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Corona-Krise: Acht von zehn Jobs bedroht

Experten sprechen von schwerster Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Schon jetzt sind weltweit 2,7 Milliarden Arbeitskräfte von den Maßnahmen betroffen.

© dpa

Von Ulrich Zawatka-Gerlach und Jan Dirk Herbermann

Die Coronavirus-Pandemie droht zum größten globalen Jobkiller seit Jahrzehnten zu werden. „Die Beschäftigten und Unternehmen stehen einer Katastrophe gegenüber, sowohl in den reichen wie in den armen Ländern“, sagte der Generaldirektor der Internationalen Arbeitsorganisation, Guy Ryder, am Dienstag in Genf.

Es sei die „schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg“, erklärte Ryder bei der Vorstellung eines Berichts über die Auswirkungen der Krise auf die Arbeitsmärkte. Bereits jetzt sind nach den Erkenntnissen der Weltarbeitsorganisation Ilo 2,7 Milliarden der insgesamt 3,3 Milliarden Arbeitskräfte von Betriebsschließungen, Einschränkungen im Betriebsablauf und anderen Unterbrechungen im Wirtschaftskreislauf betroffen.

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Der Brite Ryder verlangte eine koordinierte internationale Antwort auf die Krise und einen Schuldenerlass für die ärmsten Staaten. Zudem müssten Regierungen mit gezielten nationalen Interventionen die Volkswirtschaften stützen.

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Die richtige Politik werde den Unterschied zwischen „Überleben und Kollaps“ ausmachen, mahnte der Generalsekretär der Ilo. Den Berechnungen seiner Organisation zufolge werden durch die Pandemie von April bis Juni 2020 nahezu sieben Prozent der Arbeitsstunden weltweit wegfallen. Bei einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden gingen so 230 Millionen Jobs verloren. Allein in den USA sind binnen einer Woche zuletzt fast 6,7 Millionen Menschen arbeitslos geworden.

Wie stark die globale Arbeitslosigkeit im Laufe des Jahres tatsächlich noch ansteigen wird, sei noch unklar, betonte Ryder. Es bestehe aber die große Gefahr, dass der Anstieg noch weit über den prognostizierten Ziffern liege.

2,7 Milliarden Menschen von Maßnahmen betroffen

Noch Mitte März war die Ilo davon ausgegangen, dass 25 Millionen Jobs infolge der Pandemie verloren gehen. Insgesamt seien derzeit rund 2,7 Milliarden Menschen von Anti-Corona-Maßnahmen betroffen – das sind rund 81 Prozent aller Arbeitskräfte weltweit.

Wie die Krise europa- und weltweit finanziell abgefangen werden soll, ist weiterhin unklar. Die Euro-Finanzminister konnten sich bis zum späten Dienstagnachmittag noch nicht auf ein gemeinsames Rettungspaket für Italien und Spanien inklusive gemeinsamer europäischer Anleihen einigen.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) erwähnte diesen strittigen Punkt vor Beginn der Beratungen gar nicht. Er bekräftigte, mit drei Elementen helfen zu wollen: dem Europäischen Rettungsfonds ESM, Krediten der Förderbank EIB sowie einer europäischen Variante des Kurzarbeitergeldes.

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Alles zusammen ergebe ein ziemlich großes Paket, hatte der SPD-Politiker vor der Besprechung gesagt.

Offen war bis zuletzt, ob die Differenzen bei gemeinsamen Anleihen – sogenannten Eurobonds oder aktuell Coronabonds – zu einem Eklat führen oder ob der Punkt doch ausgeklammert werden soll. Deutschland ist wie schon in der Eurokrise gegen solche Maßnahmen. Vor allem in der CDU/CSU ist der Widerstand groß.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund forderte die Regierung hingegen auf, ihre „Blockadehaltung“ aufzugeben.

Für Deutschland hat Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) Nachbesserungen der Hilfspakete in Aussicht gestellt. Die Regierung stehe bereit, ihre Unterstützungsmaßnahmen immer wieder daraufhin zu überprüfen, wo es Lücken gebe, sagte Altmaier am Dienstag in einer Videoschalte mit der Präsidentin des Autoverbandes VDA, Hildegard Müller.

Für die hoch qualifizierten Mitarbeiter werde es wieder Aufträge und Arbeit geben.

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Berlin will drei Milliarden mehr ausgeben

Auch Berlin will im laufenden Jahr fast drei Milliarden Euro mehr ausgeben als bisher geplant. Davon stehen 2,6 Milliarden Euro Zuschüsse für Solo-Selbstständige, Freiberufler und Kleinstunternehmer zur Verfügung. Dieses Geld kommt aber aus der Bundeskasse und wird nur von der Investitionsbank Berlin (IBB) verteilt.

Weitere 100 Millionen Euro aus dem Landesetat werden für voll verbürgte Kredite an kleine und mittlere Betriebs der Kulturwirtschaft (einschließlich Kinos) und für Start-ups ebenfalls über die IBB zur Verfügung gestellt. Dass der Senat nicht bereit sei, die Förderlücke für Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten zu schließen, sei eine „schallende Ohrfeige für den Mittelstand“, sagte IHK-Präsidentin Beatrice Kramm.

Zusätzliche Ausgaben sind im Nachtragshaushalt für Schutzausrüstungen und Beatmungsgeräte (79 Millionen Euro), den Bau eines Behelfskrankenhauses (56 Millionen Euro) und für Entschädigungszahlungen an alleinstehende Eltern (23,5 Millionen Euro) vorgesehen, die wegen fehlender Kinderbetreuung Einkommensverluste erleiden. Außerdem erhalten die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg und die landeseigene Messe GmbH Liquiditätsspritzen in Höhe von 111 beziehungsweise 25 Millionen Euro. 

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