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Verliert Görlitz den Kreistag?

Die Fraktion der Linken findet die Messehalle Löbau als Veranstaltungsort bestens geeignet. Der Landrat war mit der Idee auf die Schnelle überfordert.

Die große Leere, hygienetechnisch einwandfrei: So sieht er aus, der Kreistag in der Messehalle Löbau.
Die große Leere, hygienetechnisch einwandfrei: So sieht er aus, der Kreistag in der Messehalle Löbau. © Matthias Klaus

So schön. Viel Platz. Hygientechnisch kann es gar nicht besser sein. Die Abgeordneten des Görlitzer Kreistages sitzen soooooo weit auseinander. Da kann niemand meckern, Maske muss während des jüngsten Kreistages wirklich niemand tragen. Ein Anti-Corona-Idyll, dieser Kreistag am vergangenen Mittwoch in der Messehalle in Löbau. Trotz aller Vorschriften, die Essenversorgung der Mitglieder ist gesichert, ganz weit hinten in der Halle. Weitab von politischem Streit, aber doch nahe genug, um den oder die hungrige Abgeordnete zu bedienen.

Idealer Kreistag in Corona-Zeiten? Offensichtlich, findet zumindest die Fraktion der Linken. Das Beste kommt ja mitunter zum Schluss, und fast vor dem Ende der Sitzung haut Jens Hentschel-Thöricht, Geschäftsführer der Fraktion der Linken im Kreistag aus Zittau, noch einen raus. "Wäre es nicht gut", fragt er während der öffentlichen Fragestunde, "wenn der Kreistag dauerhaft nach Löbau umziehen würde?"

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Ausgleich für Ämterabbau

Jens Hentschel-Thöricht hat auch gleich ein paar Argumente parat. Zum einen ist da natürlich die großräumige Messehalle. Zum anderen sind Parkplatzprobleme für Kreistagsmitglieder und Gäste der Veranstaltung kein Thema mehr - ganz anders als am bisherigen Veranstaltungsort, der Aula des Berufsschulzentrums an der Carl-von-Ossietzkiy-Straße in Görlitz. Dort wird es zuweilen bei der schnellen Parkplatzsuche eng.

Jens Hentschel-Thöricht hat zudem noch ein weiteres Argument im Ärmel. Schließlich habe Löbau im Zuge der Umstrukturierung der Landkreisverwaltung Ämter abgeben müssen. Was läge da also näher - sozusagen als Ausgleich - den Kreistag in die mehr oder weniger Kreismitte ziehen zu lassen?

Ein Thema, mit dem er Landrat Bernd Lange (CDU) doch offensichtlich ein wenig überrascht. Der Mann aus dem Norden des Kreises kann sich nicht so recht mit dem Gedanken anfreunden, so scheint es. Sonderlich begeistert ist er jedenfalls nicht - und bringt als Gegenargument vor allem die Verbindung des öffentlichen Nahverkehrs nach Löbau ins Spiel. Die wäre ja nicht so gut wie nach Görlitz sagt, er. Und man müsse ja auch an Zittau denken. Und überhaupt...  Aber so richtig fehlen dem Landrat dann doch die Gründe, die gegen Löbau als dauerhaften Kreistagssitz sprechen. "Oh je, ich begebe mich hier ganz schön auf dünnes Eis", sagt er und dann gar nichts mehr. Zumindest allerdings, mit Bezug zur Görlitzer Aula:  "Ich bin mit Ihnen allen gern eng zusammen." Dafür gibt es ein bisschen Applaus. 

Kreistag müsste selbst entscheiden

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Der Löbauer Oberbürgermeister Dietmar Buchholz, sozusagen Gastgeber des Kreistages, hat inzwischen natürlich zu einer Gegenrede angesetzt - leider bleibt sie aufgrund der Weite der Halle weitgehend ungehört.  "Gut, dass ich Dich hier oben nicht höre", findet der Landrat aus der Ferne per Lautsprecher. Ob der Kreistag von Görlitz nach Löbau zieht - darüber müssten die Mitglieder am Ende selbst entscheiden.

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