kitas geschlossen. Nur die Kinder, deren Eltern in sogenannten systemrelevanten Berufen wie Ärzte und Einzelhandel arbeiten, werden in der Notbetreuung betreut. Für alle Familien ist diese Zeit eine große Herausforderung. Für Familien, die ohnehin Probleme haben mit Gewalt, Drogen oder psychischen Problemen, kann sie zur unlösbaren Krise führen.

"In unserer Kinderschutzgruppe wurden in den vergangenen zwei Wochen vier  Kinderschutzfälle behandelt, welche mehr oder weniger im Kontext der Corona-Krise zu sehen sind", sagt auch Andreas Lachnit, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin am städtischen Klinikum. Diese Anzahl liege aber nicht wesentlich über dem Durchschnitt, udie  Kinderschutzgruppe betreute 2019  132 Kinderschutzfälle. "Unsere Sorge liegt vor allem bei den aktuell unerkannten und unbehandelten Fällen, deren Nachwirkungen wir möglicherweise erst nach Ende der Corona-Krise mitbekommen werden", so der Medziner.

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Auch das Jugendamt nennt Zahlen. Zwischen dem 18. und 31. März  wurden 10 Kinder und Jugendliche in Obhut genommen. Im Vorjahreszeitraum waren es  36 Kinder und Jugendliche. Doch auch hier wird es bislang unbekannte Fälle geben mit Problemen in den Familien geben.Die aktuelle Notrufnummer des Jugendamtes erhielt im März 2020 110 Anrufe. 

Aus dem Jugendamt heißt es: "Es wird erfahrungsgemäß davon ausgegangen, dass durch veränderte Familiensituationen auch die psychosoziale Belastung von Familien steigt, was sich insgesamt auf das Erziehungsverhalten und den innerfamiliären Umgang mit Konflikten auswirken wird".  Eingehende Verdachtsmeldungen auf eine Kindeswohlgefährdung würden, wie immer, zeitnah überprüft . 

Es gibt außerdem eine Beratungshotline. Fachkräfte stehen von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 8 bis 18 Uhr und Freitag von 8 bis 14 Uhr unter der Rufnummer 0351/488 4741 zur Verfügung. 

Mediziner Lachnit betont, für viele  Kinder sei die Krise aktuell schwer zu bewältigen. "Ihr sonst haltgebender Alltag, ihre Freunde, welche in jedem Alter bei Kindern und Jugendlichen oft eine viel größere soziale Rolle spielen als bei Erwachsenen, ihre Beschäftigungen und pädagogischen Begleitungen in Kindergärten und Schulen fehlen".

Über das Coronavirus informieren wir Sie laufend aktuell in unserem Newsblog. 

Über 44.000 Kinder und Jugendliche in Sachsen nutzten  2017 Angebote der freien Jugendarbeit, rund 10.000 wurden 2018 durch das Jugendamt in ihren oder außerhalb ihrer Familien sozialpädagogisch betreut  und 3.300 Kinder und Jugendliche wurden 2018 in Sachsen vorläufig durch das Jugendamt in Schutz genommen. Diese wichtige Unterstützung ist derzeit auf Grund der Bestimmungen erheblich reduziert oder eingeschränkt. "All diese Kinder, Eltern und Familien benötigen jedoch gerade in den aktuellen Tagen und Wochen voller Ängste vor Krankheit, vor finanziellen Verlusten und Existenznöten, Einschränkungen und Notfallpläne weiterhin Unterstützung."

Corona: Was jetzt in Dresden wichtig ist (SZ+)

Die wichtigsten Infos und Kontakte während der Krise

So entwickeln sich die Infiziertenzahlen (SZ+)

 Aktuelle Auswertungen der Angebote hätten in den vergangenen Wochen einen deutlichen Anstieg der Nutzungszahlen gezeigt, je nach Angaben zwischen 20 bis 100 Prozent. "Natürlich verbirgt sich hinter der Abschätzung der aktuellen Situation von Kindeswohlgefährdung eine hohe Dunkelziffer, es gibt aktuell schlichtweg keine "Kontrollinstanz" wie Schule und Kindergarten", so Lachnit. 

Um die Zeit Zuhause als Familie so gut wie möglich zu überstehen, hat Andreas Lachnit Tipps: "Bieten Sie einen strukturierten Tagesablauf mit feste Schlaf- und Esszeiten, Hausaufgabenzeit und Freizeit. Sorgen Sie für Bewegung - Drinnen oder auch draußen und Spielzeit mit Lesen, Puzzeln, Malen, Brettspiele. Erklären Sie die Corona-Krise altersgerecht und sprechen Sie sich, wenn möglich, mit jemandem ab. Auch die Eltern brauchen mal eine Rückzugsmöglichkeit."

Nachrichten und Hintergründe zum Coronavirus bekommen Sie von uns auch per Email. Hier können Sie sich für unseren Newsletter zum Coronavirus anmelden.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden