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Zittau

Dank Spende wird Klosterhof weiter saniert

Zittaus einstigen reichsten Kaufmann würde es freuen. Und vielleicht wird noch ein unbekannter Künstler entdeckt.

Die Spender Steffen und Birgit Bollmann im Gespräch mit Zittaus Museumsdirektor Peter Knüvener und Restaurator Andreas Muth (von links) vor dem Grufthaus Besser.
Die Spender Steffen und Birgit Bollmann im Gespräch mit Zittaus Museumsdirektor Peter Knüvener und Restaurator Andreas Muth (von links) vor dem Grufthaus Besser. © Matthias Weber/photoweber.de

Die städtischen Museen Zittau gehören jetzt zu einem Kreis deutscher Museen, die in den Genuss einer "coronabedingten" Förderung gekommen sind. "Damit kann es  nun mit den Sanierungen im Klosterhof weitergehen. Die Eigenmittel können wir dank einer Spende des Ehepaars Steffen und Birgit Bollmann stemmen", berichtet Museumsdirektor Peter Knüvener.

Nach der Spende hatte er vorige Woche Freitag die Fördermittel bei der Ernst von Siemens-Kunststiftung für die Restaurierung des Grabmals im Grufthaus Besser beantragt und am Montag die Zusage erhalten. Schneller geht es nicht. "Das ist ein großartiges Signal für uns", sagt Peter Knüvener. Die Stiftung unterstützt jetzt in Corona-Zeiten Kommunen bei der Restauration von Kulturgütern und hilft Freiberuflern mit Aufträgen. 

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Die Städtischen Museen Zittau haben ihren Sitz im ehemaligen Franziskanerkloster. Dazu gehört mit dem Klosterhof und seinen Grufthäusern ein einzigartiges Denkmal der Sepulkralkultur - der Trauer- und Begräbniskultur - in Mitteleuropa, schildert der Museumsdirektor.

Mit einem deutsch-tschechischen EU-Projekt wurden bereits Teile der Grufthäuser saniert. "Leider reichten die Mittel von etwa 260.000 Euro wegen unerwarteter statischer Probleme an den Fundamenten und einer aufwendigen Trockenlegung nur für ein einziges Grabmal aber nicht aus", schildert Peter Knüvener. Die Sanierung des Besserschen Grabmals musste verschoben werden. Jetzt ist sie aber aufgrund des starken Zersetzungsgrades des Sockels und den akuten Lockerungen der Farbfassung dringend nötig.

Die Gesamtkosten für das wohl bedeutendste Grabhaus im Klosterhof betragen 24.670 Euro. Lediglich für das Sanieren der Falltür und der Wandumfassung werden noch bis zu 5.000 Euro gebraucht. Der Zwickauer Restaurator Andreas Muth beginnt in den nächsten Tagen mit seiner Arbeit.

Dafür werden Skulptur und Sockel abgebaut. Sie sollen später auch nicht mehr direkt mit der Gruftwand verbunden sein. Denn das ist einer der Hauptgründe, warum beide große Witterungsschäden aufweisen. Hinter der Wand ist das Erdreich viel höher und die Mauer dadurch ständig Feuchtigkeit ausgesetzt gewesen, erzählt der Restaurator.

Andreas Muth wird die Hermesfigur und den Sockel des Grabmals im Grufthaus Besser nicht einfach nur restaurieren. Auch die Sandsteine und Farbschichten werden untersucht, wenn Letztere auch nicht in den Originalzustand, wie etwa die Vergoldungen, versetzt werden.

Nur noch 16 von 22 Grabbauten vorhanden

"Vielleicht entdecken wir beim Abbau der Skulptur einen Hinweis auf den Künstler", hofft Museumsdirektor Peter Knüvener. Der ist bisher unbekannt.  Während des Dreißigjährigen Krieges gab es am Baukomplex des Franziskanerklosters auch am Kreuzgang Schäden. Danach ist er neu genutzt worden. Bedeutenden Zittauer Familien diente der Klosterhof zwischen 1675 und 1760 als Friedhof. Von 22 Grabbauten sind noch 16 vorhanden. Dieses Ensemble gehört zu den bedeutendsten barocken Anlagen seiner Art in Sachsen.

Dabei versuchten sich die Familien mit der Zeit mit immer aufwendigeren Grabstätten zu übertrumpfen. Das Grufthaus Besser von 1734 ist das bedeutendste, schildert der Museumsdirektor. Hermes - der Gott des Handels - wurde für das Grabhaus der Familie bewusst gewählt. Christian Besser gehörte im 18. Jahrhundert zu den herausragenden Persönlichkeiten Zittaus. Gemeinsam mit seinem Sohn Carl Christian hat er tiefe Spuren in der Geschichte und Kunstgeschichte der Stadt hinterlassen. Das Palais des Kaufmanns in der Innenstadt ist noch erhalten geblieben. Besser gehörte zu den reichsten Kaufleuten, handelte mit Leinwand nicht nur in Europa und beschäftigte so viele Tausend Leute, heißt es.

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Bis zum Spätherbst 2020 könnte die Sanierung fertig sein. "Uns liegen die Zittauer Kultur und ihre Museen am Herzen. Als wir von der Möglichkeit einer Förderung durch die Stiftung hörten, haben wir gern das nötige Eigenkapital, das die Stadt dafür braucht, gespendet", sagen Birgit und Steffen  Bollmann. 

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