merken
PLUS

Kamenz

Kompressorenwerk startet nach Corona-Pause

Die Toyota-Tochter in Straßgräbchen fährt ihre Produktion langsam wieder hoch - unter strengen Sicherheitsvorkehrungen.

Das Klimakompressorenwerk in Straßgräbchen bei Kamenz fährt unter Leitung von Geschäftsführer Kazushige Murao die Produktion langsam wieder hoch. Ein Teil der Arbeitsplätze wurde durch Kunststoffblenden voneinander getrennt.
Das Klimakompressorenwerk in Straßgräbchen bei Kamenz fährt unter Leitung von Geschäftsführer Kazushige Murao die Produktion langsam wieder hoch. Ein Teil der Arbeitsplätze wurde durch Kunststoffblenden voneinander getrennt. © Matthias Schumann

Straßgräbchen. Vier Wochen lang ruhte die Produktion im Kompressorenwerk in Straßgräbchen wegen der Corona-Krise. Eine quälende Zeit der Unsicherheit, wie es sie in der Firmengeschichte noch nicht gab. „Wir beginnen jetzt, ganz behutsam wieder die Produktion zu starten“, sagt Vizepräsident Ronald Juhnke. Das gibt Hoffnung für die 950 Mitarbeiter der TD Deutsche Klimakompressoren (TDDK).

Zarte Signale aus der Wirtschaft machen Mut dafür. Die kommen insbesondere aus China, von der BMW-Niederlassung dort. Die brauche als einer der ersten Autohersteller wieder die Klimakompressoren aus Straßgräbchen. Diese sind das Herzstück einer Autoklimaanlage.

Anzeige
Küchendesigner (m/w/d) gesucht
Küchendesigner (m/w/d) gesucht

Wenn Sie voller Ideen stecken, wie moderne Küche aussehen sollte, dann sind Sie beim KÜCHENZENTRUM DRESDEN genau richtig!

Seit der vorigen Woche traf die Tochter japanischer Autozulieferer der Toyota-Gruppe viele Vorbereitungen, um die hygienischen Vorgaben für den Produktionsstart erfüllen zu können. Dazu gehört ein TDDK-Viren-Kodex mit den zehn wichtigsten Punkten für das Verhalten im Unternehmen. Der enthält auch viel Bekanntes mit dem obersten Gebot - der Handhygiene.

Ein Blick in den Speisesaal zeigt: Jetzt ist dort essen in kleineren Grüppchen zwischen Pappen angesagt. Die stehen als Trennwände auf den Tischen und erinnern an Wahlkabinen, wie sie heutzutage gebräuchlich sind. Es ist eine Sonderanfertigung, die ein Unternehmen aus Spremberg schnell liefern konnte.

TDDK-Geschäftsführer Kazushige Murao (r.) und Vizepräsident Ronald Juhnke im Speisesaal des Unternehmens. Auf den Tischen stehen jetzt Trennwände.
TDDK-Geschäftsführer Kazushige Murao (r.) und Vizepräsident Ronald Juhnke im Speisesaal des Unternehmens. Auf den Tischen stehen jetzt Trennwände. © Matthias Schumann

Kreativität ist auch in der Produktion gefragt. Denn die Mitarbeiter sollen dort an den Montagebändern ebenso geschützt sein. 1,5 Meter Abstand ist das Maß der Dinge. Wo er nicht eingehalten werden kann, wurden durchsichtige Kunststoffscheiben oder -vorhänge montiert.

Außerdem sind Schutzmasken ein Thema. 2.000 seien bereits geordert worden. 15.000 würden noch in der nächsten Woche aus China kommen, vermittelt über die japanische Mutterfirma. Jedem Mitarbeiter stehe täglich eine Maske am Arbeitsplatz zur Verfügung. Es gebe aber nur in wenigen Bereichen eine Maskenvorschrift, nämlich dort, wo die Hygiene-Regeln nicht gewährleistet werden können. Denn die Arbeit mit Maske sei ja auch eine Belastung. Davon können Brillenträger ein Lied singen, wenn die Gläser anlaufen. Menschen mit Atemproblemen seien ebenfalls gehandicapt, so Ronald Juhnke.

Hinzu kommen Unmengen von Einmalhandschuhen, Desinfektionstüchern und –flüssigkeit. Zum Beispiel im Pausenraum: „Wir wollen den Kaffee nicht verbieten. Aber die Mitarbeiter sollen die Kaffeemaschinen, die Kühlschränke, alle Geräte immer nach der Benutzung abwischen.“ Das ist auch so ein Punkt im Kodex: keine Gegenstände gemeinsam benutzen.

In dieser Woche laufen die ersten beiden der vier großen Montagelinien an. Anfang der Woche begannen erste Funktionstests nach der Pause. Mit den zwei Linien kommt nur rund ein Zehntel der Belegschaft wieder aus der Kurzarbeit ins Werk zurück, erklärt Ronald Juhnke. Dann fehlen immer noch zwei weitere große Montagelinien sowie drei Linien  der Endmontage. Die maschinelle Bearbeitung von Teilen ruhe, ebenso wie die Fertigung von Kupplungen und die Arbeit in der Gießerei. Die soll kommende Woche hochgefahren werden.

Aber auch im Mai werde maximal einschichtig produziert. Ein Kunststück sei die Personalplanung derzeit trotzdem. So dürfen sich bestimmte Teams nicht begegnen, um mögliche Ansteckungsgefahren zu minimieren. Damit will das Unternehmen sichern, dass kein Bereich bei einer Corona-Infektion komplett stillsteht. „Wir müssen uns auf den Corona-Fall vorbereiten“, so Juhnke.

Vizepräsident Ronald Juhnke zeigt einen Klimakompressor. Er ist das Herzstück der Kllimaanlage eines Autos und kann in Straßgräbchen jetzt wieder vom Band laufen.
Vizepräsident Ronald Juhnke zeigt einen Klimakompressor. Er ist das Herzstück der Kllimaanlage eines Autos und kann in Straßgräbchen jetzt wieder vom Band laufen. © Matthias Schumann

Mit den Folgen der Covid-19-Krise werde das Unternehmen noch lange zu kämpfen haben, schätzt der Vizepräsident ein. Es werde vielleicht Monate dauern, bis die Produktion wieder Vorkrisenniveau erreicht. Ronald Juhnke: „Wir fahren erst einmal auf Sicht mit angezogener Handbremse.“ Er hofft, dass die Autohersteller in Deutschland nachziehen. Aber es gebe auch Autokonzerne, denen es nicht so gut geht. So sei ungewiss, wie sich der Bedarf entwickle. Zum Glück sei TDDK breit aufgestellt und liefere an Konzerne weltweit.

Dafür laufen normalerweise 500.000 Kompressoren im Monat vom Band. Im April könnten es gerademal 50.000 werden, im Mai 200.000 bis 250.000, wenn es gut geht. Trotz des Einbruchs werde das Unternehmen an der Lohnsteigerung von 3,5 Prozent ab April festhalten, versichert Juhnke, auch wenn es in dieser Zeit nicht leicht sei. Das sei mit der Mitarbeitervertretung vereinbart worden.

Außerdem stocke TDDK das Kurzarbeitergeld für April und Mai auf 80 Prozent auf. Damit wäre TDDK dem Staat ein Stück voraus. Die Mitarbeitervertretung habe sich dafür stark gemacht. Ohne Kurzarbeitergeld wäre es aber selbst für ein Unternehmen wie TDDK schwierig, solch eine Krise zu bewältigen. 

Weiterführende Artikel

Autozulieferer schickt 900 Mitarbeiter heim

Autozulieferer schickt 900 Mitarbeiter heim

20.000 Kompressoren laufen bei TDDK in Straßgräbchen täglich vom Band. Jetzt stoppt das Unternehmen die Produktion - mit einer Vollbremsung.

Jetzt kann die erste Produktionslinie wieder anlaufen. Das habe sogar Symbolcharakter, sagt Juhnke. Im April jährt sich der Produktionsbeginn in Straßgräbchen zum 20. Mal - gestartet wurde damals mit genau  der gleichen Linie wie jetzt . 

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Kamenz